Straßen aus dem Drucker

Straßen aus dem Drucker: Dessau-Roßlau will für rund 57.000 Euro neues Stadtmodell anschaffen

Dessau-Roßlau - Dessau-Roßlau will für rund 57.000 Euro ein neues Stadtmodell anschaffen. Jetzt präsentierte Hochschule Anhalt erste Ergebnisse.

Von Daniel Salpius 13.10.2020, 12:55

Sieben Stunden - so lange dauert es St. Peter und Paul zu errichten. Und ja, gemeint ist tatsächlich die Kirche an der Ecke Zerbster und Albrechtstraße. Nur eben im Maßstab 1:500.

Dessau-Roßlau will für rund 57.000 Euro ein neues Miniaturmodell der Stadt anschaffen, um den Bürgern die Stadtentwicklung sichtbarer zu machen. Dazu hatte die Verwaltung 2019 einen Kooperationsvertrag mit der Hochschule Anhalt geschlossen. Die Lehranstalt ist mit ihrem Robotiklabor samt 3-D-Druckern imstande, ein solches Modell anzufertigen.

Erste Ergebnisse präsentierte Stefan Reich in der vergangenen Woche dem Bauausschuss. Er ist Professor im Fachbereich Architektur, Facility Management und Geoinformation der Hochschule. Mitgebracht hatte er dazu zwei etwa 50 mal 50 Zentimeter große Kacheln, auf denen zwei verschiedene Ausschnitte der Stadt bereits fertig modelliert waren. Eine zeigte etwa den Bereich um St. Peter und Paul sowie St. Johannis.

Um die Stadtfläche Dessau-Roßlaus abzubilden, werden laut Hochschule Anhalt 42 Platten benötig

Bei dem Verfahren, erklärte Reich, würden die Straßen und Wege in die Platten eingefräst, die Gebäude mittels 3-D-Drucker gedruckt. So ließen sich auch komplexe geometrische Strukturen darstellen. Die Daten dafür kämen großteils vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation. Diese aufzubereiten und zum Beispiel Brücken oder Rampen zu ergänzen, sei die Grundlage für das Modell, aber auch sehr zeitintensiv. Aktuell liefen vorbereitende Maßnahmen.

Um die Stadtfläche Dessau-Roßlaus abzubilden, werden laut Hochschule Anhalt 42 Platten benötigt. Eine Platte koste 1.350 Euro. So berechnen sich die genannten Gesamtkosten des Projekts. 60 Stunden dauere es, bis eine Platte fertig sei, sagte Reich und betonte: „Es ist eine reine studentische Arbeit.“ Überwiegend fielen daher nur Materialkosten an.

Dem Professor zufolge handelt es sich außerdem um ein sehr flexibles Modell. Es könne leicht auseinander gebaut und transportiert werden. Und: „Neue Gebäude können jeder Zeit nachgedruckt und eingesetzt werden.“ Das Modell könne somit sehr lange genutzt werden.

„Ich finde, das ist eine tolle Idee und die Kosten sind aus meiner Sicht nicht zu hoch“

Ein weiteres Plus sei, dass zugleich sämtliche notwendigen Daten für ein digitales 3-D-Modell der Stadt mitgeliefert würden. „Wir haben die Vorarbeit erbracht, jetzt liegt es an Ihnen, ob Sie an unserem Vorschlag Interesse zeigen“, wandte sich Reich an den Ausschuss.

Der wiederum zeigte sich angetan. „Ich finde, das ist eine tolle Idee und die Kosten sind aus meiner Sicht nicht zu hoch“, äußerte der Ausschussvorsitzende Eiko Adamek (CDU). Hans-Georg Otto (Pro Dessau-Roßlau) regte gleich noch an, doch gleich ein Negativ zu fertigen, um künftig einen Bronzeguss des Modells an öffentlichem Platz zu präsentieren. Auch Jörg Bernstein (FDP) schlug eine weiterführende Nutzung vor: „Kann man nicht mithilfe der Daten ein digitales Baulandkataster erstellen, um Baulücken in der Stadt für Investoren sichtbar zu machen?“

Und wie geht es nun weiter mit dem Stadtmodell?

Die Beigeordnete für Stadtentwicklung und Umwelt, Christiane Schlonski, bestätigte Pläne in dieser Richtung. Das Stadtplanungsamt sei auf gutem Wege.

Und wie geht es nun weiter mit dem Stadtmodell? Wie Adamek auf Nachfrage am Donnerstag mitteilte, gehe er davon aus, dass demnächst eine Vorlage eingebracht werde, um die Anschaffung zu beschließen. (mz)