Oranienbaumer Heide

Oranienbaumer Heide: Fohlen überlebt Wolfsangriff

Dessau-Rosslau - Nun ist es amtlich: Die Verletzung eines Fohlens aus der Herde von Konik-Pferden in der Oranienbaumer Heide geht auf einen Wolfsangriff zurück. Das hat das Landesamt für Umweltschutz (Lau) Halle mitgeteilt, nachdem die DNA-Probe eines Abstriches im Senckenberg-Institut Gelnhausen (Hessen) ausgewertet ...

Von Silvia Bürkmann 03.11.2015, 18:35

Nun ist es amtlich: Die Verletzung eines Fohlens aus der Herde von Konik-Pferden in der Oranienbaumer Heide geht auf einen Wolfsangriff zurück. Das hat das Landesamt für Umweltschutz (Lau) Halle mitgeteilt, nachdem die DNA-Probe eines Abstriches im Senckenberg-Institut Gelnhausen (Hessen) ausgewertet ist.

„Das war ein sehr aufwendiges Verfahren in einem sehr sensibel zu behandelndem Fall“, erklärt Primigenius-Geschäftsführerin Stephanie Caspers die große Zeitspanne. Der Vorfall war bereits am 3. Juni bemerkt worden. Bei der täglichen Herdenkontrolle durch die Primigenius gGmbH, die in der Oranienbaumer Heide seit 2008 sowohl Konikpferde als auch Heckrinder auf der offenen Heide hält. Um die Mittagszeit hatten die Mitarbeiter am Hinterlauf des Fohlens einen Riss entdeckt, sagte Caspers der MZ. „Die Verletzung war ganz frisch und da unsere Kollegen die Ausrüstung dabei hatten, konnten sie sofort die Probe nehmen.“

Die Wunde selbst war oberflächlich, wurde versorgt und desinfiziert. Was der Primigenius-Patrouille allerdings auffiel: Die Herde zeigte eine erhöhte Wachsamkeit.

Das Fohlen hat sich danach schnell erholt, trank bei der Mutter und lief mit der Herde. „Wir konnten den kleinen Hengst im Schutz seiner Herde lassen, mussten ihn nicht zusätzlich stressen“, ist Stephanie Caspers rückblickend froh.

Aber etwas war passiert. Hat der Wolf zugeschlagen, der am Standort 2013 nachgewiesen und als weibliches Tier (Fähe) bestätigt werden konnte? Gegenwärtig verfolgt das Lau Hinweise auf einen zweiten Wolf. Belege für dauerhafte Paarbildung mit Welpenaufzucht stehen noch aus. Der Riss-Versuch ist jetzt erwiesen. Nach Ansicht vom Lau und Halter Primigenius aber auch, dass die Alttiere der Herde das attackierte Fohlen verteidigt haben. „Dieses Schutzverhalten zeichnet den natürlichen Herdenverband aus, den wir 103 robusten Konik-Pferden um drei Leithengste in der Heide erhalten wollen“, so die studierte Biologin Caspers. Die Verteidigung ist wirksam und effektiv. Während Mutter- und Jungtiere grasen, hat die Herde immer Aufpasser. Im Verteidigungsfall schreiten die Alttiere und besonders die Hengste ein.

Die Herde also hat einen Wolfsangriff erfolgreich abgewehrt. Das ist perspektivisch wichtig. Denn Anfang Juni waren mehrere Fohlen auf den Beinen. So kann die nächste Fohlen-Saison kommen. Die maximale Besatzstärke in der Oranienbaumer Heide sieht 120 Tiere vor. Damit wären die 2016 geborenen die letzten.

Die Primigenius gGmbH traf Vorkehrungen: Um den Nachwuchs zu regulieren, wurden alle zeugungsfähigen Hengste aus der Herde genommen, kamen mit geeigneten Stuten zum Standort Wulfen. Und die zwei Althengste Gagarin und Matthias wurden einer Samenstrang-Vasektomie unterzogen. Bei der relativ unkomplizierten Operation (im Vergleich zur Kastration) wird der Hengst nicht Wallach. Er bleibt Hengst und Herdenführer. (mz)