Naturschauspiel

Naturschauspiel in Dessau-Roßlau: 27 Störche auf der Mulde-Sandbank

Dessau-Roßlau - Beobachtungen zwischen Roßlau und Dessau: Wohlfühlen, Flugschule und erster Gruppenkontakt für baldige große Reise.

Von Silvia Bürkmann 18.07.2016, 13:10

Dieses Naturschauspiel ließ die Bremsen quietschen. Nicht die unter dem Motorblock, sondern am Drahtesel. Da radelten die Eheleute Klemens und Silvia Koschig am Samstagvormittage von Roßlau nach Dessau zum Sport- und Familienfest der Stadtwerke, erfreuten sich an der Landschaft. Bei Überquerung der Mulde erblickten sie auf der Sandbank des Niedrigwasser führenden Flusses eine auffällig große Storchenansammlung.

Schnappschuss auf Facebook

Handykamera zücken und auslösen, Schnappschuss umgehend via Facebook ins Netz stellen, das war Aufgabe für Familienvater Koschig.

Mutter Silvia zählte und beobachtete die Weißstörche: 27 Jungtiere, zu erkennen am noch dunklen Schnabel, sonnten sich auf der Sandbank, zwei bis drei staksten wie die Reiher durch das Flachwasser, vier zogen über ihnen ihre Kreise. Noch Flugschule oder schon Sammeln zum Abflug in den Süden?

Michael Kaatz, Geschäftsführer der Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg, bestätigte ähnliche Beobachtungen in der Region. „Es ist tatsächlich so, dass die Jungen der westziehenden Elternstörche in diesem Jahr sehr zeitig flügge geworden sind.

Die Westzieher, die in Südfrankreich oder Spanien überwintern, kamen schon Ende Februar, Anfang März zurück und begannen zeitig mit der Brut.“ So beginnen die Jungtiere schon früher mit der Gruppenbildung für ihre erste große Reise.

Anders die Situation bei den Ostziehern, die über die Türkei Afrika ansteuern. Sie kamen in diesem Jahr sehr spät zurück, trafen hier auf einen sehr trockenen Mai, während sich der Juni nass zeigte und zu Verlusten bei eben geschlüpften Küken führte. Oder die Spätheimkehrer haben gar keine Brut mehr angefangen.

„Für die Ostzieher war 2016 ein schlechtes Storchenjahr“, resümiert der studierte Biologe und Doktor der Ornithologie, Michael Kaatz.

Abflug Anfang August

Im Regelfall sammeln sich die Störche ab Anfang August zu ihrem Abflug ins Warme. Die schnellen „Westzieher“ starten womöglich etwas eher. Hier könne es nach Einschätzung des Storchenexperten auch dazu kommen, dass sich kleinere „Junggesellengruppen“ unter die großen Reisegruppen mischen.

Diese „vagabundierenden Einzelstörche“, die in diesem Jahr nicht zum Brüten kamen oder ihre Brut verloren haben, schließen sich gerne dem großen Storchenzug an, weiß Michael Kaatz. Da seien dann im August, vor allem bei den Ostziehern, große Sammlungen zwischen 50 und 100 Tieren zu beobachten.

In vorigen Jahren wurden in Deutschland schon einmal noch größere Flugkolonien mit über 500 Störchen erwähnt. „Aber dieses Phänomen ist absolut selten zu beobachten.“ (mz)