Grundstein für Synagoge Dessau

Grundstein für Synagoge in Dessau – Gemeinde-Rabbiner: „Es ist ein wichtiger Tag für uns“

Dessau - Die Jüdische Gemeinde zu Dessau hat am Freitagnachmittag in der Kantorstraße  den Grundstein für ihre neue Synagoge gelegt. Das Gotteshaus entsteht am selben Ort, an dem die alte Dessauer Synagoge am 9. November 1938 in der Reichspogromnacht durch die Nazis zerstört ...

Die Jüdische Gemeinde zu Dessau hat am Freitagnachmittag in der Kantorstraße  den Grundstein für ihre neue Synagoge gelegt. Das Gotteshaus entsteht am selben Ort, an dem die alte Dessauer Synagoge am 9. November 1938 in der Reichspogromnacht durch die Nazis zerstört wurde.

 „Es ist ein wichtiger Tag für uns heute“, sagte der Gemeinde-Rabbiner Elisha Portnoy vor den circa 350 anwesenden Gästen und ergänzte: „Es ist aber auch ein Tag, an dem wir alle ziemlich gemischte Gefühle haben.“  Portnoy spielte damit auf den antisemitisch motivierten Terrorakt auf die Jüdische Gemeinde in Halle vor wenigen Wochen an, bei dem zwei Unbeteiligte getötete wurden. Es sei kaum zu glauben, dass es immer noch Menschen in Deutschland gebe, die Juden für Böse hielten. „Das ist Anlass für uns, darüber nachzudenken, ob wir wirklich eine Zukunft in Deutschland haben“, so der Rabbiner.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff antwortete der Jüdischen Gemeinde in seinem Grußwort mit den Worten: „Sie müssen hier bleiben!“ Nur so könne das Wertesystem der Gesellschaft Bestand haben, so Haseloff. Das Judentum stehe am Anfang  auch christlicher Zivilisation und wirke bis ins Grundgesetz hinein.  Dazu gehöre auch das Verbot zu töten. „Unsere Antwort auf das Attentat in Halle ist, wir bauen zwei Synagogen“, bekräftigte der Ministerpräsident. Für den Bau einer neuen Synagoge in Magdeburg übergab er am Donnerstag ein Grundstück.

Die Dessauer Synagoge soll 2021 fertig sein. Der Bau kostet 1,7 Millionen Euro, der Bund trägt davon 700.000 Euro, Lotto Toto gibt 300.000 Euro.

Mit der Grundsteinlegung wurde zugleich den  Novemberpogromen von 1938 gedacht. Neben der Jüdischen  Gemeinde, Vertretern der Bundes- und Landesregierung, dem Deutschen Zentralrat der Juden und zahlreiche Vertretern aus Stadtrat und Verwaltung, waren auch viele Bürger gekommen. (mz/sal)