Hochschule trifft Händler

Hochschule trifft Händler: Angehende Designer gestalten Schaufenster in Dessau

Dessau - Angehende Designer geben Schaufenstern neues Outfit. Landei bekommt Bäume, russischer Laden Matrjoschkas, Optikergeschäft feiert mit Bauhaus.

Von Annette Gens 02.02.2019, 11:00

Kandinsky wohnt seit Mittwoch in der Johannisstraße 1. Der Bauhäusler, Maler, Grafiker steht für knallige Farben und geometrische Formen. Beides sieht man seit dieser Woche in dem Schaufenster in der Dessauer Johannisstraße.

Im Optikerfachgeschäft von Elisabeth und Manfred Heidenreich geht es ums Bauhausjubiläum, in erster Linie um trendige Brillen, präsentiert auf Regalen in geometrischen Formen und auf knallig gelben Brillen-Buddys. Optiker Heidenreich gibt es in Dessau seit 111 Jahren, das Bauhaus feiert 2019 seinen 100. Geburtstag. Gefeiert wird unter dem Motto „Bauhaus trifft Heidenreich“.

Studierende der Hochschule Anhalt geben den Schaufenstern von sechs Geschäften in der Johannisstraße und Ferdinand-von-Schill-Straße neue Gesichter. Die angehenden Designer im dritten Studiensemester gestalten im Rahmen des Orientierungsmoduls „Produktdesign“ unter Leitung von Prof. Katja Thoring sechs Blickfänge von Händlern und Gewerbetreibenden um.

Knallige Farben, frische Ideen, Bäume aus der Elbaue, Matrjoschkas und auch kleine Schultafeln

Zu sehen sind knallige Farben, frische Ideen, Bäume aus der Elbaue, überdimensionale Führerscheine, Matrjoschkas und auch kleine Schultafeln, auf denen neue Produkte angepriesen werden können. Gezeigt wird ein Regal mit der Silhouette einer Frisur. Entdecken können Passanten auch zeitlose Gestaltungselemente. Letztere wünschte sich das Blattwerk, Blumengeschäft in der Johannisstraße.

In jedem Jahr führt Katja Thoring, seit 2009 Professorin der Hochschule Anhalt, Orientierungsmodule im Bereich Produktdesign durch. Dieses Mal „hab ich mich an meinen früheren Beruf erinnert“, sagt Thoring, die eine Ausbildung als Dekorateurin absolvierte. Die Berlinerin knüpfte die ersten Kontakte ins Theater- und Johannisviertel. Dort wurde die Idee von einer Kooperation sehr begrüßt. Dass die Hochschule in die Stadt blickt und diese davon profitiert, findet nicht nur Manfred Heidenreich klasse.

Erwartungen an die Arbeiten der Studenten waren in jedem Geschäft andere

Die Erwartungen an die Arbeiten der Studenten waren in jedem Geschäft andere. Das wird deutlich, als die 18 Studierenden (in sechs Gruppen) ihre Entwürfe präsentieren. Während die Studenten im Optikergeschäft einen kulturellen Höhepunkt der Stadt aufgreifen, ging es im Regionallädchen Landei beispielsweise darum, die dort angebotenen regionalen Produkte besser zu präsentieren. In erster Linie will das Geschäft zeigen, was die Region kulinarisch zu bieten hat, welche Produkte vor Dessau-Roßlaus Haustür produziert werden.

Doch der kleine Hofladen ist mittlerweile als Suppenküche bekannt, in der täglich frisch und schmackhaft gekocht wird. „Wir haben unter anderem mit dem Ei aus dem Namen des Landeis gespielt“, schildert Studentin Vanessa Rüprich. Die Studierenden hätten sich ein halb aufgeschlagenes Riesenei - ähnlich einem Ballon, der im Schaufenster landet, vorstellen können. Seit Mittwoch dieser Woche wachsen im Landei Bäume der Elbaue mit integrierten Regalbrettern. Entstanden ist eine nette Präsentationsfläche.

In der Fahrschule united steht jetzt ein überdimensionaler Führerschein

In der Fahrschule united in der Ferdinand-von-Schill-Straße steht jetzt ein überdimensionaler Führerschein, der in der Werkstatt der Hochschule Anhalt gebaut wurde. Im Friseurgeschäft La Rubia ist noch immer die alte Bäckerei der Blickfang, aber auch das neue Regal mit dem Frisurenkopf. Und im russischen Geschäft - wie sollte es anders sein - tanzen Matrjoschkas. (mz)

Sonnabend, 2. Februar öffnet der Fachbereich Design der Hochschule Anhalt, 10 bis 16 Uhr, die Hochschultüren. Angekündigt sind Werkschauen, Präsentationen und Vorträge. Eingeladen wird auch zum Schaufenster-Rundgang. Er beginnt 14.30 Uhr an der Fahrschule United in der Schill-Straße.