Kaum Schutz für Zweiradfahrer?

Sieben tote Radfahrer im Großraum Dessau: ADFC fordert Tempo 80 auf Landstraßen

Der ADFC beklagt, es gebe zu wenige Radwege und Schutz für Zweiradfahrer. Kann ein Tempolimit von 80 Kilometern pro Stunde auf Landstraßen helfen?

Von Oliver Müller-Lorey 22.10.2021, 09:43 • Aktualisiert: 22.10.2021, 12:02
Der ADFC gedachte am Sonntag der toten Radfahrer, die im Raum Dessau im Straßenverkehr ums Leben gekommen sind.
Der ADFC gedachte am Sonntag der toten Radfahrer, die im Raum Dessau im Straßenverkehr ums Leben gekommen sind. (Foto: Ute Nicklisch)

Dessau-Roßlau/MZ - Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Dessau, Stephan Marahrens, fordert ein generelles Tempolimit von 80 Kilometern pro Stunde auf Landstraßen. Das erhöhe die Sicherheit im Straßenverkehr, insbesondere für Radfahrer. Beispiele aus anderen Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden würden zeigen, dass ein solches Tempolimit möglich sei und akzeptiert werde. „Die 20 km/h weniger machen einen großen Unterschied bei der Reaktionszeit aus“, sagte der passionierte Radfahrer.

Hintergrund für die Forderung ist eine ungewöhnliche hohe Zahl im Verkehr getöteter Radfahrer im Großraum Dessau. Sieben Radler verloren seit November 2020 ihr Leben im Straßenverkehr. Den beginn der traurigen Serie markierte ein Unfall in Roßlau, bei dem ein Radfahrer ums Leben kam.

Oft stellt der ADFV nach solchen Vorfällen sogenannte „Ghost Bikes“ auf

Oft stellt der ADFV nach solchen Vorfällen sogenannte „Ghost Bikes“, also „Geisterfahrräder“ auf, um auf die Gefahrenstelle hinzuweisen und der Toten zu gedenken. In Roßlau sei das nicht passiert, weil der Unfallverursacher täglich an der Stelle vorbeifahren müsse.

Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld hat der ADFC dagegen am vergangenen Sonntag zwei Geisterfahrräder aufgestellt und mit einer Demonstration an die Unfälle erinnert.

Zuletzt war zwischen Porst und Pißdorf im Landkreis Anhalt-Bitterfeld auf der Landesstraße B187a ein 66-jähriger Radfahrer ums Leben gekommen. Anfang Oktober war er beim Versuch, die Straße zu überqueren, von einem Auto erfasst worden. Die Polizei ermittelt. Für Marahrens ist es unverständlich, wie der Radler an dieser Stelle übersehen werden konnte. Vier Verkehrsschilder würden auf querende Radfahrer hinweisen. „Die Geschwindigkeit ist daran anzupassen und die fahrzeugführenden Personen sollten bremsbereit sein. Rücksichtnahme ist also erstes Gebot“, sagt er.

Wenn Radfahren im ländlichen Raum also ausweislich gefährlich sei, müsse eben die Infrastruktur verbessert werden

Nur einige Kilometer weiter hatte sich im Dezember 2020 ein weiterer tödlicher Unfall ereignet. Zwischen Drosa und Kleinpaschleben war auf gerade Strecke ein Fahrradfahrer in der einbrechenden Dunkelheit von einem Transporter überrollt worden. Im anschließenden Gerichtsprozess habe ein Zeuge ausgesagt, dass der Radler mit Licht und sogar einer Warnwest gefahren sei.

Nicht die einzige Tatsache, die Marahrens fassungslos macht. „Der Gutachter gab zu Protokoll, das Radfahren auf Landstraßen eben gefährlich sei“, ärgert er sich. Dabei sei mit der novellierten Straßenverkehrsordnung festgeschrieben, dass Radler mit zwei Meter Abstand überholt werden müssen.

Wenn Radfahren im ländlichen Raum also ausweislich gefährlich sei, müsse eben die Infrastruktur verbessert werden, fordert der ADFC. Es fehle etwa zwischen Aken und Osternienburg an einem straßenbegleitenden Radweg auf einer Hauptverbindung für den Radverkehr im Land. In Dessau gebe es zwar grundsätzlich eine gute Fahrradinfrastruktur, die allerdings völlig in die Jahre gekommen und reparaturbedürftig sei. „Das Problem ist, dass es für den Umbau bestehender Anlagen kaum Fördermittel gibt“, kritisiert Marahrens.