Hotelprojekt am Schloßplatz

Hotelprojekt am Schloßplatz: Getec oder Papenburg - Das sind die Entwürfe der Bewerber

Dessau - Zwei bekannte Investoren aus Sachsen-Anhalt wollen am Dessauer Schloßplatz ein Hotel bauen. Entscheidung soll im dritten Quartal fallen.

Von Lisa Garn

Die Skizzen zeigen Bilder vom Schloßplatz, der plötzlich ganz anders wirkt. Menschen sitzen auf der Terrasse eines Cafés, flanieren vor einem Hotel, es ist Sommer und der Platz lebendig. Zwei Investoren haben vorige Woche in nicht öffentlicher Sitzung ihre Entwürfe für einen Hotelneubau auf dem Gelände der ehemaligen Berufsschule vorgestellt. Investieren wollen zwei Großfirmen: der Magdeburger Energiedienstleister Getec und das Bauunternehmen Papenburg Hochbau.

Es geht um zweistellige Millionenbeträge. Als Betreiber sollen Hotelketten gewonnen werden. Wann genau eine Entscheidung fällt, ist offen. Die Stadt plant den Verkauf des Grundstücks im Herbst. Bis dahin sollen „beide Konzepte erst einmal weiterverfolgt“ werden, heißt es auf MZ-Anfrage.

Erwartungen und Hoffnungen auf eine Neugestaltung des eher tristen Areals

Um den Schloßplatz gibt es seit Monaten Diskussionen: Die Stadt hatte dort ein Hotel ausgeschrieben. Mit diesem Impuls sind Erwartungen und Hoffnungen auf eine Neugestaltung des eher tristen Areals an der Marienkirche insgesamt verbunden. Der Schloßplatz ist das Zentrum des alten Dessau. Zuletzt hatte eine Dessauerin die Idee der Muldterrassen für den Bereich zwischen Mulde und Kirche entwickelt.

Der Getec-Bau ist in roter Ziegelstein-Optik gehalten, nimmt damit den Stil der Marienkirche auf. Der Papenburg-Entwurf soll eine moderne Interpretation des klassizistischen Baus sein, ist hell, fast in weiß gehalten. Beide Investoren wollen auch den Bereich neben der Schule bebauen, damit würde der Block mit dem Depot des Stadtarchivs weichen.

Getec will mit seinem Entwurf die Achse zum Lustgarten öffnen

„Wir öffnen die Achse zum Lustgarten“, sagt Getec-Green-Energy-Chef Chris Döhring. Der Terrassenbereich des Restaurants/Cafés im Erdgeschoss ist gegenüber dem Johannbau platziert. „So wird diese Ecke viel stärker frequentiert. Man sitzt draußen, mit dem Blick zum Johannbau und zur Mulde.“ Eine stärkere Anlehnung an die Geschichte des Platzes sei schwierig - auch aus Kostengründen. „Es wird zwar von einigen Bürgern eine Historisierung gewünscht. Das Hotel muss aber für den Gast bezahlbar bleiben. Wir sind nicht in München.“

123 Betten soll das Hotel haben. „Wir sind mit mehreren Hotelketten als Betreiber im Gespräch, mit einer renommierten sehr intensiv“, so Döhring. Dessau habe viel Potenzial: Die Hotelkapazitäten in der Stadt sind ausbaufähig, die Stadt liegt an Autobahn-Achsen A9 und A14, auch Berlin und Leipzig sind nicht weit. „Es gibt das Gartenreich, das Bauhaus, Junkers - die Stadt hat touristisch viel zu bieten.“

Die Getec-Gruppe ist eines der größten Unternehmen Sachsen-Anhalts und beschäftigt mehr als 1.100 Mitarbeiter. In den vergangenen Jahren investierte sie vor allem in Wind-, Solar- und Biogasanlagen. Hotels hat das Unternehmen beispielsweise in Magdeburg, Lüneburg und Bremen gebaut, die auch von der europaweit agierende Kette „B & B Hotels“ und Motel One betrieben werden.

Der Entwurf für Dessau sei ein Angebot, sagt Döhring. So gibt es auch eine Entwurfsvariante in hellem Grau. „Uns ist wichtig, zu wissen, was die Menschen vor Ort wollen.“ Ziel sei eine Grundsteinlegung bereits in diesem Jahr. Das Hotel solle auch Impulse setzen für die Gestaltung des Umfelds. „Wir sind für Gespräche mit anderen Eigentümern bereit.“

Papenburg möchte mit seinem Entwurf die Muldterrassen mit einbeziehen

Im Entwurf von Papenburg ist eine Mischnutzung als Hotel und für Gewerbe sowie Wohnen geplant. „Wichtig war, Ideen zu den Muldterrassen einzubeziehen, ohne allzu historisierend zu werden“, sagt Architektin Nadya Faris-Bibawi. Eine absolute Historisierung sei unwirtschaftlich, aber auch „nicht mehr zeitgemäß“. Die Platzkanten zur Marienkirche und zum Johannbau sollen geschlossen, dem Lustgarten soll „wieder ein Gesicht gegeben“ werden.

Die Fassade sei im Blick auch auf die Bauhaus-Tradition „eine Interpretation einer klassizistischen Fassade. Sie ist allumfassend, es gibt keine Rückseite.“

90 Zimmer im Hotel sollen entstehen, im Erdgeschoss befinden sich Gewerbe wie Handel oder auch Gastronomie. Der Bereich Bar/Restaurant wird an der Ecke zum Johannbau untergebracht. „Das Hotel hat die richtige Größe für eine Stadt wie Dessau“, sagt Steffen Bockisch, Projektentwickler bei Papenburg Hochbau. „Es sind weniger Zimmer, dafür aber eine garantiert hohe Auslastung.“

Die Hotelbranche orientiere sich inzwischen immer mehr in den Osten Deutschlands

Papenburg ist das größte mittelständische Bau-Unternehmen in der Region. Mehr als 3.500 Mitarbeiter beschäftigt die Gruppe bundesweit. Zwölf Hotels hat Papenburg bisher gebaut, vor allem mit „B & B Hotels“. Die Hotelbranche orientiere sich inzwischen immer mehr in den Osten Deutschlands, sagt Bockisch. „Die größeren Städte wie Dresden und Leipzig sind inzwischen überbesetzt, nun geht es um das Umland. Die Deutschen entdecken ihr Land wieder, die Übernachtungszahlen steigen.“ In den kleineren Städten aber seien die Hotels oft um die 20 Jahre alt, es habe kaum Investitionen gegeben.

Bockisch sieht ein Hotel am Schloßplatz als eine Art Katalysator für das Umfeld. „Das wird nicht sofort passieren. Aber die Erfahrung zeigt, dass ein Zeichen für alle Eigentümer am Platz gesetzt wird. Dann geht es um die Entwicklung einer Zukunftsvision. Daran wollen wir uns beteiligen.“ Die Pläne sind ambitioniert: Bekommt Papenburg den Zuschlag, soll das schon Haus 2020 eröffnen. Auch, weil das Bauunternehmen keinen Generalunternehmer suchen muss. (mz)