Stadtumbau

Stadtumbau Dessau: Planer stellen sich bei Radtour den Skeptikern

Dessau - Beim Stadtumbautag erfahren Dessau-Roßlauer, wo die Millionen verbaut werden. Die Planer und Bauleute der Stadtverwaltungen stellen sich auch Kritikern.

Von Erik Lisso
Infos an der Tiergartenbrücke über die Landesgartenschau: Das Interesse war groß.

Wie geht es voran? Wieviel kostet das? Und wann ist mit einer Fertigstellung zu rechnen? Hätte man eine Rangliste aufgestellt, diese drei Fragen hätten am Ende ganz oben gestanden. Sie waren es, die Architekten und Stadtplaner am Sonnabendvormittag immer wieder zu hören bekommen. Denn egal, ob Muldebrücke, neue Schwimmhalle oder Schloss Georgium – die Zahl der Bauvorhaben in der Stadt wird in den kommenden Jahren nicht sinken. Entsprechend zahlreich sind die Nachfragen - und auch die Skeptiker unter den Dessau-Roßlauern.

Grüner Gürtel auf 17 Hektar

Doch trotz manch kritischer Stimme, Christiane Schlonski war nicht aus der Ruhe zu bringen. Im Rahmen des bundesweit stattfindenden „Tages der Städtebauförderung“ hatte Dessau-Roßlaus Dezernentin für Stadtentwicklung und Umwelt gemeinsam mit ihren Kollegen aus den zuständigen Ämtern Interessierte zu einer knapp fünfstündigen Fahrradtour quer durch das Zentrum eingeladen. Dass die Wahl in diesem Jahr erneut auf ein solches Format fiel, war kein Zufall. „Uns geht es darum“, erklärte Schlonski, „möglichst verschiedene Projekte vorzustellen, die ohne die Förderung durch den Bund so nicht möglich wären. Die Dessau-Roßlauer sollen sehen, wie es dabei vorangeht und was alles in der Stadt passiert.“

Fragestunde auf dem Rad

An insgesamt neun Stationen gab es am Sonnabend Einblicke in das Planungs- und Baugeschehen, Fragen und Anregungen der Radler inklusive. Bereits zum Start bot sich dabei ein überraschend ungewohnter Anblick: Bei bestem Wetter hatten sich mehr als 80 Teilnehmer vor dem Schloss Georgium versammelt, um sich einen Überblick über den dortigen Baufortschritt zu verschaffen. Noch immer prägen unverputzte Fenster, offene Fußböden und herunterhängende Kabel das Bild. Noch spricht Jonas Jüttner vom „Tag X“, was eine Wiedereröffnung betrifft. „Doch wir sind dabei, es geht voran“, sagte der Hallenser Architekt.

Die Achso Bahnhof-Stadtpark wieder herstellen

Weiter ging es anschließend per Drahtesel in die Antoinettenstraße. In diesem Jahr werden dort die Bauarbeiten zur Erneuerung der Gehwegdecke beginnen. Das historische Format des bereits umgebauten Friedensplatzes soll bis zum Stadtpark an der Ecke Friedrichstraße fortgeführt werden, erklärte Sören Klausnitzer vom Stadtplanungsamt. Ähnlich eines Passepartouts sind in den Randbereichen Mosaikpflaster geplant, ebenso ein Rosenbeet. Auch über eine Neuordnung von Straße und Radweg denke man im Tiefbauamt zurzeit nach. „Wir möchten die Achse Bahnhof-Stadtpark wieder vollständig herstellen“, so Klausnitzer, „in Vorbereitung auf das Bauhausmuseum.“

„Vieles ist möglich.“

Über das Quartier „Lange Gasse“ und den Bauplatz an der Muldebrücke führte die Tour danach an das Ufer des Muldewehrs. Gegenüber des Johannbaus überlegen die Stadtplaner den zentralen Punkt einer möglichen Dessauer Landesgartenschau 2022 zu entwickeln, berichtete Kirsten Lott von der Stadt. „Vieles ist möglich.“ Geplant sei der „gut erlebbare grüne Gürtel“ auf insgesamt 17 Hektar Fläche quer durch das Zentrum vom August-Bebel-Platz bis zur Mulde - jedoch ohne den Abschnitt Antoinettenstraße. „Die Flächen stehen jetzt fest, zurzeit erarbeiten wir deren Inhalt.“

Bundesweit finden jedes Jahr anlässlich des „Tages der Städtebauförderung“ zahlreiche Veranstaltungen statt, die zeigen sollen, wie sich Städte verändern. Zum bereits zweiten Mal beteiligten sich in diesem Jahr neben Dessau-Roßlau über 500 weitere Gemeinden und Kommunen an der Aktion.

Die Fördersummen für den Städtebau durch den Bund belaufen sich 2016 auf mehr als 600 Millionen Euro, informiert Christiane Schlonski. Jeder Euro Fördergeld ziehe jedoch im bundesweiten Schnitt sechs Euro an Privatinvestitionen nach sich.

In Dessau-Roßlau fanden bereits zuvor im Rahmen der „IBA 2010“ regelmäßig Fahrradtouren zum Thema Stadtumbau statt. Im Rahmen der diesjährigen Tour fiel auch der Startschuss für die Abstimmung über den künftigen Namen der neuen Schwimmhalle in der Ludwigshafener Straße. In Kürze soll diese ebenfalls online abrufbar sein. (el)

Einengung der Askanischen Straße

Zur Eindämmung des Verkehrslärms ist dabei auch die Einengung der Askanischen Straße um zwei Fahrspuren im Gespräch. „Eine Grünquerung würde den Kreuzungsbereich mit der Ludwigshafener Straße nach Süden drücken.“ Verkehrsplanern zufolge wäre eine solche Einschränkung in den kommenden Jahren mit einer neuen Muldebrücke verkraftbar, so Lott. Bis September muss die Bewerbung eingereicht werden, eine Entscheidung wird im November erwartet.

Frühestens Ende 2017, beziehungsweise 2018, wird an den Standorten von Fischaufstiegsanlage und neuer Schwimmhalle mit einer Fertigstellung gerechnet.

Aus Dornröschenschlaf wecken

Nach einem Halt an der alten Heideschule erreichten die Radler schließlich das Ziel am Frauenzentrum in der Törtener Straße. Dort erfolgte der Startschuss für ein Projekt im Rahmen des Programms „Jugend stärken im Quartier“. Gemeinsam mit Jugendlichen sollen Ansätze für eine Verbesserung des Lebens im Viertel gesucht werden. „Prozess und Wandel stehen hierbei im Mittelpunkt“, sagt Organisatorin Kathrin Hinze und hofft, „das doch benachteiligte Quartier aus seinem Dornröschenschlaf aufwecken zu können“. (mz)

Es gab Erklärungen, es konnten Fragen gestellt werden.