Dessauer Innenstadt

Dessauer Innenstadt: Zerbster Straße lädt nicht zum Flanieren ein

Dessau - Freitagabend, Kürbisnacht, voller Marktplatz, volle Zerbster Straße. In diesem Glanz lässt es sich auch für Angela Luft von der Stadtmarketinggesellschaft aushalten.

Von Danny Gitter 01.11.2016, 07:00

Freitagabend, Kürbisnacht, voller Marktplatz, volle Zerbster Straße. In diesem Glanz lässt es sich auch für Angela Luft von der Stadtmarketinggesellschaft aushalten.

Dessauer Innenstadt: Flaniermeile durch Förderung attraktiver machen

Angesprochen auf das Danach, auf den Alltag in der Zerbster Straße, wenn das Fest vorbei und die letzte Attraktion wieder verstaut ist, wird die Frau aus dem Rathaus etwas schmallippiger.

„Am liebsten würde ich dazu gar nichts sagen, weil man bei diesem Thema immer einen auf die Mütze kriegt“, so Luft. Sie spricht dann doch kurz darüber und erzählt, dass die Stadt für die Flaniermeile zwischen Rathaus und katholischer Kirche im Rahmen ihrer Möglichkeiten schon Einiges tut.

Ein Verfügungsfonds für die Entwicklung der Straße ist schon seit vier Jahren aktiviert. Mit einer öffentlichen Förderung von 50 Prozent können die Gewerbetreibenden ihre Geschäfte und das unmittelbare Umfeld attraktiver machen. Nach Auskunft von Luft haben der Friseur Heinicke und das Café Hilde daraus neue Markisen finanziert.

Dessau wünscht sich einen City-Manager

Viel Geld bleibe aber im Fonds liegen. „Es braucht so etwas wie einen Kümmerer“, konstatiert die Frau vom Stadtmarketing. Es braucht einen, der ständig im Kontakt mit den Gewerbetreibenden ist, der weiß, wo der Schuh drückt, der Konzepte zur Belebung, nicht nur der Zerbster Straße, sondern der gesamten Innenstadt hat. City-Manager nennt man so jemanden. Auch in Dessau war er schon immer mal im Gespräch. Jetzt läuft wieder ein Antrag auf Fördergelder für so eine Stelle. Im November soll die Stadt erfahren, ob es diesmal eine Bewilligung gibt.

„Wir als Stadtmarketing können das nicht leisten“, verdeutlicht Luft. Weder die Zeit, noch das Personal oder die Zuständigkeit hätten sie dafür. Um ein gutes Image der Stadt für Investoren, für Touristen und potenzielle Fachkräfte sollen und wollen sie sich als Stadtmarketinggesellschaft kümmern. Sollte die Bewilligung für den City-Manager nicht kommen, dann wäre es wie bisher Aufgabe der Gewerbetreibenden in der Zerbster Straße selbst für eine attraktive Flaniermeile zu sorgen.

Zerbster Straße: Kürbnisnacht lockt Besucher an

Zu besonderen Anlässen, wie der Kürbisnacht am vergangenen Freitag, gelingt das. Sonst sieht es eher mau aus. Warum das so ist, kann sich auch Elke Fuß, die Käsefachhändlerin in der Straße, nicht erklären. „Der Platz ist ansprechend gepflastert, die Fassaden ordentlich saniert. Es spricht doch eigentlich nichts dagegen, hier langzugehen“, stellt die Geschäftsfrau fest.

Jahrelang hat die Gräfenhainicherin im Rathauscenter Käse verkauft. Dann lief der Mietvertrag aus. Seit dem 1. Dezember 2015 verkauft sie in der Zerbster Straße weiter. „Meine Stammkunden von drüben sind mit umgezogen. Durch den neuen Standort habe ich auch neue Kundschaft bekommen“, ist Fuß mit ihrem Umzug zufrieden.

Im Sommer hat sie beobachtet, wie vor allem Fahrradtouristen in der Zerbster Straße auch länger verweilen. Warum das bei den Einheimischen nicht so klappt? Sie zuckt mit den Schultern. „Vielleicht ist das alles zu alltäglich und zu selbstverständlich“, mutmaßt Fuß.

Laufkundschaft treibt es selten in die Zerbster Straße

Auf der anderen Straßenseite kann Beate Heinrich, die Mitinhaberin des Juweliergeschäfts, einige Gründe nennen, warum die Zerbster Straße in Sachen Attraktivität noch viel Luft nach oben hat. Unattraktive Beleuchtung jenseits des Marktplatzes, zu viel Bürokratie bei der Gestaltung der Flächen vor den Läden, Leerstand und noch vieles mehr.

„Die Straße wird auch zu wenig als Einkaufsstraße wahrgenommen“, stellt Heinrich fest. Der Grund ist für sie klar. „Am Ende der Straße fehlt ein attraktiver Gegenpol zum Rathaus-Center, der die Leute motiviert hier durchzugehen“, sagt die Juwelierin. Eine Ertüchtigung des Kristallpalastes wäre ihrer Meinung nach eine große Hilfe. Laufkundschaft kommt kaum in ihr Geschäft. Die Kunden kommen ganz gezielt zu ihr.

Frisör Oliver Heinicke: Fast alles Stammkunden

Das trifft auch auf den Frisörsalon von Oliver Heinicke zu. „Vielleicht ein Prozent Laufkundschaft haben wir“, resümiert der Inhaber. Fast alle seien Stammkunden aus einem Umkreis von bis zu 50 Kilometern.

Gründe, durch die Zerbster Straße zu bummeln, sieht er wenige. Ein attraktiver Branchenmix mit Geschäften und Dienstleistungen, die es im Rathauscenter nicht gibt, das wäre für Heinicke ein Grund, hier zu flanieren. Dann hält er eine ähnliche Belebung des Marktplatzes wie in Wittenberg durchaus für möglich. „Daran müssen wir zusammen mit dem Vermieter, der DWG, arbeiten“, sagt der Friseur, der auch im Vorstand des Citynet-Verbandes aktiv ist.

Einen City-Manager braucht es seiner Meinung nach nicht unbedingt, sondern mehr Engagement der einzelnen Händler, um sich und ihr Umfeld attraktiver für die Kunden zu machen.

(mz)