Terror in Gartensparte

Gewaltspirale in Gartensparte in Dessau: 67-jähriger Angreifer landet in Psychiatrie

Großkühnau - Nach Attacken in der Gartensparte „Eintracht“ sitzt 67-Jähriger in Psychiatrie. Laubenbesitzer fürchten weitere Angriffe nach seiner Entlassung.

Von Lisa Garn

Kehrt nun Ruhe in die Großkühnauer Gartensparte „Eintracht“ ein? Nach Gewaltattacken ist ein 67-Jähriger in eine psychiatrische Klinik zwangseingewiesen worden.

Die Zwangseinweisung hatte das Amtsgericht angeordnet, wie die MZ aus der Stadtverwaltung Dessau-Roßlau erfuhr. Die hatte sich nach Bekanntwerden der Vorgänge in der Gartenanlage mit den zuständigen Behörden abgestimmt, um die Eskalation zu beenden. Die von Laubenbesitzern geforderte langfristige Lösung gibt es zunächst aber nicht: Nach MZ-Informationen soll der Mann bis zum 20. September in der Klinik untergebracht sein.

Gegen 67-Jährigen liegen mehrere Anzeigen vor

In der „Eintracht“ hatte der Mann aus Großkühnau Angst und Schrecken verbreitet. Er soll im Juli und August mehrfach den ehemaligen Vorsitzenden Conny Freystadtl bedroht und angegriffen haben. Dessen Auto sowie die Gartenkneipe wurden zertrümmert.

Andere Laubenbesitzer wurden ebenfalls bedroht. Gegen den mutmaßlichen Angreifer liegen etliche Anzeigen vor, unter anderem wegen Bedrohung und Körperverletzung. Ursprünglich wollte der 67-Jährige das Gartenlokal als Pächter übernehmen, doch innerhalb weniger Wochen eskalierte die Situation.

Laubenbesitzer haben weiter Angst

„Auch wenn jetzt seit kurzem Ruhe ist: Die Laubenbesitzer haben weiterhin Angst“, sagt Freystadtl, der seinen Vorsitz wegen der Vorfälle abgegeben hat.

„Sobald der wieder raus kommt, wird er hier wüten. Da bin ich mir sicher. Er hat angekündigt, dass er die Lauben abbrennen will. Und er hat alle seine Taten vorher angekündigt.“ Hunderte SMS - ein Auszug liegt der MZ vor - mit wüsten Beschimpfungen und Drohungen hatte Freystadtl bekommen. „Seit dem 21. August erhalte ich keine mehr, das Handy ist ihm weggenommen worden“, sagt Freystadtl. Er will Sicherheit - für sich und die anderen Gartenbesitzer. „Er ist eine tickende Zeitbombe.“

Unterbringung in Psychatrie nur zeitlich begrenzt möglich

Das Amtsgericht in Dessau will sich auf Nachfrage zwar nicht zum Fall selbst äußern. Grundsätzlich sei die Zwangseinweisung - diese kann die zuständige Verwaltungsbehörde wie die Stadt Dessau-Roßlau oder auch ein Betreuer des Betroffenen beantragen - eine schwierige Angelegenheit, so Gerichtssprecher Frank Straube.

Denn der Freiheitsentzug ist ein schwerwiegender Eingriff in Grundrechte. „Dafür muss eine akute Eigen- oder Fremdgefährdung bestehen, die von einem Gutachter attestiert wird.

Meist ordne das Amtsgericht die Unterbringung für maximal sechs Wochen an. Der Betroffene stehe in der Klinik unter ärztlicher Betreuung und bekommt Medikamente, so Straube. „Sobald die Eigen- und Fremdgefährdung entfällt, muss er aus der Einrichtung entlassen werden.“

Sollte ein Betroffener danach weitere Straftaten begehen, kann erneut eine Einweisung angeordnet werden.

Eine dauerhafte Zwangseinweisung wird es im aktuellen Fall vorerst nicht geben. Diese setze voraus, „dass erhebliche Straftaten begangen wurden oder zu erwarten sind“, erklärt Straube. Das müsse auch durch einen Gutachter untersetzt werden.

Die aktuellen Vorgänge rund um die Gartensparte reichen dafür offenbar nicht aus. Das Amtsgericht hatte am 15. August für den 67-Jährigen eine vorläufige Betreuung „für bestimmte Aufgabenkreise“ eingerichtet. Sie vertritt den Mann bei rechtlichen Angelegenheiten.

Laubenbesitzer schließen sich ein

Die Laubenbesitzer in der Anlage „Eintracht“ können nun nur abwarten, meint Freystadtl. „Und hoffen, dass nicht noch Schlimmeres passiert. Kein schöner Zustand. Wir alle hier wollen eine friedliche Zeit in unseren Gärten verbringen. Stattdessen schließen sich viele inzwischen ein.“ (mz)