Gerichtsverhandlung in Dessau

Gauner aus Köthen gab sich im Internet als Frau aus und ließ sich Geld schicken

Ein Mann, der sich als „Alexandra“ tarnt, bringt sein Opfer um mehrere Hundert Euro. Der Fall landet vor Gericht und löst sich mit einem Happy End auf.

Von Thomas Steinberg
Ein Betrüger aus Köthen hat sich im Internet als eine andere Person ausgegeben (Symbolbild) (Foto: IMAGO / Ralph Peters)

Dessau/Köthen - Alexandra ist weder schlank, noch trägt sie ihre dunklen Haare lang. Alexandra lackiert sich nicht die Nägel und trägt keine Röcke. Denn obwohl sie sich im Internet als Frau ausgibt, ist die Person genau das nicht. Alexandra heißt vielmehr Peter (Name geändert), wohnt in Köthen und hat die Bilder der angeblichen Alexandra, die er im Netz veröffentlicht hat, gefälscht. Nun sitzt der Mann hinter der Figur als Angeklagter im Saal 28 des Dessauer Landgerichts.

Dort soll am Montag nicht über sexuelle Identität verhandelt werden, sondern um virtuelle, so wie sie das Internet möglich macht. Vor allem geht es jedoch um Betrug. Der Angeklagte nämlich hat sich in Geldnot befunden und sich in dieser helfen lassen, indem er sich als Frau ausgab.

Der Angeklagte hatte schon am Amtsgericht Köthen ein Geständnis abgelegt

Dafür wurde der Angeklagte vom Amtsgericht Köthen bereits zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Was ihm zu viel erschien, hielt der Staatsanwalt für zu knapp, weshalb beide Seiten in Berufung gingen und sich nun vor der nächsthöheren Instanz, dem Landgericht Dessau, wiedertrafen.

Über die Sache selbst musste man nicht mehr groß verhandeln. Der Angeklagte hatte schon am Amtsgericht Köthen ein Geständnis abgelegt. Er hat, so hält es das Köthener Urteil fest, in sozialen Netzwerken wie Facebook und dem Textnachrichtendienst Whatsapp das Leben einer Alexandra geführt. Jung, gut aussehend, sympathisch wohl auch, jedenfalls fiel ein Potsdamer auf „Alexandra-Peter“ herein. Man scherzte miteinander, wurde vertraut, und es scheint so, als habe der Potsdamer ernsthaft auf eine feste Beziehung gehofft.

Nach neun Monaten flog der Schwindel erst auf

Doch die vermeintliche Alexandra geriet in einen finanziellen Engpass, brauchte Geld, und bat ihren Internet-Freund um Hilfe. Zwei Mal schickte er je 150 Euro. Nach neun Monaten, im Januar 2020, flog der Schwindel auf.

Die 300 Euro hat der Angeklagte schnell zurückgezahlt. Und der Potsdamer? War vielleicht überrascht, aber nicht wütend auf den Liebes-Schwindel.

Am Verhandlungstag stürzt der Angeklagte wenige Minuten verspätet in den Gerichtssaal

Am Verhandlungstag stürzt der Angeklagte wenige Minuten verspätet in den Gerichtssaal. Seine Unpünktlichkeit erklärt er mit dem Stau, in dem der Potsdamer Zeuge auf dem Weg zur Verhandlung stecke. Der nämlich habe ihn, den Angeklagten, abholen wollen. „Wir haben einen guten freundschaftlichen Kontakt“, lässt der Angeklagte den staunenden Richter wissen.

Als man sich schließlich darauf einigt, die Berufungen zurückzunehmen und das Urteil rechtskräftig werden zu lassen, wird der Zeuge nicht mehr benötigt. Ihn zu informieren, überlässt der Richter Alexandra. Oder Peter. (mz)