Kein Kaufanreiz

Kein Kaufanreiz: Elektro-Autos in Dessau-Roßlau floppen

Dessau - Emissionsfrei, effizient und elektrisch. Auf den ersten Blick wirken E-Autos wie Heilsbringer aus der Zukunft: die Antwort auf begrenzte Ölressourcen und stetige Abgasproduktion.

Von Magdalena Kammler

Emissionsfrei, effizient und elektrisch. Auf den ersten Blick wirken E-Autos wie Heilsbringer aus der Zukunft: die Antwort auf begrenzte Ölressourcen und stetige Abgasproduktion.

Wie attraktiv ist das E-Auto aber tatsächlich für den Otto-Normal-Verbraucher? „Mit dem Stand vom 13. September sind in der Stadt Dessau-Roßlau insgesamt 28 E-Autos zugelassen“, berichtet Pressesprecher Carsten Sauer. Trotz Bundeszuschuss von bis zu 4.000 Euro beim Kauf eines solchen Wagens bleibt die Nachfrage begrenzt.

Technik von Elektro-Autos noch nicht ausgereift

Für Jochen Wilhelm, Geschäftsführer des Tankstelleninteressenverbandes, sind vor allem zwei Faktoren für dieses geringe Interesse verantwortlich: „Die Reichweite und auch die Infrastruktur stimmen noch nicht“, so Wilhelm. Um langfristig das E-Auto auf dem Markt etablieren zu können, sollte die Leistungsfähigkeit der Batterien verbessert werden, um eine größere Reichweite zu gewährleisten. „Bisher muss man alle 200 bis 300 Kilometer das Auto wieder aufladen“, erklärt Wilhelm.

Nur wenige Aufladestationen für E-Autos

Durch diese Abhängigkeit entstehe das nächste Problem, die Infrastruktur. Denn die Ladestationen sind nicht überall verfügbar: „Es gibt viele Tankstellen in Deutschland, allerdings nur wenige Aufladestationen für E-Autos.“

Laut ADAC gab es vergangenes Jahr rund 14.200 Tankstellen im Bundesgebiet. Aufladestationen existierten zum gleichen Zeitpunkt laut dem Statistik-Portal „statista“ 3.835. Jedoch wächst das Angebot mit jedem Monat. Im September dieses Jahres waren es bereits 5452 Aufladestationen bei ungefähr gleichbleibender Tankstellenanzahl.

Kaum jemand zapft an Ladesäule der Stadtwerke

In Dessau-Roßlau gibt es eine Aufladestation, betrieben von den Stadtwerken sowie zwei weitere an Autohäusern. „Die Elektroladesäule der Stadtwerke ging im November 2012 ans Netz. Seither war die Resonanz eher verhalten“, erklärt Christian Mattke, Pressesprecher der Stadtwerke.

Den Verzicht auf fossile Brennstoffe unterstützen die Stadtwerke grundsätzlich - sie nutzen seit zwei Jahren ein E-Auto für Kurierfahrten - jedoch ist die Elektromobilität nicht unbedingt nur auf E-Fahrzeuge zu beschränken: „Deshalb sollten wir bei der Senkung der Treibhausgasemissionen unser Augenmerk auch auf vorhandene Alternativen richten, wie zum Beispiel die Nutzung von Erdgas als Kraftstoff“, so Mattke.

Aus diesem Grund setzen die Stadtwerke zunehmend auf Bioerdgas. „Wir unterhalten in unserem Fuhrpark 34 Autos und Kleintransporter sowie 17 Busse mit Erdgasantrieb.“

Wie umweltfreundlich sind E-Autos tatsächlich?

Ähnlich sieht es auch Uwe Regler vom Ford-Autohaus Geissel in Dessau: „Das E-Auto ist nur dann umweltfreundlich, wenn für die Stromgewinnung auf Atomkraft und Braunkohle verzichtet wird.“

Nachhaltiger sei die Nutzung von Grünstrom, welcher in Sachsen-Anhalt bereits zu 17 Prozent aus Windkraft gewonnen werde. Das Autohaus habe bisher keine Anfragen für E-Modelle bekommen. Bei Reparaturbedarf dürfe das Autohaus diesen auch nicht bedienen: „Da bei dem E-Auto mit Hochspannung gearbeitet wird, brauchen die Kfz-Mechaniker eine fachgerechte Fortbildung sowie einen speziellen Arbeitsbereich.“

Laut Medienberichten soll Ford bis 2020 seine Modelle zu 40 Prozent auf Elektromobilität umrüsten. Regler teilt mit, Ende November stehe eine Sitzung in Köln an, bei der der Ford-Direktor über die neuesten Entwicklungen berichten werde. Der Dessauer geht davon aus, dass die einzelnen Händler dann über die Zielsetzung und Umsetzung informiert werden. Regler selbst setzt bei der alternativen Mobilität auf die Brennstoffzellenforschung im Bereich der Wasserstoffenergie.

Dennoch ein Modell für die Zukunft

Den nachhaltigen Nutzen der Elektrofahrzeuge sieht auch der Geschäftsführer des Tankstelleninteressenverbandes kritisch. „Das 'E' klingt gut, aber wo kommt es her?“ Die Zukunft des E-Autos sieht Jochen Wilhelm dennoch nicht per se schwarz. „Tankstellen liegen gewöhnlich verkehrsgünstiger, dort sollte man daher das Angebot erweitern“, konstatiert Wilhelm. Er schätzt, dass das noch mindestens bis 2025 dauern wird.

Ein interessanter Ansatz ist für ihn das Vorgehen in Norwegen. Dort werden Dieselmotoren mit einem Hubraum über zwei Litern verboten. Konsequent statt liberal. „Aber auch ein vernünftiger Kaufpreis muss gewährleistet sein“, meint Wilhelm. Denn trotz Prämie sei das E-Auto ein teures Unterfangen. (mz)