Landgericht Dessau

Landgericht Dessau: Drängler soll anderes Auto überholt und dann ausgebremst haben

Dessau - Er wolle dem Angeklagten nicht zu nahe treten, aber dessen Aufmachung, der Porsche, die Fahrweise - da habe er schon mal an organisierte Kriminalität gedacht.

Von Thomas Steinberg 17.08.2020, 09:17

Er wolle dem Angeklagten nicht zu nahe treten, aber dessen Aufmachung, der Porsche, die Fahrweise - da habe er schon mal an organisierte Kriminalität gedacht.

Simon R. (Name geändert), der Fahrer eines Ford Focus Kombi, hat einige Klischees zu einem Bild geformt, das so dann doch nicht richtig ist. Matthias L. (Name geändert), Mitte 50 und aus Halle, pflegt zwar einen etwas hemdsärmeligen Auftritt, wie ihn manche Autohändler und Immobilienunternehmen für standesgemäß erachten.

Doch er sitzt nicht wegen irgendwelcher krummen Geschäfte auf der Anklagebank, sondern wegen eines riskanten Überholmanövers.

Amtsgericht Bitterfeld hat ihn zu 150 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt

Das Amtsgericht Bitterfeld hat ihn deshalb zu 150 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt und ein 40-tägiges Fahrverbot verhängt. Der Staatsanwaltschaft ist das zu wenig, L. sagt, jemand anderes habe an diesem Tag das Auto gefahren, aber nicht, wer es gewesen sein soll.

Beide Seiten treffen sich nun, mehr als zwei Jahre nach dem Vorfall kurz hinter der Abfahrt Bitterfeld vor dem Landgericht Dessau. R. und seine Frau schildern recht präzise, was geschehen sein soll. Ihr Auto überholt mit etwa Tempo 130 zwei auf der mittleren Spur Richtung Berlin fahrende Pkw.

Von hinten nähert sich ein Porsche, sehr schnell, fährt sehr dicht auf, schert plötzlich nach rechts aus, fädelt sich zwischen dem Focus und den beiden anderen Autos hindurch, setzt sich dann vor R. und bremst drei Mal kräftig bis auf Tempo 60 herunter. R. kann vom Porsche noch ein Foto machen, bevor dessen Fahrer Gas gibt und davon fährt.

Der Staatsanwalt hat vorsorglich weitere Verfahren gegen den Angeklagten ausgegraben

In Berlin besuchen R., seine Frau und ein mitgereister Freund ein Fußballspiel, und als sie auf dem Heimweg sind, taucht hinter ihnen auf der Avus erneut L.’s Porsche auf. Man ist wegen einer Baustelle im Zuckeltempo unterwegs, und als L. überholt, ergibt sich eine gute Gelegenheit, ein paar Fotos von ihm zu machen.

Aus L.’s Sicht betrachtet, kann es sich nur um einen dummen Zufall handeln. Er verleiht das Auto für eine Fahrt nach Berlin, der von ihm Ungenannte erlaubt sich riskante Fahrmanöver, und ein paar Stunden später reist er selbst am Lenkrad des 180.000 Euro teuren Wagens wieder gen Halle und wird nun fälschlicherweise mit dem Verkehrsrowdy identifiziert.

Denkbar ist das. Nur wurde gegen L. schon mehrfach wegen schwerwiegender Verkehrsverstöße ermittelt. Die Verfahren verliefen zwar im Sande, aber die Richterin der Vorinstanz nahm sie als Indiz, dass L. den Focus so überholt hatte, wie die Insassen es schilderten. Das gehe nun aber mal gar nicht, meinte L.’s Anwalt. Das wird sich zeigen. Der Staatsanwalt hat vorsorglich weitere gegen L. eingeleitete Verfahren ausgegraben.

Die Verhandlung wird am 3. September fortgesetzt. (mz)