Rentnerin um 50.000 Euro betrogen

Rentnerin in Dessau um 50.000 Euro betrogen: 54-Jährige erhält Bewährungsstrafe

Dessau - Obwohl sie eine Nachbarin um 50 000 Euro erleichtert hat, wird Carola F. (alle Namen geändert) vermutlich nicht ins Gefängnis müssen. Das Landgericht Dessau jedenfalls verurteilte die 54-jährige Dessauerin am Freitag wegen schwerer Untreue zu zwei Jahren auf ...

Von Thomas Steinberg 21.05.2017, 11:42

Obwohl sie eine Nachbarin um 50 000 Euro erleichtert hat, wird Carola F. (alle Namen geändert) vermutlich nicht ins Gefängnis müssen. Das Landgericht Dessau jedenfalls verurteilte die 54-jährige Dessauerin am Freitag wegen schwerer Untreue zu zwei Jahren auf Bewährung.

Der Staatsanwalt behielt sich die Möglichkeit der Revision offen. Dass diese gezogen wird, scheint angesichts des Verfahrensverlaufs und seines eigenen Plädoyers aber eher unwahrscheinlich.

Opfer ist mittlerweile verstorben

F. und ihr mittlerweile verstorbenes Opfer Heidrun A. waren Nachbarn in einem Dessauer Vorort. A. - im fortgeschrittenen Alter und  mit der Tochter verkracht - brauchte Hilfe. Die erschien in Gestalt von Carola F.

Bald erhielt die Nachbarin Vollmachten in Geld-Dingen. Als die alte Dame Weihnachten 2009 stürzte, kam sie in ein Seniorenheim - und fortan war es allein F., die sich um alle Geldbelange kümmerte, vor allem aber versuchte, ihre eigenen finanziellen Probleme zu lösen. Arbeitslos geworden und über die eigenen Verhältnisse lebend, im steten Bemühen, Sorgen von anderen fernzuhalten, verschwieg sie der Familie, dass man verschuldet war.

Angeklagte "schämt sich unsagbar"

„Ich kann nicht erklären“, so die Angeklagte am Freitag im Landgericht, „was damals in mir vorgegangen ist und schäme mich unsagbar.“ Denn sie buchte Geld von dem Konto von Heidrun A. auf ihre eigenes oder zog Geld am Automaten - meist waren es um die 200, 300 Euro, einmal sogar 7000 Euro. Mehr als 50 Mal tat sie das. A., der sie regelmäßig Bargeld brachte, traute sich nicht, Belege zu verlangen.

Nach zwei Jahren waren Sparbuch und Girokonto leergeräumt. Alarm schlug zuerst das Altenheim, dessen Rechnungen nicht mehr beglichen wurden. Schnell war F. als Verursacherin des finanziellen Debakels ausgemacht.

Obwohl Carola F. geständig war, beschäftigte ihr Fall die Gerichte drei Jahre lang und mit dem jüngsten Urteil insgesamt sechs Mal. Nun, in der voraussichtlich letzten Runde, hat sie ihr Ziel erreicht - sie muss nicht in den Knast.

Davor war sie mehrfach zu Strafen über zwei Jahren verurteilt wurden, die nicht bewährungsfähig sind. Jetzt war das Landgericht gezwungen, über das Strafmaß neu zu verhandeln. Das hatte das Oberlandesgericht Naumburg verfügt, an das sich F. gewandt hatte.

Naumburger Richter monieren Strafbildung

Bei mehreren Straftaten werden nach deutschem Recht so genannte Gesamtstrafen gebildet: Für jede einzelne Tat wird ein Strafmaß festgelegt, anschließend muss die dabei ausgeworfene höchste Einzelstrafe „angemessen“ erhöht werden. Ein vager Begriff, für dessen Interpretation die Rechtsprechung einige Leitfäden entwickelt hat. Die höchste Einzelstrafe von zehn Monaten für F. auf zuletzt 28 Monate zu erhöhen, erschien den Naumburger Richtern dann doch zu heftig - zumal es ein Geständnis gab, die Angeklagte anderweitig nie strafrechtlich aufgefallen war und die Taten schon lange Zeit zurücklagen.

Nun wird es wohl zur Bewährung reichen. Zudem wird F. 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten müssen, sofort 1 000 und dann monatlich 50 Euro an die Hinterbliebenen zahlen müssen.

(mz)