Wirtschaft

Pfiffige Ideen: Internet- und Werbeagentur aus Dessau nimmt jetzt auch Touristen in den Blick

Corona hat der Werbebranche zugesetzt. Wie ein Zufallsbesuch vom früheren Oberbürgermeister die Firma Mc Add inspiriert hat.

Von Heidi Thiemann 23.01.2022, 09:00
In der Mc Add Internet- und Werbeagentur in der Johannisstraße ziehen drei Generationen an einem Strang:  Holger Furmanek, Susanne Rudolph und Christoph Partsch (v.l.n.r.). Für 2022 haben die Mitstreiter erstmals drei Kalender herausgegeben.
In der Mc Add Internet- und Werbeagentur in der Johannisstraße ziehen drei Generationen an einem Strang: Holger Furmanek, Susanne Rudolph und Christoph Partsch (v.l.n.r.). Für 2022 haben die Mitstreiter erstmals drei Kalender herausgegeben. Foto: Thomas Ruttke

Dessau/MZ - „Leute, Ihr könnt noch mehr machen. Traut Euch!“ - Noch heute staunt Holger Furmanek über die Zufallsbegegnung mit Peter Kuras, als der noch Dessau-Roßlauer Oberbürgermeister war. Plötzlich stand er - neugierig gemacht durch die Schaufensterdekoration - im Ladengeschäft der Internet- und Werbeagentur Mc Add. Das gibt es seit fünf Jahren in der Johannisstraße. Und die drei Mitstreiter von Mc Add - neben Furmanek sind das Susanne Rudolph und Christoph Partsch - ließen sich anstecken von Kuras’ Aufmunterung.

Zu entdecken ist das beispielsweise in der jetzigen Auslage anhand von drei Kalendern. Die nehmen den Betrachter für 2022 mit ins Dessau-Wörlitzer Gartenreich, auf einen Streifzug entlang der Dessau Bauhausbauten oder versprechen Augenblicke, die allesamt an der Ostseeküste aufgenommen wurden und die Sehnsucht nach Meer stillen.

„Wir fotografieren, entwickeln und produzieren alles selber“

„Wir fotografieren, entwickeln und produzieren alles selber“, sagt Furmanek. Von der Stange gibt es nichts in dem Unternehmen, das sich vor 13 Jahren gegründet hat. Susanne Rudolph war damals gerade 26, kam von der Hochschule Anhalt und hatte ein Praktikum gemacht in der Medien-Druck-Firma, in der auch Furmanek arbeitete. Sich kennenzulernen, sagen beide, sei ein Glücksfall gewesen.

Denn der Entschluss, sich selbstständig zu machen, war gereift. „Wir haben festgestellt, wir können freier entscheiden. Die Hierarchie, die bremst, war weg.“ Sie haben sich durchgebissen, einen Kundenstamm in ganz Deutschland aufgebaut. Kunden aus dem Pflegebereich gehören dazu, aus der Gastronomie oder auch Ferienobjekte an der Ostsee.

Angebote von A wie Autobeschriftungen bis Z wie Zauberwürfelkurs

Unterstützt werden diese unter anderem in puncto Erscheinungsbild, grafische Gestaltung für alle Werbemittel und Marketingmaßnahmen. Ob selbst erstellte Druckprodukte oder Online-Erscheinungsbild, die Palette der Angebote von Mc Add ist groß. Sie reicht von A wie Autobeschriftungen über F wie Fotografie bis W wie Website-Entwicklung. Das Alphabet reicht bei Mc Add natürlich auch bis „Z“. Wer auf der Webseite stöbert, findet etwas Unerwartetes: Zauberwürfelkurs.

„Wir sind anders als andere“, schmunzelt der 54-jährige Furmanek, „und bieten nur an, was wir auch umsetzen können.“ Er weiß, die Firma „ist eher unscheinbar. Aber wir wollen mit dem, was wir können, dezent auffallen.“ Und längst hat sich Mc Add zu einer „Kreativ-Oase“ entwickelt, zu der 2019 Christoph Partsch gestoßen ist.

Der 26-Jährige ist Fotograf und bringt sich mit seiner Firma Crispy Fotografie ein. „Wir ergänzen uns prima“, sagt Furmanek, weil jeder auf seinem Gebiet ein Spezialist ist. Alle drei Generationen drängen in eine Richtung. „Wir meistern alles gemeinsam“, freut das auch Partsch.

In der Johannisstraße ist die Agentur  Mc Add in einem  Ladengeschäft zu finden.
In der Johannisstraße ist die Agentur Mc Add in einem Ladengeschäft zu finden.
Foto: Thomas Ruttke

Sichtbarer geworden aber ist die „Kreativ-Oase“ auf alle Fälle durch die Entscheidung, in ein Ladengeschäft zu ziehen. „Wir hatten im Homeoffice begonnen“, sagt Rudolph. Doch irgendwann hatte das nicht gereicht. „Die menschliche Komponente hat gefehlt“, erklärt Furmanek, „alles nur per Mail oder Telefon abzuwickeln, das ist nicht günstig.“

Anlaufpunkt für Firmenkunden, aber auch Anwohner im Quartier und Touristen

Doch längst ist das Ladengeschäft im Quartier Theater- und Johannisviertel nicht nur Anlaufpunkt für Firmenkunden aus der Stadt oder Umgebung geworden. Nachbarn, die mal eine Kopie benötigen, schauen herein, auch Touristen halten am Laden an. Kaum ein Tag, an dem sich die Tür nicht mehrmals öffnet - es sei denn, Corona schließt sie zu.

Das war freilich in den letzten beiden Jahren öfter der Fall. Für Mc Add war das problematisch. „Die Werbebranche ist die letzte Kette im Glied“, sagt Furmanek. „Es finden keine Veranstaltungen statt, für die wir Werbung machen können. Es gründen sich kaum Unternehmen, die wir unterstützen könnten.“

Das hieß für die Drei von der „Kreativ-Oase“, sich neu zu positionieren. Die vorhandenen Möglichkeiten besser auszuschöpfen. Und da hallte die Begegnung mit Alt-OB Kuras nach, dass man doch mehr könne.

Gerade weil Touristen des öfteren in der Johannisstraße anklopfen, stellt Furmanek fest: „Es gibt ein Defizit an Souvenirs der Stadt.“ Mc Add will das mit dauerhaften Produkten abstellen. Kalender gehören dazu, aber nicht nur. Viele Ideen sind im Kopf und warten auf Umsetzung. Neben der Produktentwicklung ist auch ein Online-Shop geplant.