München, Stuttgart, Dessau

OB Kuras verteidigt wirtschaftliche Entwicklung der Stadt - Drei neue Firmen siedeln sich an

Von Von Heidi Thiemann
So schlecht steht Dessau-Roßlau wirtschaftlich nicht da, sagt Oberbürgermeister Peter Kuras (2.v.l.) im Gespräch mit Mirko Kirschner vom WIC, seinem Nachfolger Robert Reck und Sven Horn von der IHK (v.l.n.r.).
So schlecht steht Dessau-Roßlau wirtschaftlich nicht da, sagt Oberbürgermeister Peter Kuras (2.v.l.) im Gespräch mit Mirko Kirschner vom WIC, seinem Nachfolger Robert Reck und Sven Horn von der IHK (v.l.n.r.). (Foto: Thomas Ruttke)

Dessau-Rosslau/MZ - „Wir sind nicht München und nicht Stuttgart, aber so schlecht stehen wir gar nicht da.“ Die wirtschaftliche und demografische Situation der Doppelstadt sei besser als in der öffentlichen Wahrnehmung, sagt der scheidende Oberbürgermeister Peter Kuras. Am Freitag präsentierte er mit Sven Horn, Chef der Dessauer Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer (IHK), und Mirko Kirschner, Präsident des Wirtschafts- und Industrieclubs (WIC), ein Potpourri an Daten, Fakten und Zahlen.

Dessau-Roßlau liegt bei der Exportquote deutlich über dem Landesschnitt

Im Vor-Corona-Jahr 2019 etwa lag die Exportquote von in der Stadt angesiedelten Unternehmen bei 35,9 Prozent und damit 5,8 Prozentpunkte überm Landesdurchschnitt. Ein Fingerzeig, dass die Industrie international ausgerichtet ist. Es gab mehr Gewerbeanmeldungen (348, plus 2,7 Prozent) als 2018 und weniger Gewerbeabmeldungen (445, minus 5,9 Prozent). Trotz des offensichtlichen Saldos ein gutes Zeichen für Sven Horn. „Das Gründungsgeschehen stagniert nicht.“

Ein anderes Beispiel, dass die Doppelstadt gut dastehe, sei die Kaufkraftbindungsquote. Laut Zahlenauswertung des Statistischen Bundesamtes liegt die für die Doppelstadt bei 107 Prozent. Halle liegt bei 85, Magdeburg bei 101 und Leipzig bei 91 Prozent. Bei der Zentralitätskennziffer, die angibt, ob mehr Kaufkraft in die Stadt hineinfließt als heraus, stehe Dessau ebenfalls besser da als die anderen Oberzentren.

„Wir sind vielleicht etwas kleiner, aber wir führen oberzentrale Funktionen aus“, sagte Kuras in Richtung Landesregierung. „Ein Oberzentrum macht sich nicht nur an der Einwohnerzahl fest“, verwies er unter anderem auf Einzelhandel, Städtisches Klinikum als Schwerpunktkrankenhaus und Anhaltisches Theater.

Doch viel besser als Zahlen, gestand Sven Horn, lasse sich die positive wirtschaftliche Entwicklung an Beispielen festmachen. Daher präsentierte er einen Imagefilm der Firma We Like Concepts GmbH aus Offenbach, die nun mit N51E12, einer Möbelbau und Stahlbau Manufaktur, einen Ableger in Dessau hat. Hinter der Firma stehen mit Michael und Oliver Reif „zwei Jungs aus der Region, die Rückkehrer sind und vorhaben, in Dessau zu expandieren“, so Horn. Und das mit einem Neubau auf dem ehemaligen Junkalorgelände unter Einbeziehung der Rundbogenhalle.

Dass sich in Dessau-Roßlau Neues entwickele, kündigte auch der neugewählte OB, der bisherige Wirtschaftsdezernent Robert Reck mit zwei Ansiedelungen auf dem Flugplatzgelände an.

Wirtschafts- und Industrieclub sieht mehrere funktionierende Cluster in der Stadt

Die bisherige gute Entwicklung in der Stadt ist für WIC-Präsident Kirschner in den Gewerbegebieten abzulesen. Es gibt mittlerweile starke Cluster in der Pharmabranche nördlich der Elbe, langfristig ist die Entwicklung zum Möbel-Cluster abzusehen. Die Firmen Vetter, Reinicke und Massivholzmöbel 24 stehen bereits jetzt als Beispiel dafür. Hinzu kommen Entwicklungen im Bereich Bahntechnologie, Logistik oder im IT-Bereich. Und: „Es gibt viele Hidden Champions.“ Firmen also, die gut dastehen am Markt, aber weitgehend unbekannt sind. „Die sollte man erkennbar machen“, sieht das Kuras als Aufgabe.

Zudem ist ein Thema ein dringendes: das Ringen um Fachkräfte. Aufgrund der Altersstruktur in den Unternehmen kommt demnächst auf drei Mitarbeiter, die ausscheiden, nur ein Auszubildender. In der Fachkräfteallianz mit der Hochschule Anhalt und der Arbeitsagentur wird darum gerungen, dass Fachkräfte und vor allem junge Menschen am Standort gehalten bzw. hierher geholt werden. Doch auch andere Kommunen stehen vor dem gleichen Problem. „Die Unternehmen müssen so sexy sein, dass sie Mitarbeiter rekrutieren können“, meint Reck. Die Stadt könne dabei vieles begleiten. „Aber junge Menschen schauen sich auch an, was sie verdienen können. Und diese Frage können nur die Unternehmen klären.“ Arbeitsangebote, ist sich Reck sicher, „gibt es für alle“.