Protest gegen Rechts

Protest gegen Rechts in Dessau: Menschenkette führt von der Jüdischen Gemeinde zum Bauhaus

Dessau - Mit friedlichen und phantasievollen Aktionen wollen die Dessau-Roßlauer am kommenden Sonnabend, 10. März, gegen Neonazis und ihr rechtes Gedankengut protestieren: Dessau-Roßlau ist Bunt statt Braun.

Von Sylke Kaufhold 06.03.2018, 10:24

Mit friedlichen und phantasievollen Aktionen wollen die Dessau-Roßlauer am kommenden Sonnabend, 10. März, gegen Neonazis und ihr rechtes Gedankengut protestieren: Dessau-Roßlau ist Bunt statt Braun.

Neonazis haben für den 10. und für den 17. März Kundgebungen angemeldet. „Wir werden ihnen nicht das Feld überlassen“, kündigt Steffen Andersch vom Netzwerk Gelebte Demokratie an und bittet die Dessau-Roßlauer dabei zu sein. „Unser größter Erfolg wäre es, wenn die Neonazis am 10. März überhaupt nicht in Erscheinung träten.“

Aufgrund der Baustelle in der Kavalierstraße und den Vorkommnissen am Bauhaus im vorigen Jahr finden die Protestveranstaltungen in diesem Jahr rund um das Bauhaus statt, wobei es etliche Neuerungen im Programm geben wird.

Meile der Toleranz und Bühnenprogramm

Die Meile der Toleranz in der Bauhausstraße schlägt zwischen 13 und 15 Uhr den Bogen vom Bauhaus- zum Seminarplatz. Sie findet in diesem Jahr das erste Mal statt. Verschiedene Initiativen und Vereine werden sich präsentieren und laden ein zu Spiel, Sport, Informationen und Kulinarischem.

Erwartet werden unter anderem der Kinderzirkus Raxli Faxli mit Akrobatik und Zauberkunst, der Landessportbund oder der Förderverein Rehsumpf. Das Bühnenprogramm auf dem Seminarplatz beginnt um 13 Uhr mit Musik und Ansprachen, unter anderem des Oberbürgermeisters. Hier wird ab 14.30 Uhr zur Mitsingaktion des Anhaltischen Theaters eingeladen, die in den vergangenen Jahren großen Zuspruch fand.

Menschenkette für Frieden und Toleranz

Die Menschenkette für Frieden und Toleranz findet zum 6. Mal statt. Sie wird in diesem Jahr einen demokratischen Bogen spannen von der Jüdischen Gemeinde bis zum Bauhaus und damit zwei historische Orte verbinden. „Damit ist die Kette erstmals kein Kreis“, stellt Bastian George vom Netzwerk fest, „aber sie führt quer durch die Stadt und ist auf jeden Fall ein sichtbares Zeichen.“

Die Strecke beginnt an der Jüdischen Gemeinde in der Askanischen Straße. Von hier führt sie durch die Steinstraße in die Zerbster Straße und über die Ferdinand-von-Schill-Straße zum Anhaltischen Theater und von dort zum Westausgang des Hauptbahnhofs. Die Strecke ist etwa 2.200 Meter lang und ist in zwölf Abschnitte geteilt. An vielen Stellen wird ab 13.30 Uhr etwas für das Auge und das Ohr geboten. Das Läuten der Glocken um 14 Uhr gibt das Zeichen zum Schließen der Menschenkette.

Nachbarschaftsfest am Bauhaus

Nach den Vorkommnissen im vorigen Jahr, wo Neonazis den Platz vor dem Bauhaus für ihre Zwecke missbrauchten, stand für die Mitarbeiter fest: Das passiert nicht wieder. Sie laden von 13 bis 16 Uhr unter dem Motto „Die Moderne ist weltoffen“ zu einem Nachbarschaftsfest auf den Bauhausplatz ein.

Das bunte Programm für Jung und Alt lädt ein zu Konzerten mit Falk Röske und Drumstein, einen Leseparcours „Bauhäusler in Dessau“, Malaktionen für Kinder, einer Bauhaus-Gymnasik, einem Rundgang auf den Spuren des historischen Bauhauses vom Bauhausplatz zum Seminarplatz und vielem mehr. Unterstützt wird das Fest von vielen Partnern.

Dessau-Nord gedenkt mit acht Aktionen

„Wir wollen mit acht bunten Aktionen Gesicht zeigen gegen die Nazis“, lädt Dietrich Bungeroth ein. Ab 16 Uhr startet in der Ringstraße ein Fahrradkreisel, heißt es ab 17 Uhr am Liborius-Gymnasium „Bühne frei“ und machen sich ab 18.30 Uhr Bürger auf den „Humanistenweg“ durch den Stadtteil. Eine Lichterkette soll um 19.30 Uhr am Liborius-Gymnasium starten und zum Lidice-Platz führen. (mz)

Das Netzwerk Gelebte Demokratie, der SPD-Ortsverein Siedlung-Ziebigk und der Kirchenkreis Dessau rufen am 7. März, dem Jahrestag der Bombardierung Dessaus, unter dem Motto „Lichter gegen Rechts“ zu Mahnwachen auf, um gegen von Neonazis angekündigte Kundgebungen zu protestieren.

Folgende Mahnwachen finden am Mittwoch statt: Ab 16 Uhr an den Sieben Säulen in Höhe der Trinkhalle, ab 18 Uhr am Friedhof III, auf dem Lidiceplatz sowie auf dem Bauhausplatz. Die Besucher werden gebeten, Kerzen und andere Leuchtmittel mitzubringen als Zeichen für Frieden und Versöhnung. Um 21 Uhr findet in der Pauluskirche der traditionelle Gedenkgottesdienst statt. Um 21.45 Uhr läuten die Kirchenglocken.