Historisches Flussbad

Historisches Flussbad: Zeit der Ankündigungen vorbei - Rehsumpf vor Umbau

Dessau - Das Naturbad Rehsumpf wird in diesem Jahr endgültig saniert. Das bestätigt Detlef Bellstädt vom Vorstand des Rehsumpfvereins auf MZ-Nachfrage. „Die Skepsis mancher Menschen war doch recht groß, weil ja lange auch tatsächlich nichts passierte“, stellt Bellstädt ...

Von Danny Gitter

Das Naturbad Rehsumpf wird in diesem Jahr endgültig saniert. Das bestätigt Detlef Bellstädt vom Vorstand des Rehsumpfvereins auf MZ-Nachfrage. „Die Skepsis mancher Menschen war doch recht groß, weil ja lange auch tatsächlich nichts passierte“, stellt Bellstädt fest.

Einige Badekabinen wurden Ende 2017 abgerissen

Die Zeit der Ankündigungen ist jetzt vorbei. Nach dem mehrheitlichen Beschluss im Stadtrat im vergangenen Oktober, einen Teil der Gebäude abzureißen und den Rest zu sanieren, sind laut Bellstädt schon erste Tatsachen geschaffen worden. Bis Ende des vorigen Jahres wurden einige Gemeinschaftsanlagen und Badekabinen abgerissen. Die historischen Badekabinen, unter anderem die von Hugo Junkers, werden saniert. Auch die ehemalige Gaststätte, die zukünftig als Vereinsheim genutzt werden soll, wird erneuert.

„Die Aufträge sind ausgeschrieben. Sobald es das Wetter zulässt, beginnen die Arbeiten“, erläutert Bellstädt. Mit einem symbolischen Spatenstich will der Verein das dann feiern. Voraussichtlich Ende März, Anfang April wird es soweit sein. Bis Herbstende sollen die Sanierungen dann abgeschlossen sein.

Rund 577 000 Euro wurden der Stadt aus dem Förderprogramm zur Beseitigung von Hochwasserschäden vom Land bereitgestellt. Der Stadtrat hat die Mittel im Oktober freigegeben. Jedoch dienen sie tatsächlich nur der Beseitigung unmittelbarer Schäden, die im Rehsumpf durch das Hochwasser 2013 entstanden sind.

Verein sucht für Sanierung der Dächer noch Unterstützer

Die teils maroden Dächer der Gebäude, die erhalten bleiben, können nicht über diese Förderung saniert werden. „Parallel zu den Sanierungen werden wir als Verein uns um die Dächer kümmern“, sagt Bellstädt. Die dafür benötigten finanziellen Mittel im fünfstelligen Bereich sollen durch andere Förderungen eingeworben werden. Der Rehsumpfverein steht mit mehreren potenziellen Förderern, vor allem Stiftungen, im intensiven Kontakt. Die Aussichten tatsächlich unterstützt zu werden, sind laut Bellstädt sehr gut.

Wenn die Förderungen kommen, müsste noch ein gewisser Eigenanteil vom Verein geleistet werden. Das soll über private Spenden und Sponsoring abgedeckt werden. Zudem wollen die 28 Mitglieder des Rehsumpfvereins zusammen mit freiwilligen Helfern in mehreren Arbeitseinsätzen sich ab diesem Frühjahr auch um die Sanierung der Brücke am Steg und um die Ertüchtigung des Schweinekastens kümmern. Generationen von Dessauern haben dort das Schwimmen erlernt. Für ungeübte Schwimmer soll der Schweinekasten wieder ein sicherer Hafen werden.

Baden soll ab dem Frühjahr 2019 wieder möglich sein

Haben Rehsumpfverein und die beauftragten Handwerker alle nötigen Sanierungsarbeiten abgeschlossen, dann wird das Gelände am Ortsrand von Waldersee mit einem Pachtvertrag endgültig von der Stadt an den Verein übergeben. Wenn alles nach Plan läuft, ist der Rehsumpf spätestens ab dem Frühjahr 2019 auch wieder regelmäßig für alle interessierten Besucher offen.

Um die nötigen Unterhaltskosten zu decken, will der Verein Badekabinen vermieten, das Vereinsheim für Feiern und Veranstaltungen zur Verfügung stellen sowie einen Kiosk und Biergarten auf dem Rehsumpf-Gelände errichten.

Dass das klappt, da sind sich die Mitglieder des Rehsumpfvereins sicher. „Viele Dessauer verbinden mit dem Rehsumpf viele, meist sehr positive, Erinnerungen“, so Bellstädt. Der 59-Jährige Walderseer hat dort selbst unzählige Stunden gebadet.

Flussbadeanstalt will auch Touristen anlocken

Doch auch für Touristen soll eines der letzten historischen, noch erhaltenen Flussbadeanstalten Europas, ein Anziehungspunkt werden. Naturfreunde, Badefreudige und Kulturinteressierte sind die Zielgruppe des Vereins. Auch regelmäßige Ausstellungen will der Verein auf seinem Gelände realisieren.

Ursprünglich wollte die Stadt mit Mitteln aus dem Hochwasserfonds das Rehsumpf-Gelände komplett abreißen, weil es in einem Überflutungsgebiet liegt und jahrelang nicht mehr genutzt wurde. Im Sommer 2016 gründete sich der Rehsumpfverein und verhinderte in letzter Minute den Totalabriss. Mit dem Teilabriss und der zukünftigen vielfältigen Nutzung des Geländes sollen die Kosten für den zukünftigen Unterhalt gedeckelt werden. (mz)