Ruhestörung und Vermüllung

Ruhestörung und Vermüllung in Dessau-Kochstedt: Feierende Jugendliche im Grünen bereiten Sorgenfalten

Kochstedt - Ansammlungen von jungen Menschen im öffentlichen Raum bereitet Kochstedt immer mehr Sorgen. Ruhestörungen und Vermüllungen nehmen zu.

Von Danny Gitter

Der Abend des 26. Februar war symptomatisch für das, was sich in Kochstedt seit geraumer Zeit regelmäßig an Freitag- und Samstagabenden abspielt. Eine Gruppe Jugendlicher trifft sich auf einer Grünfläche in Kochstedt.

Die Gruppe wächst im Laufe des Abends schnell auf ein paar Dutzend Jugendliche an. Bei meist lauter Musik wird gefeiert und meistens Alkohol konsumiert.

Die Polizei entdeckt die Ansammlung auf ihren Streifenfahrten oder irgendwann verständigen Anwohner die Ordnungshüter oder den Stadtordnungsdienst wegen Ruhestörung und Lärmbelästigung. Wenn die Beamten vor Ort sind, löst sich die Feier meist sehr schnell auf und die Teilnehmer flüchten in alle Richtungen. Personalien können dann in der Regel nicht mehr aufgenommen werden. Was meist zurückbleibt, ist jede Menge Müll.

„Was sollen die jungen Menschen auch machen?“

Am Abend des 26. Februar konnten Mitarbeiter des Stadtordnungsdienstes bei einem Treffen von Jugendlichen auf einer Grünfläche auf dem Naturlehrpfad Zoberberg, gegenüber des Vereinsgeländes von TuS Kochstedt, immerhin zwei Jugendliche dingfest machen, ihre Personalien feststellen und dazu auffordern, den durch das Treffen verursachten Müll zu beseitigen.

„Dieser Aufforderung sind die Jugendlichen auch gefolgt“, berichtete Britta Grahneis, die Kochstedter Ortsbürgermeisterin, zur März-Sitzung des Ortschaftsrates.

Die Ansammlungen von Jugendlichen im öffentlichen Raum, vor allem an Freitag- und Samstagabenden seien eine zusätzliche negative Begleiterscheinung der Pandemie und der damit verbunden Einschränkungen in Kochstedt. „Was sollen die jungen Menschen auch machen?“, fragt die Ortsbürgermeisterin des größten Dessauer Vorortes, in dem über 4.000 Einwohner wohnen.

Offizielle Anlässe sich zu treffen gibt es kaum

Osterfeuer, Heidefest, Wichtelmarkt und andere Veranstaltungen sind seit einem Jahr in Kochstedt fast komplett ausgefallen. „Wie es in diesem Jahr sein wird, ist auch noch sehr fraglich“, so Grahneis. Offizielle Anlässe sich zu treffen gibt es kaum. „Hinzu kommt, dass auch viele Vereine, Freizeit- und Kultureinrichtungen seit fast einem Jahr geschlossen haben“, stellt die Ortsbürgermeisterin fest.

Die Möglichkeiten für Jugendliche in ihrer Freizeit , in Gemeinschaft, Abwechslung zu finden, sind seit dem Frühjahr 2020 und wohl noch in absehbarer Zeit sehr überschaubar. Andererseits können die Mitglieder des Ortschaftsrates auch die Bedenken von Anwohnern hinsichtlich Ruhestörung und Vermüllung von öffentlichen Grünflächen im Ort sehr gut nachvollziehen.

Die verschiedenen Interessen von Anwohnern und Jugendlichen unter einen Hut zu bringen, erweist sich als sehr schwierig. Die Ortschaftsräte gehen davon aus, dass mit den Aufhebungen der pandemiebedingten Einschränkungen das Problem der Ansammlungen auf öffentlichen Grünflächen sich wieder erledigen wird. Bis dahin wird die Stadt gebeten den verstärkten Einsatz von Streetworkern zu prüfen, um mit den Jugendlichen mit pädagogischem Know-how und auf Augenhöhe zu kommunizieren. (mz)