Bauhaus und Meisterhäuser

Frank Machalowski zeigt Standardmotive aus Dessau - aber ganz anders

Mit Fotos vom Bauhaus räumt Frank Machalowski einen renommierten Branchenpreis ab. Sein Geheimnis: Das Gewöhnliche außergewöhnlich zeigen.

Von Thomas Steinberg
Frank Machalowskis Fotografien lassen die Meisterhäuser in einer ungewöhnlichen Art und Weise wirken. (Foto: Frank Machalowski)

Dessau - Frank Machalowski macht, was viele Touristen machen: Steht vor den Meisterhäusern oder dem Bauhaus und fotografiert, was schon abertausende Male abgelichtet worden ist, von immer den gleichen Punkten und aus den immer gleichen, vermeintlich originellen Perspektiven.

Der 49-Jährige fällt im Grunde nicht weiter auf, es sei denn, man richtet die Aufmerksamkeit auf seine Kamera. Denn in den Händen hält er weder Smartphone noch eine Hightech-Digitalkamera, sondern entweder eine alte Adox, wie sie für wenige Euro bei eBay zu ersteigern ist, oder eine sehr teure Hasselblad. Beide sind mit Film bestückte Mittelformatkameras, die Negative im Format sechs mal sechs Zentimeter belichten.

2021 wurden 330.000 Bilder eingereicht, darunter 145.000 im Profibereich

Das Ergebnis seiner Arbeit in Dessau hat ihm jetzt den 2. Platz in der Kategorie „Architektur“ bei den „Sony World Photography Awards 2021“ eingebracht. Der Wettbewerb ist der größte seiner Art: 2021 wurden 330.000 Bilder eingereicht, darunter 145.000 im Profibereich. Acht davon stammen vom in Leipzig lebenden Machalowski.

Warum er Erfolg hatte? „Was ausschlaggebend war, weiß ich nicht“, gesteht der Fotograf. Anders als beim „World Press Photo of the Year“, wo jedes Bild auf Manipulation geprüft wird und enge Grenzen für die Bildbearbeitung gelten, sind beim Sony Award fotografische Experimente willkommen. Und Machalowskis Fotos geben gar nicht erst vor, irgendeine Wirklichkeit abzubilden. Denn er löst die Gebäude in geometrische Strukturen auf. Er nutzt dazu eine alte Technik: Mehrfachbelichtungen, bei denen sich mehrere Bilder überlagern. Für jedes Bild brauche es dabei mehrere Versuche mit geschätzt zehn Aufnahmen, erklärt Machalowski.

Frank Machalowski Meisterhaus
(Foto: Frank Machalowski)

Anders als mit digitaler Technik kann Machalowski das Ergebnis nicht vor Ort kontrollieren

Die besondere Herausforderung: Anders als mit digitaler Technik kann Machalowski das Ergebnis nicht vor Ort kontrollieren, muss auf seine Erfahrung vertrauen, das alles passt und schauen, was am Ende aus der Entwicklerdose kommt. Die Negative scannt er und verarbeitet sie dann digital weiter; sie in der Dunkelkammer zu vergrößern ist ihm zu aufwendig.

Machalowski arbeitet nur in Schwarz-Weiß weil es ihm besser gefällt als Farbe und der Film ungleich leichter im Labor zu handhaben ist. Und warum Film? Weil man, so sagt er, wegen der beschränkten Bilderzahl vor dem Auslösen gezwungen ist, genauer hinzusehen.

Im Unterschied zu seinen sonstigen Architekturaufnahmen abstrahiert die Bauhausserie die Gebäude stark, manche sind erst auf den zweiten Blick zu identifizieren. Sie sind so gesehen das Gegenteil der Touri-Bilder, die nichts anderes sein wollen als der schlichte Beleg, vor Ort gewesen zu sein.

Frank Machalowski Meisterhaus
(Foto: Frank Machalowski)

Seine Bauhaus-Serie hat nicht unmittelbar mit dem Jubiläum 2019 zu tun

Machalowski ist kein gelernter oder gar studierter Fotograf, die handwerklichen Grundlagen hat ihm sein Vater beigebracht. „Wir hatten im Keller eine Dunkelkammer.“ Jahrelang blieb die Fotografie Hobby, bis er sich, damals noch in Berlin lebend und als Wirtschaftsberater arbeitend, entschloss, sich selbstständig zu machen. Das war 2011. Die Ernüchterung folgte alsbald: „Ich habe es mir sehr viel einfacher vorgestellt, einen Bekanntheitsgrad zu erlangen, damit die Leute Sachen kaufen, wo mein Name draufsteht. Seit zwei Jahren lohnt es sich. Es gibt einen gewissen Käuferstamm.“

Seine Bauhaus-Serie hat übrigens nicht unmittelbar mit dem Jubiläum 2019 zu tun. Machalowski war 2017 zum ersten Mal in Dessau, und dann 2018 und 2020. Eine kluge Entscheidung: 2019 wären ihm zu viel Leute vor der Linse herumgelaufen. (mz)

Das Bauhaus wirkt durch die Mehrfachbeleichtung durchsichtig und leicht.
(Foto: Frank Machalowski)