Stadtentwicklung in Dessau-Nord

Stadtentwicklung in Dessau-Nord: Droht ein Rückfall in alte Zeiten?

Dessau - Dessau-Nord hat sich von Ruinenlandschaft in ein beliebtes Wohnquartier verwandelt. Doch der Status quo ist in Gefahr.

Von Danny Gitter 16.03.2017, 05:00

Der Stadtbezirksbeirat innerstädtisch Nord will ein Revitalisierungskonzept für die Quartiere zwischen dem Lustgarten und der Schillerstraße auf den Weg bringen. Damit soll die positive Weiterentwicklung des größten städtischen Gründerzeitviertels massiv vorangetrieben werden.

„Ohne Frage hat sich in den letzten Jahrzehnten viel getan. Doch seit einiger Zeit erleben wir eine Stagnation, die die Sanierungserfolge der Vergangenheit in Frage stellt“, sagt Andreas Gelies.

Der freie Architekt ist Mitglied des Stadtbezirksbeirats (Liberales Bürgerforum) und Verfasser des Revitalisierungskonzeptes. Es sieht die Verdichtung bestehender Baulücken und Brachen vor. Sowie die Sanierung verfallender Mehrfamilienhäuser und von Bauruinen sowie die Minimierung des Leerstands bei Gewerbeflächen.

Ruinen machen Dessau-Nord für Mieter unattarktiver

Wenn ein neuer Bewohner der Stadt in das beliebte Wohnviertel zieht, sind laut Beiratsmitglied Michael Berghäuser (Die Linke) beim Blick aus dem Fenster neben viel saniertem Wohnbestand auch ein verfallendes Haus oder eine Bauruine nicht weit. „Da fragt man sich dann 27 Jahre nach der Wende, ob das der verbliebene Rest einer sonst positiven Entwicklung ist oder bereits der Anfang einer neuen weniger erfreulichen Entwicklung“, so Berghäuser.

Wenn nicht massiv gegen die derzeitige Stagnation vorgegangen wird, befürchten die Beiratsmitglieder diese weniger erfreuliche Entwicklung, mit einer zunehmenden Vernachlässigung des auch bereits sanierten Wohnbestands, der dann eine schwer unumkehrbare Abwärtsspirale in Gang setzten würde. Immer mehr Bewohner würden sich zurückziehen. Die Leerstände würden größer. Der Verfall des gesamten Quartiers ginge voran. Das würde auch die Erfolge der Vergangenheit zunichte machen.

Seit 1993 sind über 40 Millionen Euro in die Aufwertung des Quartiers geflossen

Seit Dessau-Nord 1993 zum Sanierungsgebiet erklärt wurde, sind über 40 Millionen Euro an Bundes-, Landes- und kommunalen Mitteln in das Quartier zur Aufwertung geflossen. Das verfallene Gründerzeitviertel blühte auf und wurde zum attraktiven Wohnstandort, mit über 10.000 Einwohnern. 2013 sind die Förderungen vom Bund und vom Land ausgelaufen. Die auf den ersten Blick positive Erscheinung des massiv sanierten Viertels wird bei näherem Hinsehen getrübt. In fast jeder Straße befinden sich Baulücken und Bauruinen. Die Gehwege sind in einem teils mangelhaftem Zustand. Auch Vermüllung wird mancherorts zum Problem.

„Sollten die Eigentümer nicht in der Lage sein müssen sie mit potenziellen Investoren zusammengebracht werden“

Mit dem Revitalisierungskonzept will der Stadtbezirksbeirat diese Entwicklungen nicht nur stoppen, sondern umkehren. In ersten Schritten sollen die Leerstände erfasst werden. Ein Stadtteilmanager soll dann im Auftrag der Stadt die Eigentümer leerstehender und verfallender Immobilien ansprechen und ihnen Fördermöglichkeiten zur Sanierung aufzeigen.

„Sollten die Eigentümer nicht in der Lage sein, ihre Objekte zu entwickeln, müsste es Möglichkeiten geben, sie mit potenziellen Investoren zusammenzubringen“, schlägt Gelies vor.

Woanders hat das auch schon geklappt. Gelies nennt hier Halle-Glaucha als positives Beispiel. Im Stadtteil im Süden der Saalestadt wurden Baugrundstücke und Bauruinen durch einen Quartiersmanager aktiv vermarktet und so der Verfall des Viertels umgekehrt.

Auf seiner April-Sitzung will der Stadtbezirksbeirat einen Beschluss zum Revitalisierungskonzept verabschieden, der dann dem Stadtrat und den Ausschüssen vorgelegt werden und der Stadtverwaltung als Vorbild auch für die Weiterentwicklung anderer innerstädtischer Quartiere dienen soll. (mz)