Leichenfund in der Elbe

Leichenfund in der Elbe: Dessauer Paddler stellen Fund für den MDR nach

Vockerode/Dessau - Dessauer Polizei ist am Sonntag zu Gast in der MDR-Sendung „Kripo Live“. Toter gibt noch viele Rätsel auf.

Von Alexander Baumbach und Steffen Brachert

Im Fall der Leiche, die vor zwei Woche in einer Kiste bei Vockerode an der Elbe gefunden wurde, stehen die Ermittler weiter vor einem Rätsel.

„Es ist bemerkenswert, dass es trotz einer sehr offensiven und überregionalen Suche und eines markanten Tattoos keinerlei Hinweise auf die Identität des Toten gibt“, sagte Sebastian Opitz, Sprecher der Polizeidirektion Ost. Einer der Kollegen ist an diesem Sonntag, 19.50 Uhr, deshalb mit dem mysteriösen Fall bei der MDR-Sendung „Kripo Live“ zu Gast - und hofft auf einen Durchbruch.

Am Donnerstag war ein MDR-Team deshalb zu Gast bei der Junkers Paddelgemeinschaft am Leopoldshafen. Mit ihrer Hilfe wurde der Fund der Kiste noch einmal nachgestellt. Ein Paddler war es gewesen, der die Kiste vom Wasser aus entdeckt hatte. Die Dessauer stellten einen Paddler.

Wird das Gesicht rekonstruiert?

Unabhängig von„Kripo Live“: Bei der Identifizierung der männlichen Leiche denken Polizei und Staatsanwaltschaft inzwischen auch an unkonventionelle Methoden: „Wir überlegen, ob wir mit der Rekonstruktion des Gesichts eine Möglichkeit haben, zu erfahren, wer der Mann war“, erklärt Staatsanwalt Olaf Braun am Mittwoch gegenüber der MZ.

Die Voraussetzungen für die Ermittler sind günstig. In Sachsen-Anhalt arbeitet die bundesweit einzige Expertin der Polizei an der sogenannten „Gesichtsweichteilrekonstruktion“: Steffi Burrath. Für ihre Arbeit können auch Fragmente des Schädels ausreichend sein, um mit Hilfe von Bleistift und Computer ein Bild zu generieren, das dem Verstorbenen zu Lebzeiten wenigstens ähnelt.

Beim FBI gelernt

Burrath arbeitet zwar für das Landeskriminalamt in Sachsen-Anhalt, übernimmt aber bundesweit Fälle. Die Expertin ist Diplomingenieurin für Mode- und Bekleidungstechnik, hat nach der Wende zur Layouterin und Computergrafikerin umgeschult und seit 1994 den Phantombildsektor beim Landeskriminalamt mit aufgebaut.

An einer Akademie der amerikanischen Bundespolizei FBI erlernte sie 2002 die hohe Schule der Gesichts-Wiederherstellung. Dabei werden 27 bis 34 festgelegte Punkte im Gesicht so genannten „Weichteilhöhen“ zugeordnet, um Augen-, Mund- und Nasenhöhlen zu entwickeln.

Am Ende steht das Abbild eines Gesichts. Das Problem sind am letztendlich oft Haare und Haarfarbe. Burrath fertigt deshalb oft Zeichnungen mit verschienen Frisuren und Bärten. 40 Prozent der Rekonstruktionen führen dazu, dass der Tote identifiziert werden kann.

Suche über die Bundesgrenzen hinaus

Neben der Rekonstruktion des Gesichtes denkt man bei der Staatsanwaltschaft auch über eine Ausweitung der Suche über die Bundesgrenzen hinweg nach. „Da ist aber konkret noch nichts geplant. Wir wollen die jetzigen Maßnahmen noch ein bisschen wirken lassen“, erklärt der Dessauer Staatsanwalt.

Der tote Mann ist etwa 1,80 Meter groß. Auf seinem Unterarm ist der Name „Michaela“ tätowiert. Die Ermittler gehen von einem Verbrechen aus. Laut Rechtsmedizin war der Mann bereits mehrere Wochen tot, ehe er gefunden wurde. In den Vermisstenfällen hatte es keine verwertbaren Hinweise gegeben.

Auffällige Kiste

Die Polizei hatte zuletzt auch Fotos von der ein Meter mal 50 Zentimeter großen Kiste veröffentlicht, in der der Mann gefunden wurde. Diese könnte von einem Schiff stammen. Der grüne Metallbehälter mit der Aufschrift „Albert Glück“ ähnelt einer Werkzeugtruhe und hatte auch einen auffälligen Mainzelmännchen-Aufkleber des ZDF. Doch auch dazu gab es keine nützlichen Hinweise. (mz)