Handball-3. Liga

Handball-3. Liga : Nach Rostock-Pleite des DRHV: „Wir sind jetzt angreifbar“

Dessau - Auf einmal war sie da. Diese Situation, von der keiner mehr wusste, wie sie sich eigentlich anfühlt. Am zurückliegenden Sonntagabend musste der Dessau-Roßlauer HV zum ersten Mal seit Mitte August - damals im DHB-Pokal gegen Zweitligist TV Emsdetten - mit einer Niederlage ...

Von Tobias Grosse 04.12.2019, 10:21

Auf einmal war sie da. Diese Situation, von der keiner mehr wusste, wie sie sich eigentlich anfühlt. Am zurückliegenden Sonntagabend musste der Dessau-Roßlauer HV zum ersten Mal seit Mitte August - damals im DHB-Pokal gegen Zweitligist TV Emsdetten - mit einer Niederlage umgehen.

Nach 13 Siegen in Folge gab es im Top-Spiel der 3. Handball-Liga eine deutliche und verdiente 26:32-Pleite beim HC Empor Rostock. Es war ein Spiel, das einige Fragen offen ließ. Zehn Minuten vor dem Ende lag Dessau-Roßlau sogar noch mit neun Toren hinten.

Doch wie geht man nun um mit einer Mannschaft, die zuvor beinahe jeden Gegner dominiert hat, beim härtesten Konkurrenten im Kampf um den Titel aber klar in ihre Schranken gewiesen wurde? Auf die Spieler draufzuknüppeln, davon hält Chefcoach Uwe Jungandreas nichts. Zumal er ihnen nicht vorwerfen kann, nicht alles reingehauen zu haben.

Jungandreas: Kämpferisch kann man keine Abstriche machen

„Kämpferisch kann man keine Abstriche machen“, sagt er. Die Fehler, da ist sich Jungandreas sicher, lagen nicht am Einsatz oder an technischen Defiziten, sondern vielmehr im Kopf. „Es gibt seit einiger Zeit Konzentrations- und Fokussierungsmängel“, betont der Coach, „in Rostock hat sich das in besonderem Maße gezeigt.“

Der DRHV hatte bis Sonntagabend alle Spiele gewonnen. Teilweise in traumwandlerisch deutlicher Manier. Mit Rostock hatte das Team aber den härtesten Gegner in der Liga zu bespielen. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass nur der HC Empor und Dessau-Roßlau letztlich den Sieg in der Staffel unter sich ausmachen werden.

Die Gastgeber haben daraus ihren extremen Fokus gezogen. Der DRHV dagegen schaffte das nicht, das Team war vielmehr in einem Trott unterwegs, der gegen - bei allem Respekt - schwächere Gegner auch schon gereicht hat. „Ich glaube schon, dass es hier und da etwas Selbstüberschätzung gab“, findet Uwe Jungandreas.

Die vielen Siege und die Dominanz, die der DRHV bis Sonntag auf die Liga ausgestrahlt hat, waren zum einen natürlich schön für alle Beteiligten - und fraglos das Produkt harter Arbeit. Sie haben aber auch dafür gesorgt, dass sich unbewusst Gedanken eingeschlichen haben, die Sache könne ein Selbstläufer sein. Dazu wurde Dessau-Roßlau in den vergangenen Monaten von seinen Gegner stets als „Übermannschaft“ abgestempelt, wo man schon froh sein kann, wenn man keine zweistellige Klatsche kassiert.

Der SC Magdeburg II hatte vor dem direkten Duell in der Vorwoche davon im Vorfeld nicht gesprochen, sich in Dessau mutig präsentiert und den DRHV schon extrem gefordert. Und Rostock am Sonntagabend war noch einmal eine ganz andere Hausnummer. „Man hat gesehen, dass wir noch nicht so weit sind, wie wir gerne dargestellt werden“, erklärt Jungandreas.

Trainer Jungandreas will Spieler wieder aufrichten und sensibilisieren

Für den Trainer geht es jetzt darum, seine Spieler wieder aufzurichten und zu sensibilisieren. „Wir haben vorher alle 13 Spiele gewonnen“, betont Jungandreas, „da kann mit der einen Niederlage jetzt nicht alles schlecht sein.“ Aber das Team muss wieder über den richtigen Fokus in die spielerische Leichtigkeit finden. „Wir dürfen nicht das Selbstverständnis verlieren“, sagt Uwe Jungandreas, der um die Wirkung der erste Niederlage weiß: „Für die Gegner sind wir jetzt angreifbar.“

Der restliche Dezember könnte schon zeigen, wie weit Dessau-Roßlau wirklich ist. Denn es warten harte Aufgaben: Am nächsten Samstag das Derby gegen Bernburg, danach geht es zum Vierten Altenholz, dann kommt der Fünfte Hildesheim. „Wir müssen zusehen, dass wir uns schadlos halten“, fordert Jungandreas. (mz)