Innenstadt soll attraktiver werdenFörderprogramm „Aktive Stadt-und Ortsteilzentren“: Dessau will 175.000 Euro loswerden

Dessau - Kein Geld zu haben, ist eine schwierige Situation. Aber Geld zu haben und es ausgeben zu müssen, kann ebenso problematisch sein. Der Verfügungsfonds ist so ein Beispiel.

Von Sylke Kaufhold 17.06.2017, 12:00

Kein Geld zu haben, ist eine schwierige Situation. Aber Geld zu haben und es ausgeben zu müssen, kann ebenso problematisch sein. Der Verfügungsfonds ist so ein Beispiel.

Aufgelegt wurde er, um die Innenstadt attraktiver zu gestalten und damit lebendiger zu machen. Anfangs galt der Fonds nur für die Zerbster Straße, seit diesem Jahr wurde der Geltungsbereich per Stadtratsbeschluss auf die gesamte Innenstadt erweitert.

Im September 2010 war die Stadt in das landesweite Förderprogramm „Aktive Stadt-und Ortsteilzentren“ aufgenommen und mit dem Verfügungsfonds ausgestattet worden.

Die Hälfte des Fonds ist noch übrig

350.000 Euro stehen insgesamt bereit. Erst die Hälfte ist seit 2010 ausgegeben worden. „Es ist uns nicht gelungen, das Projekt zeitnah umzusetzen und öffentlichkeitswirksam zu platzieren“, schätzt Carsten Reinsdorf, amtierender Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung, selbstkritisch ein.

Die Gründe dafür sieht er größtenteils in der Verwaltung selbst. Zu oft hätten Zuständigkeiten gewechselt. Seit August 2016 zeichnet sich das Wirtschaftsamt für den Fonds verantwortlich.

Viele leere Versprechungen

Dabei hatte es vielversprechend angefangen. Der Citynetverband hatte 2011 einen Maßnahmekatalog für die Zerbster Straße erarbeitet, der mit Hilfe des Verfügungsfonds umgesetzt werden sollte.

Einheitliche Blumenkübel, ein Logo für die Zerbster Straße, einheitliche Regenschirme als Werbemittel oder die Realisierung der Stadtmöbel-Ideen der Studenten der Hochschule Anhalt waren vorgeschlagen und an das Amt für Wirtschaftsförderung übergeben.

Pläne wurden nicht umgesetzt

Eine Richtlinie zur Anwendung des Verfügungsfonds verabschiedete der Stadtrat 2012. Das Jahr 2013 sollte dann das große Jahr für die Zerbster Straße werden, die Arbeit mit dem Verfügungsfonds an erster Stelle der Prioritätenliste stehen. So hatte es die damalige Amtsleiterin Andrea Gebhardt angekündigt.

Passiert ist nichts. Lediglich die DWG hatte mit Hilfe des Verfügungsfonds die Erker ihrer Wohnhäuser in der Flaniermeile saniert.

Stadt will das Geld loswerden

Insgesamt sind bisher vier Investitionsmaßnahmen mit dem Fondsgeldern cofinanziert worden, so die Einrichtung des freien W-LAN und Markisen am Cafe Hilde, dem Friseur Heinicke, Grillrestaurant Mangal und McDonald’s in der Kavalierstraße.

Drei Anfragen auf Bereitstellung von Mitteln liegen vor, die Entscheidung liegt beim Lenkungsgremium. „175.000 Euro sind noch im Topf, die möchten wir so schnell wie möglich loswerden“, ermuntert Carsten Reinsdorf zur Antragstellung.

Neue Förderung soll beantragt werden

Sowie diese aufgebraucht sind, will die Stadt erneut Mittel beantragen. „Möglichst nahtlos für 2018“, soll das passieren. „Auf diese Weise könnten wir kontinuierlich etwas für unsere Innenstadt tun.“

Vorausgesetzt, die Privatwirtschaft ist willens und in der Lage, jeden Fördereuro mit einem eigenen Euro zu ergänzen und damit die Förderbedingungen zu erfüllen.

Einfache Antragsstellung

Die Antragstellung sei relativ einfach, umfasse lediglich die Projektbeschreibung nebst drei Kostenangeboten. Innerhalb von acht Wochen entscheidet das Lenkungsgremium.

„Gezielt und intensiv“ will das Amt für Wirtschaftsförderung nach der Sommerpause für den Verfügungsfonds werben und informieren, auch noch einmal Kontakt zum Citynetverband aufnehmen. Dann, hofft Reinsdorf, werde das akute Personalproblem gelöst sein. (mz)