Sorge um Naturkundemuseum

Sorge um Naturkundemuseum: Kritiker befürchten Schließung - Chance für Elbeneum?

Dessau - Um die Zukunft des Dessauer Museums für Naturkunde und Vorgeschichte gibt es wilde Gerüchte. Die reichen bis hin zur Schließung der traditionsreichen Einrichtung an der Museumskreuzung, dem einzigen Naturkundemuseum in Anhalt. „Zukunftskonzepte dürfen nicht von geheimen Laienzirkeln ausgearbeitet werden“, fordert Leserin Gertrud Lott. „Hier sind Transparenz und die Arbeit von Fachleuten ...

Von Heidi Thiemann 08.12.2018, 08:00

Um die Zukunft des Dessauer Museums für Naturkunde und Vorgeschichte gibt es wilde Gerüchte. Die reichen bis hin zur Schließung der traditionsreichen Einrichtung an der Museumskreuzung, dem einzigen Naturkundemuseum in Anhalt. „Zukunftskonzepte dürfen nicht von geheimen Laienzirkeln ausgearbeitet werden“, fordert Leserin Gertrud Lott. „Hier sind Transparenz und die Arbeit von Fachleuten gefordert.“

Befürworter des Naturkundemuseums sehen Entwicklung mit großer Sorge

Ähnlich äußert sich Klaus Behrmann, jahrelanges Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Archäologie und Vorgeschichte“ und Miterbauer der Riesenmücke im Museum, die seit Jahren zu den Attraktionen gehört. „Es gibt für uns keine Heimstatt mehr“ seit dem Ausscheiden von Archäologe Hans-Peter Hinze und Museumsdirektor Ernst Görgner, erklärt er. Beide Stellen sind bisher noch nicht wieder besetzt. Behrmanns Angst: Diejenigen, die über die Zukunft des Museums befinden, „haben keine Verbundenheit mit dem Haus, wissen nicht um die Bedeutung und die wertvollen naturwissenschaftlichen Sammlungen“. Er vermisst Transparenz und öffentliche Diskussion.

„Das Museum wird nicht geschlossen“, reagiert Stadtsprecher Carsten Sauer auf die Gerüchte. „Solch einen Beschluss gibt es nicht.“ Gleichwohl bestätigte er, dass es nichtöffentliche Arbeitsgruppensitzungen gibt zur Kulturentwicklungsplanung. Diese soll die Antwort darauf geben, wie es in Zukunft mit der Dessauer Museumslandschaft weitergeht. Im Januar soll der Kulturentwicklungsplan vorliegen und dann öffentlich in den Ausschüssen und im Stadtrat beraten werden, informiert Sauer.

Seit 2010 wird inzwischen schon an einem Kulturenwicklungsplan gearbeitet

Das Problem für die Kritiker: Seit 2010 schon wird an dem Kulturentwicklungsplan gearbeitet. 2013 sahen die Zwischenplanungen eine Schließung des Museums vor. Zwei Jahre später hieß es Rolle rückwärts: Das Museum sollte neben dem Bauhausmuseum als zweite Landmarke in der Kavalierstraße entwickelt werden. Ein Modellprojekt wurde erarbeitet, bekam viel Beifall bei der öffentlichen Vorstellung. Zur Umsetzung aber kam es nie.

„Das ist mir unverständlich, wenn es doch gerade darum geht, die Kavalierstraße aufzuwerten“, fordert der gebürtige Dessauer Hendrik Freitag, Professor an der Ateno Manila Universität (Philippinen), in einem Schreiben Kulturdezernent Robert Reck und die Stadtratsfraktionen zum konstruktiven Überdenken der Pläne auf. Bei der jetzigen Museumsentwicklung „sollte man Ursache und Wirkung nicht außer Acht lassen“. Die Einführung eines zweiten Schließtages pro Woche und die Komplettschließung im Dezember und Januar hätten mit zum Besucherrückgang beigetragen. Und: Die bisherige Leitung des Hauses habe aus Freitags Sicht keine geeigneten Initiativen ergriffen, die Ausstellung und die Bedeutung der Sammlungen zu popularisieren und für bisherige und neue Besuchergruppen attraktiv zu halten.

Mangelnde Außendarstellung des Museums wird kritisiert

„Wenn ein Räucherturm, den ich als Bereicherung empfinde, ... eher als Attraktion in unserer Stadt angesehen wird, dann zeigt das, dass zumindest in der Außendarstellung des Museums Dinge schief liefen“, sagt Freitag, der mehrfach mit Studentengruppen aus Asien in Dessau war.

Sein Appell an Reck und die Fraktionen: Das Museumskonzept schrittweise umzusetzen. Der Standort sei ideal für die Selbstdarstellung der Region. Die Unesco-Welterbestätten Gartenreich Dessau-Wörlitz und Biosphärenreservat Mittelelbe sowie das Umweltbundesamt und das kommunale Umweltamt könnten sich im Naturkundemuseum in einer gemeinsamen Dauerausstellung präsentieren.

Geschaffen werden könnte ein Elbeneum - ein Landschaftsmuseum der Mittelelbe. Nach dem Vorbild der bekannten Naturkundemuseen Ozeaneum und Müritzeum wäre es denkbar, dass es die facettenreiche Entwicklung der Flusslandschaft abbildet - von der Entstehung bis heute, erklärt Freitag. (mz)