Kümmern mit Abstand

Kümmern mit Abstand: Schulsozialarbeiter in Dessau-Roßlau halten trotz geschlossener Schulen den Kontakt

Dessau - Wie die Schulsozialarbeiter trotz geschlossener Schulen den Kontakt zu den Schülern hielten und bei Problemen für sie da waren.

Von Sylke Kaufhold

„Es war ein wuseliger Tag voller freudiger Stimmung.“ So beschreibt Daniela Berger, Schulsozialarbeiterin an der Grundschule Friederikenplatz den vergangenen Montag. Der Tag Eins nach einer langen Zeit im Homeschooling.

Schüler und Lehrer gleichermaßen hätten sich gefreut sich wiederzusehen. Gleiches berichtet Sabine Knabe vom Philanthropinum. Auch bei den „Großen“ sei die Freude groß gewesen, endlich wieder „reales Schulleben“ erleben zu können, erzählt die Schulsozialarbeiterin des Gymnasiums. Auch wenn das hier nur im wöchentlichen Wechsel passieren kann.

Hier wie dort gibt es Einschränkungen und Regelungen. So sind die Schüler in so genannte Kohorten eingeteilt, die nicht verlassen werden dürfen. Das bedeutet zum Beispiel getrennte Hofpausen. Kontakte untereinander werden so eingeschränkt. „Die Distanz zu wahren, ist bei den Grundschülern schwierig“, berichtet Daniela Berger. „Sie wollen sich drücken, auch uns mal umarmen.“

Die digitale Arbeit habe im Vergleich zum ersten Lockdown zugenommen

Den Mund-Nasen-Schutz zu tragen bereite hingegen keine Probleme. Das klappt im Gymnasium genauso gut wie in der Grundschule. „Die Kinder haben das verinnerlicht, es gehört dazu.“

Auch wenn die Schüler in den vergangenen zwei Monaten zu Hause lernten, war keiner der Schulsozialarbeiter der St. Johannis GmbH - Stiftung evangelische Jugendhilfe Bernburg im Homeoffice, wie Bereichsleiterin Silvana Moll erklärt. „Unsere Arbeit hat sich verändert“, stellen Berger und Knabe fest.

Die digitale Arbeit habe im Vergleich zum ersten Lockdown zugenommen. „Wir haben viel mehr Videokonferenzen gemacht und auf diese Weise Kontakt gehalten“, erzählt Sabine Knabe. Auch der Unterricht an sich sei digital professionalisiert worden. „Der Stundenplan wurde online abgearbeitet, das hat den Schülern eine bekannte Tagesstruktur gegeben.“

Mit den Schülern, die in der Notbetreuung waren, habe sie die Frühstückspausen verbracht

Sie selbst habe zum Beispiel mit dem Schülerrat digital Kontakt gehalten. Viele Mails gingen hin und her, viele Telefonate. „Ich war immer erreichbar - für Schüler, Lehrer, Eltern“, berichtet die Sozialarbeiterin des Philanthropinums.

Mit den Schülern, die in der Notbetreuung waren, habe sie die Frühstückspausen verbracht und auch dabei das eine oder andere Problem klären und helfen können. „Ich denke, dass alle gut durch den zweiten Lockdown gekommen sind.“ Motivationsprobleme bei den Schülern habe es aber gegeben.

„Ich hatte einige Elternanrufe deswegen“, sagt Sabine Knabe.
Daniela Berger hat über die Homepage der Schule und Mails Kontakt zu den Eltern gehalten. In Einzelfällen, wo es schon vorher Probleme gab, habe sie die Kinder gezielt angerufen und zum persönlichen Gespräch in die Schule eingeladen.

„Wir haben alle an Medienkompetenz dazugelernt, das ist ein positiver Aspekt des Lockdowns“

Auch Kinder, die in der Notbetreuung waren, und von denen sie wusste, dass es Gesprächsbedarf gibt, habe sie von dort „abgeholt“. „Die Gespräche waren teilweise intensiver, weil wir uns mehr Zeit nehmen konnten“, freut sich Berger. Der Lockdown sei dabei aber nie das Hauptthema gewesen, sondern „das, was die Kinder schon vorher belastet“ habe.

Für die Kontaktaufnahme zu den Schülern hätten die Schulsozialarbeiter auch ganz untypische Wege gewählt, berichtet Silvana Moll. So seien einige im Einzugsgebiet ihrer Schule wie Streetworker unterwegs gewesen, um Schüler zu treffen.

Wenn es auch ganz ohne „analoge“ Kontakte in der Schulsozialarbeit nicht geht, hat die digitale Arbeit insgesamt erheblich zugenommen. Beide berichten davon, dass sie in diesem Bereich verstärkt tätig waren, zum Beispiel auch für die eigene Weiterbildung. „Wir haben alle an Medienkompetenz dazugelernt, das ist ein positiver Aspekt des Lockdowns“, findet Daniela Berger.

Lockdown ist nicht bei allen spurlos vorbeigegangen

Bei allen Bemühungen und auch positiven Rückmeldungen sei davon auszugehen, dass der Lockdown nicht bei allen spurlos vorbeigegangen sei, sagt Silvana Moll. „Die familiären und auch schulischen Einzelprobleme werden sich erst jetzt herauskristallisieren.“ Dann sei es wichtig, dass Schulsozialarbeiter, Schule und Sozialpartner wie die Familienhilfe eng zusammenarbeiten.

„Dieses Netzwerk hat auch im Lockdown wunderbar funktioniert, da gab es keinerlei Einschnitte“, heben Berger und Knabe hervor. (mz)

Weiterführende Informationen zur Schulsozialarbeit in Dessau-Roßlau zeigt der Imagefilm „Etabliert! Verankert! Angekommen!“. Der Link zum Film: https://youtu.be/GjdwPkLV9TU