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Per Sonderkurier an StadträteStreit in Dessau-Roßlau: Protestbrief aus Roßlau für Erhalt des Stadtnamens

Roßlau - Es ist Sonntag, 17.45 Uhr, als die 50. Unterschrift unter einen Protestbrief gesetzt wird. Er soll noch am Abend jedem einzelnen Dessau-Roßlauer Stadtrat per Sonderkurier zugestellt werden. Sein Inhalt: Roßlauer Bürger, Vertreter von Vereinen, Feuerwehr und auch Politiker setzen sich für den Erhalt des Stadtnamens Dessau-Roßlau ein und wenden sich damit gegen eine Vorlage, die am Mittwoch dieser Woche im Stadtrat beschlossen werden ...

Von Annette Gens 18.06.2017, 19:19

Es ist Sonntag, 17.45 Uhr, als die 50. Unterschrift unter einen Protestbrief gesetzt wird. Er soll noch am Abend jedem einzelnen Dessau-Roßlauer Stadtrat per Sonderkurier zugestellt werden. Sein Inhalt: Roßlauer Bürger, Vertreter von Vereinen, Feuerwehr und auch Politiker setzen sich für den Erhalt des Stadtnamens Dessau-Roßlau ein und wenden sich damit gegen eine Vorlage, die am Mittwoch dieser Woche im Stadtrat beschlossen werden soll.

Fünf Fraktionen des Stadtrates plädieren darin für einen Bürgerentscheid zur Umbenennung der Stadt von „Dessau-Roßlau“ in „Dessau“. Dieser Plan macht die Roßlauer wütend.

Kampf um Stadtnamen „Dessau-Roßlau“

„Ich fühle mich nicht nur hintergangen, sondern betrogen und würde gerne gegen einzelne Mitglieder des Stadtrats Anzeige wegen Betrugs erstatten“, sagte der Roßlauer Winfried Böttcher am Sonntagabend in der Feuerwache, wo Mitglieder des Ortschaftsrates und des Stammtisches der Vereine den gemeinsamen Brief an die Stadträte verabschiedeten. Darin heißt es unter anderem: „Wir rufen Sie hiermit in aller Dringlichkeit auf, diese Vorlage (zur Namensänderung - die Red) nicht zu beschließen, da schon der öffentliche Aufruf zur Änderung des Stadtnamens einen Bruch der Vereinbarung über den Zusammenschluss der Stadt Dessau mit der Stadt Roßlau darstellt, die vor zwölf Jahren beide Stadträte beschlossen und somit zu gültigen Dokumenten für die Doppelstadt Dessau-Roßlau bestimmt hatten.“ Sollte der Stadtrat am Mittwoch dennoch einen Beschluss zur Durchführung eines Bürgerentscheides legitimieren, so sehen die Unterzeichner keine Grundlage mehr für eine erfolgreiche Zukunft der gemeinsamen Doppelstadt. Appelliert wird eindringlich, „alles zu unternehmen, damit der durch die Namensdiskussion aufgeworfene Graben endlich zugeschüttet wird“.

Ermuntert wurden die Akteure auch von einem Wittenberger, der als Einzelkandidat zur Bundestagswahl noch Unterschriften benötigt: „Trauen Sie sich was“, sagte Tobias Ulbrich. Der Roßlauer Bernd Klaue (Die Linke) machte deutlich, dass nicht alle Linken für den Bürgerentscheid sind. „Wir stellen uns hinter die Initiative des Ortschaftsrates“, sagte er. Es wurde mehrfach von Rednern betont, dass es in der Doppelstadt dringendere Probleme gebe als die Änderung eines Namens und dass die Namensänderung die Wirtschaft nicht voranbringe.

Beim Appell allein blieb es nicht. Roßlaus stellvertretende Ortsbürgermeisterin Sylvia Gernoth forderte die Roßlauer auf, am Mittwoch ins Dessauer Rathaus zum Stadtrat zu kommen. „Wir wollen erreichen, dass die Vorlage von der Tagesordnung genommen wird“, sagte sie. (mz)