Entscheidung gefallen

Stadtrat Dessau: Große Zustimmung für die Bewerbung zur Landesgartenschau

Dessau-Roßlau - Dessau-Roßlaus Stadtrat ist mit übergroßer Mehrheit für eine Bewerbung der Stadt für das Jahr 2022. Mahnende Worte bleiben aber nicht aus.

Von Sylke Kaufhold 01.09.2016, 06:35

Die Stadt Dessau-Roßlau wird sich um die Durchführung der Landesgartenschau 2022 bewerben. Das hat der Stadtrat auf seiner Sitzung am Mittwoch mit übergroßer Mehrheit beschlossen: Von den 39 anwesenden Räten gaben 36 ihre Zustimmung. Dagegen stimmten Jörg Hunger (Pro Dessau) und Thomas Grey (NPD). Harald Trocha (Pro Dessau) enthielt sich.

Beifallsbekundungen im Ratssaal

Dieses relativ einmütige Votum für das zuletzt kritisch diskutierte Vorhaben sorgte für eine der seltenen Beifallsbekundungen im Ratssaal.

Erleichterung war insbesondere bei den Protagonisten spürbar: Stadtplanerin Christiane Jahn und ihr Team, Ulrich Krüger vom Büro UKL Landschaftsarchitekten sowie Mirko Kirschner und Jan Paul vom Wirtschafts- und Industrieclub strahlten. „Jetzt geht es weiter“, hatte Jan Paul Minuten nach der Abstimmung schon die nächsten Aufgaben im Visier.

Die 92-prozentige Zustimmung sieht Paul als Bestärkung und Arbeitsauftrag, als Wirtschaft auch weiterhin im Boot zu bleiben. „Es waren anderthalb Jahre Arbeit, die sich gelohnt haben“, will er sich mit seinen Mitstreitern aber nun doch ein Bier gönnen.

Landesgartenschau als Motor für die Stadtentwicklung

Sechs Kapitel auf 160 Seiten umfasst die Bewerbungsmappe der Stadt. Ulrich Krüger stellte die wesentlichen Schwerpunkte im Stadtrat noch einmal vor und versuchte vor allem, die Bedeutung einer Landesgartenschau deutlich zu machen.

„Sie ist ein Motor für die Stadtentwicklung. Wofür sonst 20 bis 30 Jahre gebraucht würden, kann in sechs Jahren realisiert werden. Diese große Zustimmung zum Konzept freut mich sehr“, sagte Krüger und rechnete Dessau sehr gute Chancen für den Zuschlag aus.

Die Redebeiträge aller Fraktionsvertreter einte Euphorie und Begeisterung für das Projekt. Was in dieser Deutlichkeit überraschte. Alle hoben die riesige Chance für die Stadtentwicklung hervor.

„Mit Bauhausmuseum, Kavalierstraße, Schade-Brauerei, Welterbezentrum und Landesgartenschau wird Dessau endlich das Zentrum haben, das wir jahrzehntelang gesucht haben“, blickte Klaus Meier (Bürgerliste) in die Zukunft.

Eine große finanzielle Herausforderung

Realisierung und Durchführung der Landesgartenschau werden die Stadt allerdings finanziell vor große Herausforderungen stellen. 55 Millionen Euro sind für Investitionen veranschlagt, wovon die Stadt einen Eigenanteil von elf Millionen Euro zu leisten hat.

Dies zu stemmen, erfordere vom Stadtrat Haushaltsdisziplin, machte Matthias Bönecke für die Fraktion Pro Dessau deutlich, dass sie die Finanzen klar im Blick haben werde. Mahnende Worte richteten auch Ingolf Eichelberg für die SPD und Eiko Adamek für die CDU an Rat und Verwaltung.

„Eine Abschmelzung der Mittel im sozialen Bereich wird es mit uns nicht geben“, sagten beide. Die CDU kündigte außerdem an, mit Argusaugen zu beobachten, dass die begonnenen großen Projekte so zu Ende gebracht werden, wie sie beschlossen wurden.

Zustimmung fand auch ein Ergänzungsantrag von Pro Dessau, einzelne Bausteine des Bewerberkonzeptes in Sachen Finanzierbarkeit, Funktionalität und Folgekosten in den Fachausschüssen vertiefend zu diskutieren. „Um Beratungs- und Planungsvorlauf zu erzielen.“ (mz)