Landgericht Dessau

Landgericht Dessau: HFC-Fan wegen Hetz-Lied verurteilt

Dessau - Das Landgericht Dessau hat einen HFC-Fan wegen Volksverhetzung zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt und die Strafe zu vier Jahren Bewährung ausgesetzt. Der Mann hatte auf der Rückfahrt im Sommer 2014 auf dem Bahnhof Bitterfeld eine Gruppe von Studenten beschimpft.

Im Prozess über ein Hetz-Lied eines HFC-Fans wurde nun das Urteil gesprochen.
Im Prozess über ein Hetz-Lied eines HFC-Fans wurde nun das Urteil gesprochen. imago stock&people

Das Landgericht Dessau hat einen HFC-Fan wegen Volksverhetzung zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt und die Strafe zu vier Jahren Bewährung ausgesetzt. Der Mann hatte auf der Rückfahrt im Sommer 2014 auf dem Bahnhof Bitterfeld eine Gruppe von Studenten beschimpft.

Klarer Fall von Volksverhetzung

Der Fan war auf der Rückfahrt vom Saisoneröffnungsspiel in Chemnitz. Der Hallesche FC hatte dort eine 0:3-Niederlage kassiert. Dass er sich an jenem 26. Juli der Volksverhetzung schuldig gemacht hatte, wollte der Mann vor dem Landgericht nicht mehr abstreiten. Er war mit Freunden nach dem Spiel mit dem Zug Richtung Wittenberg unterwegs und musste in Bitterfeld umsteigen.

In der Regionalbahn saß eine Gruppe von Architekturstudenten, Teilnehmer einer Sommerschule. Zwei von ihnen waren Deutsche, zwei Äthiopier, zwei kamen aus Trinidad. Der Angeklagte war ziemlich angetrunken, aber nicht betrunken - und stimmte einen „Gesang“ an: „Der Neger brennt so schön“, lautete ein Zeile. Ein klarer Fall von Volksverhetzung. Die Studenten alarmierten die Polizei. Die empfing den Mann am Bahnhof Wittenberg.

Nicht das erste Vergehen

Der Angeklagte hatte seit seiner Jugend ein Problem, sich an Recht und Gesetz zu halten. Mehr als 15 Mal stand er vor Gericht. Wegen Beleidigung, Körperverletzung, Diebstahl, Raub und auffällig oft wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Oft kam er vor den Gerichten glimpflich davon, zuletzt gab es aber 16 Monate Gefängnis.

In dieser Zeit, sagt der Mann vor Gericht, habe er begriffen, was wirklich zähle: seine Frau (die ihn im Knast heiratete) und das Kind. Die Freunde hätten sich nicht um ihn gekümmert, während er im Knast war. Er habe sich mit seinen Taten beschäftigt und sich zuletzt ohne Probleme mit einem „Schwarzafrikaner“ eine Zelle geteilt. Einen Job habe er auch wieder. Auch trinke er nur noch bei Familienfeiern, sei neulich zwar mal wieder beim HFC gewesen, er sei aber allein dorthin gefahren und habe auf Alkohol verzichtet.

Vier Jahre auf Bewährung

Der Verteidiger warb deshalb für eine Bewährungsstrafe. Der Staatsanwalt sah zwar positive Ansätze, allein ihm blieben Zweifel. Die gab es auch beim Gericht. Es setzte die Bewährungszeit mit vier Jahren sehr hoch an und verlangte von dem Mann, sich einer ambulanten Alkoholtherapie zu unterziehen. (mz/tst)