Kleingartensparte „Scheplake“

Kleingartensparte „Scheplake“ in Dessau: Brachliegende Parzelle wird zur Wildpflanzenwiese

Dessau - Kleingärtner verwandeln brachliegende Parzelle in Wildpflanzenwiese. Einheimische Gewächse sind Nahrung für Insekten und Vögel.

Von Silvia Bürkmann 25.10.2020, 13:00

Von den 65 Gärten in der Kleingartensparte „Scheplake“ in Dessau-Nord standen Anfang Oktober noch sieben leer. Im Frühjahr und Sommer hatte sich der Leerstand in der Anlage zwischen Tennisplatz und Schillerpark nach Vereinsaussage erfreulich reduziert - infolge der Corona-Krise, durch die sich wieder mehr Menschen für ein privates, grünes Refugium interessierten.

Die letzten brachen Flächen haben sich mittlerweile um weitere 300 Quadratmeter minimiert: Gartenfreunde vom KGV Schep-lake legten am zweiten Oktoberwochenende in der Scheplake einen Insektenschongarten an.

Mit finanzieller und fachlicher Unterstützung der Stiftung Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt wurde eine leerstehende Parzelle mit regionalem Saatgut begrünt. Auf dieser Wiese sollen künftig Insekten Nahrung und Schutz finden. Drei alte Obstbäume tun das ihrige dazu.

Bei der Anlage des neuen Insektenschongartens packten rund ein Dutzend Gartenfreunde mit an

„Eingesät im Schongarten haben wir jetzt 45 gebietseigene Pflanzenarten“, informiert Philipp Seeligmann. Der Dessauer hat seine Parzelle in der Scheplake, ist mit Artenschutz und -vielfalt aber auch von Berufs wegen vertraut. Am Standort Bernburg der Hochschule Anhalt hatte er die Naturschutzplanung wissenschaftlich begleitet, seit Oktober 2020 arbeitet er im Bereich Naturschutz des Bundesforstes.

Bei der Anlage des neuen Insektenschongartens packten am Wochenende rund ein Dutzend Gartenfreunde mit an, leisteten so ihre jährlich fälligen Einsatzstunden für den Verein. Sie hatten gut zu tun. So war das Wiesen-Saatgut nicht einfach auf den Boden zu streuen, sondern der alte Rasen gründlich umzubrechen.

„Und dann haben wir die gegrubberte Fläche nicht mit Gartenerde aus dem Baumarkt, sondern mit einem speziellen Füllboden aufgefüllt“, sagt Seeligmann. Denn die Erde vom Baumarkt habe zu viel Nährstoffe in sich.

Wildpflanzen wurden vom wuchernden Einheitskräutern verdrängt

„Darüber würde sich zwar der Löwenzahn ’freuen’, aber der würde auch die gewünschten regionalen Pflanzen verdrängen“, so der sachkundige Gartenfreund. So sei die ehemalige Blütenpracht der Wildpflanzen, die zahlreichen Insekten Nahrung bot, immer mehr von wuchernden Einheitskräutern verdrängt worden.

Um der Verarmung an Arten Einhalt zu gebieten und neue Nahrungshabitate für Insekten zu schaffen, dienen in der Scheplake künftig leere Parzellen als Insektenschongärten.

Für den Erfolg des Insektenschongartens von Bedeutung ist die Auswahl des Saatgutes. Wildblumen-Saatgutmischungen aus dem Baumarkt enthalten häufig einen hohen Anteil an fremdländischen oftmals einjährigen Arten, die nicht an die hiesigen klimatischen Bedingungen und den Frühjahrsbeginn angepasst sind. Daher wurde für die Einsaat im Kleingartenverein Scheplake regionales Saatgut mit VWW-Zertifizierung verwendet.

VWW steht für den Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten, der 22 Ursprungsgebiete kennt -vom nordostdeutschen Tiefland bis zu den nördlichen Kalkalpen. Die Scheplake in Dessau-Roßlau gehört zum ostdeutschen Tiefland.

Die Stiftung Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt unterstützt das Projekt

Die Gartenfreunde hoffen, dass nicht nur Insekten und Wildbienen profitieren, sondern auch andere Tierarten, die ihr Brut-, Rückzugs- und Nahrungshabitat auf der Fläche des KGV Scheplake finden. Das sind verschiedene Fledermausarten, Zauneidechsen, Igel und viele Vogelarten - vom Rotmilan bis hin zu Pirol, Kuckuck, Meise, Hänfling, Gartenrotschwanz, Stieglitz und Sperling. Um die Entwicklung der Fläche zu verfolgen, ist bis 2023 ein dreijähriges Monitoring geplant, das den Schongarten floristisch und faunistisch kartiert.

Die Stiftung Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt unterstützt das Projekt in Summe mit 450 Euro, darunter 165 Euro für regionales Saatgut. (mz)