Geldgeschäfte im Mittelalter

Dessau/MZ. - "Daher stammt auch das Sprichwort etwas auf dem Kerbholz haben", erklärte Birgit Wetzel vom Museumspädagogischen Dienst ihren kleinen Zuhörern. Unter dem Thema "Handel in Dissowe" organisierte die Stadt zusammen mit dem Museum für Stadtgeschichte im Rahmen des Kinderfreizeitsommers einen erlebnisreichen Ferientag im Johannbau. Der Hort Georgengarten nutzte am Dienstag das Angebot und rückte mit 34 Ferienkindern ...

Von Gina Apitz 01.08.2006, 16:47

"Daher stammt auch das Sprichwort etwas auf dem Kerbholz haben", erklärte Birgit Wetzel vom Museumspädagogischen Dienst ihren kleinen Zuhörern. Unter dem Thema "Handel in Dissowe" organisierte die Stadt zusammen mit dem Museum für Stadtgeschichte im Rahmen des Kinderfreizeitsommers einen erlebnisreichen Ferientag im Johannbau. Der Hort Georgengarten nutzte am Dienstag das Angebot und rückte mit 34 Ferienkindern an.

Im ehemaligen Schlosshof referierte Birgit Wetzel einleitend über das mittelalterliche Dessau, das damals Dissowe genannt wurde. "Wo heute das Schloss steht, war früher eine Burg", erklärte sie den staunenden Kindern. "Sie diente als Zufluchtsort für Bauern und Handwerker", so die Geschichts-Expertin. Doch bei der Funktion der Schutzstätte blieb es nicht. Rasch entwickelten sich die Burgen zu Orten, wo gehandelt wurde. Aus dem Tauschgeschäft ging bald darauf der Geldhandel hervor.

Wie die ersten Münzen und Taler aussahen, das erfuhren die Kinder auf praktische Art und Weise. Aus Modelliermasse durften sie selbst Münzen herstellen. "Das ist ganz schön eklig", beschwerte sich die kleine Selina Schmidt, hat jedoch schon nach kurzer Zeit zwei ansehnlich runde Taler geformt. "Viel Neues" habe sie erfahren, sagt die Neunjährige und findet den Ferientag deshalb "ziemlich gut".

Damit die Münzen später nicht lose in der Tasche herumklimpern, nähte man für das selbst angefertigte Geld kleine Lederbeutel. Der Umgang mit Nadel und Faden bereitete dem einen oder anderen allerdings ganz schöne Schwierigkeiten. Doch mit Hilfe der Hortnerinnen nahm am Ende jeder einen gefüllten Beutel mit nach Hause.

Dass Arbeitsteilung Vorteile verschafft, erfuhren die Ferienkinder ebenfalls am eigenen Leib. So wurden die Bänder zum Verschnüren der Beutel von einer weiteren fleißigen Gruppe gekordelt, während an einer anderen Station die Symbole der einzelnen Zünfte richtig zugeordnet werden mussten.

Dass die Kinder über mittelalterliche Berufe schon sehr gut Bescheid wussten, stellte Birgit Wetzel mit Erstaunen fest. Die Aufgaben von Schindelmacher, Seiler und Zimmermann stellten für die Sieben- bis Zehnjährigen kein Problem dar. Nur beim Barbier war man sich nicht ganz sicher. "Braut der Bier?", fragte ein Kind schüchtern in die Runde. "Nein", erklärte Birgit Wetzel lachend. "Der schneidet Haare." Neben dem Exkurs ins Mittelalter, stand auch das heutige Dessau im Blickpunkt des Ferientages. Gemeinsam suchte man im Stadtmodell bekannte Gebäude der Muldestadt. Rathaus, Naturkundemuseum, Umweltbundesamt und Y-Häuser waren schnell gefunden. Auch das älteste Gebäude der Stadt, die Marienkirche, entdeckten die Kinder im Häusergewirr.

"Was kennt ihr denn noch?", wollte Birgit Wetzel anschließend wissen. Die Antwort kam prompt und von allen Seiten: "McDonalds!"

Die Veranstaltung im Johannbau wird am 8. / 15. und am 22. August wiederholt. Anmeldungen unter Telefon 0340 / 5 16 84 33