Die ersten Störche sind schon da

Die ersten Störche in Dessau sind schon da: „Der große Schwung kommt erst noch“

Rietzmeck - In Rietzmeck ist die Freude über das Ankommen des Storchenpaares groß. Warum aber der Großteil der Adebare nicht vor Ende März einfliegen wird.

Von Heidi Thiemann 12.03.2017, 13:00

„Die ersten Frühlingsboten sind in Rietzmeck eingetroffen“, freut sich Edda Bahr über die Ankunft des Storchenpaares. Früher als letztes Jahr flogen die Adebare ein. „Am 25. Februar kam der Storch, ein paar Tage später kam die Storchenfrau“, berichtet Bahr und schickt der MZ das Foto des Paares hoch oben im Storchenhorst.

„Der große Schwung kommt erst noch“ - aber nicht vor Ende März

Hat das Storchenjahr 2017 schon sehr zeitig begonnen? Und sind andernorts die Störche auch schon da? Storchenexperte Michael Kaatz von der Vogelwarte Storchenhof Loburg sagt: „Auch in Loburg, im Bereich Drömling und in Werben sind erste Störche gemeldet worden. Doch der große Schwung kommt erst noch.“

Vor Ende März rechnet der Leiter der Vogelschutzwarte aber nicht damit. Denn Störche, die jetzt aus ihrem Winterquartier wieder in Sachsen-Anhalt gelandet sind, überwintern in Spanien. Das sind die so genannten Westzieher. Die machen aber nur rund zehn Prozent aller Störche im Land aus.

Die Ostzieher hingegen, die aus Afrika, über Israel und die Türkei kommen, haben noch eine lange Strecke vor sich. „Sie sind zum Teil noch tief in Afrika“, erklärt Kaatz.

Storch Albert von Lotto lässt noch auf sich warten

„Auch Albert von Lotto, auf den wir warten.“ Albert, der auf dem Haupthorst des Storchenhofs seit 2010 mit Mina brütet, trägt wie drei andere Störche des Storchenhofs einen Sender, mit dem ihre Position genau verfolgt werden kann. Allerdings scheint sich Albert gerade in einem Funkloch zu befinden.

Auch beim Zug in die warmen Gefilde im Herbst gab es eine Datenpause, ebenso, als als er im vorigen Jahr nach Loburg zurückkehrte. Funkstille herrschte 1.300 Kilometer lang bei der Durchquerung von Sambia und Tansania. „Aber dass es in diesem Jahr ebenfalls so ist, ist noch reine Spekulation“, heißt es dazu auf der Internetseite des Storchenhofs, wo Alberts Zug mitverfolgt werden kann.

Im vergangenen Jahr wurden 575 Storchenpaare in Sachsen-Anhalt gezählt

Wie viele Storchenpaare in diesem Jahr in Sachsen-Anhalt brüten werden, kann Kaatz noch nicht absehen. Im vergangenen Jahr wurden 575 Paare gezählt, 2015 waren es dagegen noch 626.

Es gab auch weniger Nachwuchs: Die Storchenpaare brüteten 963 Jungstörche aus, im Jahr davor 1.241. „Für die ostziehenden Störche war 2016 ein Störungsjahr“, stellt er fest.

Denn sie kamen sehr spät aus ihren Winterquartieren zurück. Das hing mit der langen Trockenheit in Südostafrika zusammen. Danach mussten sie hier erst ihre Nester bauen und konnten erst spät brüten. Störungsjahre kämen im Durchschnitt aller sieben Jahre vor und seien nichts Ungewöhnliches, so Kaatz. Erst wenn mehrere solcher Jahre aufeinanderfolgen, werde es kritisch.

Nun heißt es abwarten, wann und wie viele Ostzieher ihre Nester anfliegen. Nicht nur Edda Bahr wartet dann darauf, dass es bald Nachwuchs gibt. Besuch vom Storchen-Beringer werden die Jungen auch in diesem Jahr bekommen.

Nach dem Tod des Dessauer Storchenenthusiasten Horst Graff im vorigen Jahr, so Kaatz, wird die Tradition fortgeführt: „In Dessau gibt es eine gute Ornithologengruppe“. (mz)

Der Storchenhof im Internet: www.storchenhof-loburg.de