Projekt „Wilde Mulde“

Projekt „Wilde Mulde“ in Dessau: Das Flussbett wird jetzt von Wissenschaftlern genau beobachtet

Dessau - Zwei Wissenschaftlerinnen der TU Braunschweig untersuchen an Totholzbäumen, wie sich der Fluss verändert.

Von Thomas Steinberg

Schnell sei sie, die Mulde. Sehr schnell. „Das merkt man schon, wenn man im Fluss steht.“ Katinka Koll steht dieser Tage häufiger inmitten des Flusses, der zu den schnellsten Flüssen Europas zählt. - In wissenschaftlicher Mission. Sie und ihre Kollegin Manuela König messen und kartieren derzeit an verschiedenen Punkten Flusssohle und Strömungen in der unteren Mulde. Ihre Arbeit ist Teil des WWF-Projekts „Wilde Mulde“.

Koll ist Bau-, König Umweltingenieurin. Gemeinsam arbeiten die Beiden am Leichtweiß-Institut für Wasserbau der Technischen Universität Braunschweig. In Dessau sitzen sie für einige Tage in einem Boot, einem Katamaran aus zwei kurzen Canadiern, beladen mit Messtechnik und mit einer Leine am Ufer gesichert. Von dem lassen sie sich am Dienstagabend etwa 100 Meter unterhalb der Jagdbrücke in Richtung eines im Wasser liegenden Baumstammes treiben.

Der war voriges Jahr mit einem weiteren in den Fluss geschleppt und befestigt worden und ist nun Gegenstand wissenschaftlichen Interesses. Befördert er zum Beispiel die Artenvielfalt? Die Theorie hinter der Frage: Der Baum schafft neue Strömungsverhältnisse, Wirbel entstehen, aber auch Zonen ruhigen Wassers.

WWF und seine Partner informieren regelmäßig über die Entwicklung des Projekts „Wilde Mulde“

Damit verändert sich die Tiefe des Flussbetts und gleichzeitig dessen Struktur. An einigen Stellen sammelt sich vielleicht Sand, an anderen vorwiegend Kies. Biologen bekommen so einige harte Fakten in die Hand, die helfen könnten zu erklären, warum sich eine Art ansiedelt oder nicht. „Das Schöne an diesem Projekt ist“, sagt Koll, „dass alle zusammenarbeiten.“

Die Forschungsergebnisse von Koll und König werden den Dessauern im übrigens nicht vorenthalten. Der WWF und seine Partner informieren regelmäßig über die Entwicklung des Projekts „Wilde Mulde“.

Erst im Februar hatten Forscher vom Leipziger Helmholtz Zentrum für Umweltforschung darüber berichtet, dass sich ihren Untersuchungen zufolge selbst Jahrzehnte nach Ende des Bergbaus und Stilllegung der Industriedreckschleudern Hinterlassenschaften aus Zeiten, in denen Umweltschutz wenig bis nichts galt, finden lassen. Ob Arsen, Quecksilber, Dioxin oder Beta-HCH - wenngleich nicht mehr mit alarmierenden Werten. Laut WWF wird diese öffentliche Veranstaltungsreihe von Zeit zu Zeit fortgesetzt.

Vier Bäume sollen noch in der Mulde verankert werden

Während die Forschungsarbeiten an der Dessauer Jagdbrücke bereits laufen, können sie im Bereich Törten noch nicht beginnen, weil dort die Totholzbäume, die der WWF in der Mulde verankern lassen möchte, noch nicht im Wasser liegen.

Hochwasser, und widrige Witterungsbedingungen verhinderten die Arbeiten, die aus Naturschutzgründen ausschließlich im Herbst oder Winter erfolgen können. „Wir hoffen, dass die vier Bäume im September in der Mulde verankert werden können“, sagte WWF-Projektleiter Heiko Schrenner. (mz)