Kunstraub in Dessau

Kunstraub in Dessau: Wie kamen die Diebe in den Ausstellungsraum?

Dessau - Im "Kunstraum Dessau" sind Gemälde aus der Ausstellung „Blau auf blasser Haut - Tattoo in der zeitgenössischen Kunst“ gestohlen worden. Dabei waren Gemälde von Claudia Hauptmann und Gudrun Büne.

Von Lisa Garn 03.08.2016, 13:26

Als Gerhard Lambrecht am Dienstag die Ausstellung im „Kunstraum 22“ in Dessau steht, ist er entsetzt. Drei Gemälde aus der Ausstellung „Blau auf blasser Haut - Tattoo in der zeitgenössischen Kunst“ sind gestohlen worden. Der Vorsitzende des Anhaltischen Kunstvereins hat am gleichen Tag Anzeige bei der Polizei erstattet. Dass überhaupt Bilder aus einer Ausstellung des Vereins verschwinden, macht ihn wütend. „Das ist eine Premiere, die man absolut nicht haben muss.“ Ein Schaden von insgesamt rund 18.000 Euro ist entstanden.

Wie kamen Täter hinein?

Der Diebstahl muss sich in der Zeit zwischen Freitag gegen 18 Uhr und Samstag gegen 11 Uhr ereignet haben. Eine Mitarbeiterin hatte nach der regulären Öffnung abgeschlossen, eine weitere schloss am nächsten Tag auf und entdeckte, dass drei Bilder fehlen. „Wir dachten erst, dass die Künstler die Bilder vielleicht abgeholt haben.“ Ein Telefonat mit der Galeristin brachte jedoch Gewissheit: Die Gemälde zweier renommierter Künstlerinnen waren gestohlen worden.

Es handelt sich um zwei Querformate von Claudia Hauptmann: „Second Hand“ und „Die Braut“. Beide kosten jeweils 3.900 Euro. Gestohlen wurde auch das Bild „Rückenakt“ von Gudrun Brüne, das 10.000 Euro kostet. Die Querformate haben eine Größe von einem Meter mal 30 Zentimeter, das Hochformat ist ein Meter mal 70 Zentimeter groß. Dass der oder die Täter nicht wahllos, sondern gezielt diese Gemälde gestohlen haben, hält er Lambrecht für wahrscheinlich. „Alle Bilder dieser Ausstellung sind besonders. Aber hier wurden diejenigen mitgenommen, die am erotischsten sind.“

Die große Frage, die ihn und die rund 150 Mitglieder des traditionsreichen Anhaltischen Kunstvereins nun umtreibt, ist: Wie kam der oder die Täter hinein? „Es gab keine Einbruchsspuren. Ich vermute, es muss ein Schlüssel oder Nachschlüssel benutzt worden sein.“ Die Polizei ermittelt in dem Fall. „Vor Ort war die Kriminaltechnik im Einsatz, hat Spuren vom Boden und Wänden gesichert, die jetzt ausgewertet werden“, bestätigt Sebastian Opitz, Sprecher der Polizeidirektion Ost. Zeitnah hat der Verein nun eine Zusammenkunft angesetzt, an der alle Mitglieder teilnehmen, die einen Schlüssel besitzen. „Dann geht es auch um die Abgabe von eidesstattlichen Versicherungen, dass keine Nachschlüssel existieren oder ein Schlüssel verschwunden ist.“

Die Künstlerinnen sind über den Diebstahl informiert worden. „Die Reaktionen waren unterschiedlich, um es vorsichtig zu formulieren. So wie das Besitzen und Kaufen und offensichtlich auch das Stehlen mit Gefühlen zu tun hat, so gibt es natürlich auch beim Malen Emotionen. Niemand gibt ein Bild gern einfach so her.“

Hinweise an Anhaltischen Kunstverein in Dessau

Der Schaden ist auch bei der Versicherung angezeigt worden, die nun das weitere Vorgehen bei der Schadensregulierung prüft. Einen Verkauf der Bilder hält Lambrecht für schwierig: „Sie sind sehr auffällig und durch den angezeigten Diebstahl jetzt kann man sie schlecht auf dem Markt verkaufen.“ An den oder die Diebe hat Lambrecht nur folgende Aufforderung: „Wir wollen die Bilder natürlich wieder zurück haben. Der oder die Diebe könnten sich beim Anhaltischen Kunstverein in der Askanischen Straße melden.“

Die Ausstellung im „Kunstraum 22“ war am 1. Juli eröffnet worden. Sie läuft noch bis zum 21. August und zeigt das Tattoo in Malerei, Grafik und Fotografie. 23 Werke von acht Künstlerinnen hat die Leipziger Galeristin Sabine Elsner für die Schau zusammen gestellt. Die aus Eisenach stammende Künstlerin Claudia Hauptmann präsentierte mit dem Bild „Die Braut“ eines der auffälligsten der Ausstellung. Es zeigt eine liegende Frau, auf deren Hinterteil ein QR-Code tätowiert ist. Auf dem Bild „Second Hand“ sind fünf an Nägeln hängende Masken zu sehen, auf denen Preisschilder kleben und in deren Gesichter „Fame“ oder „Sex“ geschrieben steht. Hauptmanns Lehrerin Gudrun Brüne, sie lebt heute im Havelland, zeigt in Dessau zwei Gemälde. Das Hochformat „Rückenakt“ offenbart zwei tätowierte Schwäne.

Hinweise an den Anhaltischen Kunstverein Dessau unter der Tel.: 0340/6 50 14 43 und per E-Mail an [email protected] sowie an die Polizei in Dessau unter 0340/6 00 02 91 oder [email protected].

(mz)