Zeugen retten Kind

Missbrauch von Kind in Roßlau: Zeugen retten Mädchen an Elbwiesen

Rosslau - Nach dem sexuellen Übergriff auf ein neunjähriges Mädchen in Roßlau hat sich nun eine Zeugin mit einer emotionalen Darstellung der Geschehnisse vom Sonntag gemeldet.

Von Detmar Oppenkowski und Julius Jasper Topp 12.06.2019, 10:04

Nach dem sexuellen Übergriff auf ein neunjähriges Mädchen in Roßlau hat sich nun eine Zeugin mit einer emotionalen Darstellung der Geschehnisse vom Sonntag gemeldet.

Die Frau, die ihren echten Namen nicht veröffentlichen möchte, war nach eigenen Angaben am Sonntagvormittag mit einem Bekannten an der Elbe entlanggelaufen und durch Hilferufe auf die Situation aufmerksam geworden. Da der mutmaßliche Tatverdächtige dadurch offenbar abgelenkt wurde, konnte sich das Kind befreien und zu der Frau laufen.

Während der Mann flüchtete, wurde die Polizei informiert.

Sexueller Missbrauch in Roßlau: Mutmaßlicher Täter wurde festgehalten

Später habe man sich zusammen mit anderen auf die Suche gemacht und ihn am frühen Nachmittag in der Lukoer Straße gestellt und solange festgehalten, bis die Polizei eintraf. Die mehrere Seiten lange Darstellung, die bei Facebook nachzulesen ist, wird von den Behörden zwar nicht kommentiert, aber ebenso auch nicht in Zweifel gezogen.

Dass man sich vorerst weiter bedeckt hält, begründet Staatsanwalt Frank Pieper so: „Da wir uns an die gesetzlichen Bestimmungen halten, beginnt für uns jetzt die Kleinarbeit, sprich: Es müssen die Tatortspuren und Zeugenaussagen ausgewertet werden.“ Gegen den 27-jährigen Mann aus dem Niger wird wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs ermittelt. Er wurde vernommen, dem Haftrichter vorgeführt und in die JVA nach Halle verlegt.

Sexueller Missbrauch in Roßlau: Tatverdächtiger ohne Ausweispapiere

Der Tatverdächtige ist seit 2017 in der Unterkunft in Vockerode untergebracht gewesen, sagt der Sprecher des Landkreises Wittenberg. Es treffe zwar zu, dass er derzeit einen Duldungs-Status habe, der noch bis zum 18. Juni laufe. Allerdings sei – unabhängig davon, was dem Mann nun vorgeworfen würde – eine Reise in den Niger an diesem Datum unwahrscheinlich gewesen. „Die Voraussetzungen für Ausreise oder Abschiebung in das Herkunftsland sind nicht gegeben.“ Nach MZ-Informationen hat der Mann keine Ausweispapiere.

Auf Nachfrage, ob er unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stand, heißt es: „Dazu liegen uns keine Hinweise vor.“ Der 27-Jährige wurde nach Aussagen der Staatsanwaltschaft zuvor schon „mehrfach erfasst“. Die Verfahren seien zum Teil wieder eingestellt worden. Was man ihm in den anderen Fällen genau vorgeworfen hat, wird nicht gesagt.

Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau kommentiert Einsatz von Pfefferspray nicht

Dass die Zeugin sich zusammen mit anderen auf die Suche nach dem Tatverdächtigen machte und ihn stellte, wird von der Staatsanwaltschaft wie folgt bewertet: „Nach Strafprozessordnung ist jedermann befugt, eine Person ohne rechtliche Anordnung vorläufig festzunehmen, wenn die Person auf frischer Tat betroffen oder verfolgt wird, der Flucht verdächtigt ist oder ihre Identität nicht sofort festzustellen ist.“ Dass dabei offenbar auch Pfefferspray zum Einsatz kam, wird von der Staatsanwaltschaft nicht kommentiert. (mz)