Historischer Blick

Historischer Blick: Ehepaar will Geschichte des Tierschutzes in Dessau aufarbeiten

Dessau - Martina und Reinhard Spillner wollen die Geschichte des Tierschutzes in Dessau aufarbeiten und eine Chronik erstellen. Dafür brauchen sie Hilfe.

Von Sylke Kaufhold

Die Corona-Pandemie hat auch den Alltag von Martina und Reinhard Spillner gehörig durcheinander gewirbelt. Ihr „Ruhestandsprojekt“ jedenfalls muss zwangspausieren: Die beiden Tierärzte im Ruhestand wollen die Geschichte des Tierschutzes und des Tierheimes in Dessau aufarbeiten. Und hoffen, Lücken in der Chronik schließen zu können.

Seit wann gibt es eigentlich ein Tierheim in der Stadt? Und wessen Initiative war es, dass es in den 1960-er Jahren im Friedrichsgarten entstand? Das sind zum Beispiel Fragen, auf die Spillners noch keine Antwort gefunden haben. „Wenn sich jetzt darum keiner kümmert, dann geht dies für immer verloren“, begründet Martina Spillner ihr Engagement.

Sie hoffen, Zeitzeugen zu finden, die noch alte Unterlagen oder Fotos zu Hause haben oder die einfach nur erzählen können und damit ein Stück Tierschutzgeschichte lebendig machen. „Wir würden es uns anhören und das Erzählte dokumentieren“, sagt Spillner.

Vom Tierheim aber existieren nur noch sehr wenige historische Unterlagen

Im Stadtarchiv forschten sie nach Spuren, ebenso studierten sie alte noch vorhandene Chroniken. Vom Tierheim aber existieren nur noch sehr wenige Unterlagen. Beim Abriss des alten Tierheimes im Friedrichsgarten seien fast alle vernichtet worden, da sie verschimmelt waren, erzählt Martina Spillner.

Die beiden Tierärzte kamen erst 1974 nach Dessau. Während Reinhard Spillner in der Landwirtschaft tätig war, führte Martina Spillner eine eigene Kleintierpraxis und war Jahrzehnte die betreuende Tierärztin des Tierheimes. Auch wenn sie 2016 in den Ruhestand gegangen ist. „Der Tierschutz und das Tierheim liegen uns am Herzen, deren Geschichte wollen wir bewahren.“

Etliches haben sie schon herausgefunden: So fanden sie im „Anhalter Anzeiger“ in den Jahren 1927 und 1933 kleine Notizen, in denen der Tierschutz erwähnt wird. „Wir wissen, dass es schon 1927 Tierschutzvereine gab, aber wie ging es dann weiter?“, fragt Martina Spillner.

Überhaupt nichts bekannt sei über den Tierschutz im Zeitraum von 1933 bis 1945

Überhaupt nichts bekannt sei über den Tierschutz im Zeitraum von 1933 bis 1945. Vom Vorläufer des heutigen Tierschutzvereins Dessau, so die Tierärztin, habe es 1957 Bestrebungen gegeben, im Georgium ein Tierheim anzusiedeln. Spillners wissen auch, dass die erste Tierheimleiterin in den 1960-er bis 1970-er Jahren im Heim wohnte, „unter katastrophalen Bedingungen“. „Wer kann darüber mehr erzählen?“, fragen sie.

Eine fleißige Chronistin und Tierschützerin ist Erika Tisys. Sie betreut seit vielen Jahren freilebende Katzen am Tierheim. Ihre Schützlinge hat sie allesamt dokumentiert und sammelt außerdem jeden Zeitungsartikel über das Tierheim und den Verein. „Eine wahre Fundgrube“, lobt Martina Spillner. Tisys, die „Katzenmutti“ aus Leidenschaft, ist auch heute noch aktiv. Und mit ihr viele andere Tierschützer, die sich um die Tiere kümmern.

Das neue Tierheim wurde 2011 eröffnet. „Da hat die Stadt etwas richtig Gutes getan, das ist absoluter Luxus“, hebt Martina Spillner diesen Neubau hervor, mit dem die Lebensbedingungen für die Tiere und die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter erheblich verbessert wurden. Auch dies soll in der Chronik des Tierschutzes in Dessau seinen Platz finden. (mz)

Wer das Ehepaar Spillner bei seinen Bemühungen unterstützen möchte mit Dokumenten, Fotos oder Erinnerungen, der wird gebeten, sich telefonisch bei ihnen zu melden (0340/619058).