Attacke in Streetz

Schafe vom Wolf gerissen: Wolfsangriff in Dessau-Streetz: Jäger filmt Wolfsangriff auf Schafsherde

Streetz - Zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit hat ein Wolf in Steckby Schafe gerissen. Neun Tiere sterben in der Nacht zum Sonntag. Der „Täter“ hat Zaun übersprungen.

Von Daniel Salpius

Es ist der dritte Wolfsangriff bei Dessau binnen kürzester Zeit und wieder hat es Klaus Altenkirch getroffen: Erst vor 14 Tagen hatte der Streetzer Schäfer in zwei Nächten hintereinander insgesamt elf Schafe verloren.

Nun fielen am frühen Samstagmorgen weitere neun seiner Tiere mutmaßlich einem einzelnen Wolf zum Opfer. Der Angriff ereignete sich auf einer eingezäunten Koppel zwischen Meinsdorf und Streetz.

Bei allem Ärger kann Altenkirch dem neuerlichen Vorfall auch etwas Positives abgewinnen: „Jetzt haben wir immerhin den Beweis, dass der Wolf springt.“

Video: Frisst Wolf in Dessau-Streetz ein Schaf?

Denn der Angriff wurde gefilmt. In dem Video, das der MZ vorliegt, ist zu sehen, wie ein einzelnes Tier - dem Anschein nach ein Wolf - ein getötetes Schaf frisst, dann gemächlich über die Koppel trabt und am Ende aus dem Stand den 90 Zentimeter hohen Elektrozaun einfach überspringt.

Eine kleine Sensation. Die Experten des Wolfskompetenzzentrums (WZI) in Iden vertraten bislang die Auffassung, der Wolf sei kein Springer. Obwohl 90 Zentimeter rein physisch keine Hürde für das Raubtier seien, würde es sich im Zweifelsfall eher unter einem Zaun durchgraben, als ihn zu überspringen.

Jäger aus Meinsdorf war Samstag am frühen Morgen zur Jagd aufgebrochen

Peter Oestreich, Rissgutachter beim WZI, bleibt trotz des Videos erst einmal zurückhaltend. „Ausnahmen bestätigen die Regel.“ Dennoch sei er gespannt auf die Aufnahmen. Wenn da tatsächlich ein Wolf zu sehen sei, sei das der erste filmische Beweis für dieses Verhalten.

Matthias Hoffmann ist es, der die spektakulären Aufnahmen gemacht hat. Der Jäger aus Meinsdorf war Samstag am frühen Morgen zur Jagd aufgebrochen, ausgerüstet auch mit einer Wärmebildkamera. Schon von weitem habe er gesehen, dass die Schafe auf der Koppel panisch hin und her gerannt seien. „Schließlich hat die Herde den Zaun durchbrochen und kam mir entgegen.“ 150 Meter entfernt von der Wiese, auf der noch einzelne Schafe standen, dokumentierte er das Geschehen. Am Ende hatte er fast 60 Minuten Filmmaterial.

Angriff von Wolf auf Schafsherde? DNA-Spuren gesichert 

Was sich ihm besonders eingebrannt hat: „Mit welcher Leichtigkeit das Raubtier das letzte Schaf getötet hat, ganz leicht im Vorbeigehen, mit einem Schnapp.“ Die „ungeheure Kraft“ und das Vorgehen, viele Schafe zu töten und nur eines zu fressen, - für Hoffmann sprechen diese Indizien für einen Wolf.

Peter Oestreich hat am Samstag vor Ort DNA-Spuren gesichert und Schäden dokumentiert. Sollte sich herausstellen, dass ein Wolf die Schafe getötet hat und es sich um das selbe Tier handelt wie bei den ersten beiden Angriffen, rechtfertige das ein weitergehendes Eingreifen. Hier gehe dann Vergrämung vor Tötung, so Oestreich.

„Vergrämungsmaßnahmen sind Einsatz von Gummigeschossen oder persönliche Anwesenheit.“ Solange die Ergebnisse des DNA-Tests ausstehen, unterstützt das WZI Schäfer Klaus Altenkirch mit Soforthilfen. „Wir haben jetzt gemeinsam mit dem Schäfer den Zaun auf 1,40 Meter erhöht.“ (mz)