Rätselraten um Umbauarbeiten

Rätselraten um Umbauarbeiten: Historische Fassade am „Magnet“ freigelegt

Dessau - Seit Monaten wird am ehemaligen Kaufhaus Zeeck an der Kavalierstraße gebaut. Es begann 2017 mit Arbeiten im Inneren des großen Gebäudekomplexes und an der Rückseite, am Wochenende nun sind überraschend an einer Seite die silbernen Abdeckungen an der Fassade entfernt worden. Dahinter kam das 1908 gebaute Haus zum ...

Von Lisa Garn und Danny Gitter

Seit Monaten wird am ehemaligen Kaufhaus Zeeck an der Kavalierstraße gebaut. Es begann 2017 mit Arbeiten im Inneren des großen Gebäudekomplexes und an der Rückseite, am Wochenende nun sind überraschend an einer Seite die silbernen Abdeckungen an der Fassade entfernt worden. Dahinter kam das 1908 gebaute Haus zum Vorschein.

Doch zur die Zukunft des größtenteils leer stehenden Gebäudes gibt es großes Rätselraten. Eines deutet sich an: Im vierten Obergeschoss sollen Wohnungen geschaffen werden. Dafür haben ein Dessauer Architekt und ein Berliner Architekturbüro Konzepte eingereicht. Was genau mit den anderen drei Etagen geplant ist, dazu wollen die Besitzer des Gebäudes, ein vietnamesisches Ehepaar, nichts sagen.

Zeitnahe Entscheidung über Ausbau der vierten Etage

Quang Duc Nguyen, Architekt und Mitarbeiter am Dessauer Standort der Hochschule Anhalt, bestätigt, eines der Konzepte zur Wohnnutzung in der oberen Etage des historischen Gebäudes im Auftrag der Besitzer erarbeitet zu haben.

„Ich stehe im Wettbewerb mit einem Berliner Architekturbüro. Eine Entscheidung soll zeitnah fallen. Danach soll das Projekt so schnell wie möglich realisiert werden“, so Nguyen. Die Besitzer des ehemaligen Kaufhauses müssten dann bei der Stadt ein Baugenehmigungsverfahren beantragen.

Stadt hat Sicherungsarbeiten an der Fassade veranlasst

Die Demontage der Abdeckungen allerdings hat mit dem Umbau nur bedingt etwas zu tun. Wie die Stadtverwaltung Dessau-Roßlau auf Anfrage erklärte, handelt es sich um Sicherungsarbeiten. Diese habe das Bauordnungsamt veranlasst. „Der letzte Sturm hatte Paneele von der Fassade gelöst. Diese müssen nun teilweise entfernt und teilweise an der Unterkonstruktion sicher befestigt werden“, erklärt Stadtsprecher Carsten Sauer. „Die Sicherungsmaßnahmen werden offensichtlich zeitnah umgesetzt.“ Weitere Auskünfte zu den Plänen könne man nicht geben, weil es sich um einen Privateigentümer handele.

Direkt vor Ort im Gebäude läuft eine MZ-Nachfrage ins Leere. „Wir sagen dazu nichts und werden die Arbeiten nicht kommentieren“, heißt es. Bereits in den vergangenen Monaten wollte auf Anfrage niemand Auskunft geben. Offensichtlich war nur, dass kontinuierlich gebaut wird. Ein Teil der Fassade ist inzwischen eingerüstet und wird unter teilweise abenteuerlichen Bedingungen verputzt. Im hinteren Bereich, auf der abgewandten Seite der Kavalierstraße, ist zum Teil der Putz abgeschlagen, sind neue Fenster eingesetzt worden.

Kaufhaus wurde 1908 nach Entwürfen des Architekten max Beuther errichtet

Als markantes Gebäude an exponierter Stelle in der Kavalierstraße 72 hatte das Gebäude immer in besonderem öffentlichen Fokus gestanden. 1908 wurde das Kaufhaus nach Entwürfen des Architekten Max Beuther gebaut. Auftraggeber Eduard Zeeck prägte das Kaufhaus mit seinem Namen bis 1947. Mehrmals wurde es erweitert und umgebaut. 1947 löste ein HO-Warenhaus das „Zeeck“ ab.

1967 erfolgte die Umbenennung in Kaufhaus „Magnet“. Gleichzeitig erhielt es die stilprägende Fassadenverkleidung. Kurz nach der Wende folgte jahrelanger Leerstand. Im November 2005 kam das Objekt für 178 000 Euro bei einer Auktion unter den Hammer. In der unteren Etage siedelten sich Einzelhandel und Gastronomie an. Laut Stadtverwaltung steht das Haus nicht unter Denkmalschutz.

Studie zur Nachnutzung wurde im Sommersemester 2016 erstellt

Im Sommersemester 2016 hatten Studenten der Hochschule Anhalt im Zusammenhang mit dem derzeit laufenden Umbau der Kavalierstraße Konzepte für eine Nachnutzung entworfen. Eine Idee war es, die oberen drei Etagen als neuen Standort für das Bauhaus-Archiv zu nutzen. Derzeit ist es auf dem Gelände der Alten Brauerei untergebracht.

Diese Pläne liegen auf Eis. Professorin Natascha Meuser, die Leiterin der Nutzungsstudie, sah damals viel Potenzial: „Von Kultur bis Gewerbe ist da vieles denkbar. Solch ein Gebäude im Herzen der Stadt an einer der wichtigsten Verbindungsachsen gelegen, muss besser genutzt werden.“

(mz)