Einzigartige Möbel

Rohrperlen aus Dessau: Ein Label gegen Massenproduktion von Möbel

Dessau - Ein Couchtisch aus Industrierohren? Eine Lampe oder eine Flurgarderobe aus dem Material, das sonst hinter Mauern verschwindet? Das soll Charme besitzen? Christian Onesciuc und Daniel Joppe sind überzeugt, dass genau das funktioniert.

Von Heidi Thiemann

Ein Couchtisch aus Industrierohren? Eine Lampe oder eine Flurgarderobe aus dem Material, das sonst hinter Mauern verschwindet? Das soll Charme besitzen?

Christian Onesciuc und Daniel Joppe sind überzeugt, dass genau das funktioniert. Gemeinsam haben die Dessauer das Label „Rohrperlen“ entwickelt. Und das verrät schon im Namen, dass es ganz klar um Rohre geht.

Aber eben nicht nur. Denn damit aus diesen am Ende auch Perlen werden, braucht es Holz und Glas. Die in Kombination die Möbel - ob Tisch, Stuhl oder Regal - zu einem Hingucker im Industrie- und Vintagelook werden lassen. Ob in einer Wohnung, in einer Bar oder auch Firma.

Flurgarderobe als Initialzündung

„Rohrperlen“ ist ein junges Team. Onesciuc (32) hat Konstruktionsmechaniker gelernt und im vergangenen Jahr seinen Meister im Metallbau gemacht. Weiß also bestens mit Metall umzugehen, kennt dessen vielfältigen Möglichkeiten.

Als sein Freund Joppe (30) bei ihm eine selbst gebaute Flurgarderobe gesehen hatte, war der vollauf begeistert. Und so war bald die Idee, solche Produkte im industriellen Design nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere zu entwerfen und zu bauen, geboren.

Dass die Idee von den beiden Freunden dann aber relativ schnell in die Wirklichkeit umgesetzt werden sollte, hatte damit zu tun, dass Joppe, gelernter IT-Systemelektroniker, seine Arbeit verlor. Und so nahm das Projekt „Rohrperlen“, in dem Joppe seine kreative Ader beim Design und der Holzgestaltung ausleben kann und Onesciuc die Metall-Arbeit nach Maß anfertigt, immer mehr Gestalt an.

Zeichen gegen Massenware

Wenn auch vorerst im Nebenerwerb, so sind beide doch ständig am Tüfteln, Entwerfen und Bauen. Ihr Antrieb: „In Zeiten von massenhafter Möbelproduktion und immer gleichen Designs ist es schwer, etwas Einzigartiges zu finden“, weiß Joppe. Und ist überzeugt, die „Rohrperlen“ bieten mit ihrem Design genau das. „Keinen Massentrend, aber Charme, Charakter, Qualität und Beständigkeit“, wie der Dessauer sagt.

Meist treffen sich beide Freunde nach Feierabend in der Werkstatt auf dem Gelände der ehemaligen Gärungschemie. In einer früheren Trafohalle werden nun Rohre und Gewinde geschnitten, wird geschraubt und ausgerichtet, wird Holz gehobelt und fallen Späne. Entworfen werden all die verschiedenen Möbelstücke nach eigenen Ideen oder nach Kundenwunsch mit einem speziellen Programm am Computer.

Nichts scheint unmöglich

Zwei Beispiele dessen, was die Dessauer machen, sind im Designshop im Bauhaus zu sehen (und zu kaufen). So haben sie einen Beistelltisch B97, einen Stahlrohrklassiker, der 1933 entworfen wurde, aus verzinkten Metallrohren nachgebaut. Dazu passend eine Lampe - im typischen Rohrperlendesign.

Was sonst alles gebaut werden könnte, davon gibt eine Mappe mit Impressionsfotos Anregungen, die Joppe zusammengetragen hat: Tische, Stühle, Regale, Lampen, Toilettenpapierhalter... Nichts scheint unmöglich. Was alle Möbel eint: ihr Gerüst besteht aus Rohren und Rohrverbindern, zum Teil dienen - wie bei Regalen - starke Flansche als Bodenbefestigung. Doch erst Holz und Glas als Sitzfläche, Tisch- oder Regalplatte machen aus den Möbeln ein Ganzes.

Marktnische gefunden?

Jetzt, da die Rohrperlen noch am Anfang stehen, „ist es schwer. Aber jeder hat mal klein angefangen“, sagt Joppe, denn die Firma muss sich erst bekanntmachen. Dennoch ist er überzeugt, dass die Dessauer eine Marktnische gefunden haben. Demnächst wollen sie ihre Möbel auch in den Online-Shops Dawanda und Etsy anbieten. Egal, wie es anlaufen wird: „Wir machen weiter.“

Mehr Informationen über das Design-Label unter www.rohrperlen.de und auf Facebook unter Rohrperlen (mz)