Opfer in Gleisbett zurückgelassen

Opfer in Gleisbett zurückgelassen: Landgericht Dessau verhängt hohe Haftstrafen für Angriff auf Pakistaner

Dessau/Zerbst - Weil sie einen Mann aus Pakistan am Zerbster Bahnhof überfallen, verprügelt und auf den Gleisen zurückgelassen haben, hat das Landgericht Dessau zwei 20 und 23 Jahre alte Männer am Dienstagnachmittag wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Totschlags durch Unterlassen einmal zu vier Jahren und einmal zu sechs Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Ferner hat es ihre Unterbringung in einer Entzugsklinik ...

21.03.2017, 16:02

Weil sie einen Mann aus Pakistan am Zerbster Bahnhof überfallen, verprügelt und auf den Gleisen zurückgelassen haben, hat das Landgericht Dessau zwei 20 und 23 Jahre alte Männer am Dienstagnachmittag wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Totschlags durch Unterlassen einmal zu vier Jahren und einmal zu sechs Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Ferner hat es ihre Unterbringung in einer Entzugsklinik angeordnet.

Das Gericht hat es im Ergebnis der umfangreichen Beweisaufnahme als erwiesen angesehen, dass die zur Tatzeit erheblich alkoholisierten und vermindert schuldfähigen Angeklagten in den späten Abendstunden des 30. Juni auf dem Bahnhof in Zerbst einen pakistanischen Staatsangehörigen grundlos als „Scheiß-Ausländer“ beschimpft und danach gemeinschaftlich massiv getreten und geschlagen haben.

Die Auseinandersetzung verlagerte sich auf das Gleisbett. Als sich die Regionalbahn in Richtung Magdeburg in Bewegung setzte, ließen die Männer den erheblich verletzten Geschädigten auf dem Gleis zurück - und nahmen damit nach Ansicht des Dessauer Gerichts seinen Tod billigend in Kauf.

In letzter Sekunde gerettet

Der Geschädigte konnte sich noch aus eigener Kraft vor dem herannahenden Zug retten, wurde jedoch vom Puffer des Triebfahrzeugs an der Schulter erfasst. Dabei brach er sich das Schulterblatt, zudem erlitt er eine offene Wunde am linken Auge, massive Hautunterblutungen und Hautabschürfungen sowie ein Schädelhirntrauma.

Das Dessauer Gericht hat als Tatmotiv für die gefährliche Körperverletzung eine ausländerfeindliche Gesinnung der Angeklagten angenommen. Nicht zweifelfrei feststellbar sei gewesen, ob dieses Motiv oder das Bestreben der Angeklagten, sich selbst vor dem Zug in Sicherheit zu bringen, handlungsleitend war. Das Mordmerkmal des niedrigen Beweggrundes hat die Kammer deshalb nicht als erfüllt angesehen. (mz)