Nach Katastrophe in Ahrweiler

„Kein Udo-Jürgens-Konzert sondern klotzen“ - Musiker Mathias Wieczorek plant zweite Hilfsour

Von Silvia Bürkmann
Der Tourbus wird zum Helfer-Bus. Zum zweiten Mal fährt der Dessau-Roßlauer Musiker Mathias Wieczorek am Montag ins Katastrohengebiet Ahrweiler in Rheinland-Pfalz.
Der Tourbus wird zum Helfer-Bus. Zum zweiten Mal fährt der Dessau-Roßlauer Musiker Mathias Wieczorek am Montag ins Katastrohengebiet Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. (Foto: Wieczorek)

Rosslau/Ahrweiler/MZ - Mathias Wieczorek ist professioneller Musiker und hat seine Stimme im Griff. Sie bricht nicht bei der Schilderung des „blanken Wahnsinns“, dessen Auswirkungen der Roßlauer mit eigenen Augen sah. Aber die Worte fehlen. In der Vorwoche war er vier Tage in Ahrweiler in Rheinland-Pfalz, um den von der Flutkatastrophe betroffenen Menschen zu helfen. Als rein „private Geschichte“ von der Selbstverständlichkeit, in so großer Not Hilfe zu leisten, wie er sagt.

In die ist der 59-Jährige aber nicht blindlings reingestürzt. Von Tag zu Tag mehr erschüttert von den Nachrichten aus dem Katastrophengebiet, hatte sich Wieczorek vor dem Start mit der örtlichen Helfer-Zentrale in Verbindung gesetzt und informiert über Örtlichkeiten und Wege. Der erste führt auf den Parkplatz vom Innovationspark Rheinland in Grafschaft-Ringen. Hier parken die Autos der Helfer und es können auf Rasenflächen auch Zelte aufgeschlagen werden. Vom Parkplatz aus startet der Shuttleverkehr mit kleinen Bussen ins Katastrophengebiet zu den Einsatzorten. Mathias Wieczorek fuhr am ersten Ferientag mit dem Wohnmobil in Richtung Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Der Camper mit der Tafel DEMW20 ist zugleich Tourbus des Musikers und fällt auf dem Parkplatz durch seine Aufschriften auf. „Niemals im Bademantel nach New York“, kündigt die Songs des unvergessenen Udo Jürgens an mit dem Konterfei von Sänger Wieczorek auf dem Heck des Wagen. Für den Dessau-Roßlauer aber steht diese Tournee unter einem anderen Motto: „Kein Udo-Jürgens-Konzert sondern klotzen“.

Musíker mathias wieszorek will  im Katastrophengebiet Ahrweiler helfen
Musíker mathias wieszorek will im Katastrophengebiet Ahrweiler helfen
(Foto: Thomas Ruttke)

Und zu klotzen ist überreichlich. Die Flut hat Häuser, Straßen, Brücken und Bahnlinien förmlich zerrissen. Meterhohe Geröll- und Dreckberge versperren die Wege. Den Menschen fehlen noch immer Strom und sauberes Wasser. „Diese Bilder bleiben einem für das ganze Leben“, ahnt Wieczorek, als er die alte Frau am offenen Fenster sieht, die nur noch weinen kann. In ihrer Wohnung türmt sich meterhoch der Schutt, sie kann aus eigener Kraft keinen einzigen Schritt tun. Der Roßlauer war der erste, der bis zu ihr gelangt war...

Vorigen Sonntag wurden nun nach starkem Regen am Samstag die Helfer abgezogen um Platz für reisige Fahrzeuge zu schaffen. Denn jetzt rückten THW und Armee mit schwerer Technik an, „um den ganzen Mist von den Straßen abzufahren wegen der möglichen Seuchengefahr. Es stinkt schon überall entsetzlich“, sagt Wieczorek.

Dennoch wird er Montag wieder ins Katastrophengebiet fahren, um in einem zweiten Schub zu helfen, die Häuser und Wohnungen zu beräumen. „Wer mitfahren will: Im Wohnmobil sind noch drei Plätze frei“, ruft der Helfer Gleichgesinnte auf, sich bei ihm zu melden. „Es wird da unten jetzt wirklich jede helfende Hand gebraucht.“

Wer Interesse hat, erreicht Mathias Wieczorek unter Tel. 034901-67489, Mobil: 01713777380