Bauwerk bekommt finanzielle Hilfe

Dessauer Bauwerk bekommt finanzielle Hilfe: Treppe und Dach des Ionischen Tempels werden saniert

Dessau - Der Ionische Tempel erhält nicht nur eine sanierte Treppenanlage. Repariert wird auch ein Loch im Dach, durch das es regnete.

Von Annette Gens

Die Säulen sind vom Wetter gezeichnet. Die Treppenanlage war zuletzt eine Katastrophe, denn die Stufen wackelten. Und das Dach ist undicht. Die einzelnen Stufen sind inzwischen ausgebaut und im Baufeld der Reihe nach ausgelegt.

Momentan sind Handwerker dabei, die Schalung für einen Bodenanker zu setzen, um der neuen, sanierten Treppenanlage einen sicheren Stand zu ermöglichen.

Die Rede ist vom Ionischen Tempel im Dessauer Georgengarten. Lange schon bereitet der Zustand des markanten Bauwerks in der Stadtverwaltung Sorgen. Nur mangelte es dort für Reparaturen bisher an Geld. Dank Land (32.000 Euro) und Lotto-Toto Sachsen-Anhalt (15.000 Euro) und auch der Stadtschatulle (18.000 Euro) können jetzt zumindest die wichtigsten Schäden beseitigt werden.

Die Bauarbeiten werden voraussichtlich acht Wochen in Anspruch nehmen

Seit wenigen Tagen sind Handwerker einer Magdeburger Firma dabei, den im 18. Jahrhundert auf einem künstlichen Hügel angelegten Tempel zu reparieren. Dazu wurde im Georgengarten eine kleine Baustraße verlegt und das gesamte Baufeld eingezäumt. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich acht Wochen in Anspruch nehmen, sagte Dessau-Roßlaus Baudezernentin Christiane Schlonski und wertet die Reparaturen als Schritt, wieder etwas für den Georgengarten mit Welterbestatus tun zu können.

Doch leider habe das Geld nicht für die Farbgebung des Tempels und für die Beseitigung der Witterungsspuren an den Säulen gereicht. Es wird deshalb - wenn wieder Geld vorhanden ist - einen zweiten Bauabschnitt geben. Fünfstellig muss der Betrag sein, der dazu benötigt wird.

Kaum jemand weiß, das der Ionische Tempel mit seinen zehn Säulen ein ganz besonderer ist, erinnerte Prof. Engelbert Seeber, Vorsitzender des Fördervereins Anhaltische Gemäldegalerie und Georgengarten. Im 18. Jahrhundert wurde er angelegt. Ab 1780 ließ Prinz Johann Georg, jüngerer Bruder des Fürsten Franz, in einem Auenbruchwald ein klassisches Landhaus errichten, das heute als Schloss Georgium bezeichnet wird. Zu den wichtigsten Bauwerken im Park gehört neben dem Fremdenhaus und zwei Nachbildungen antiker Torbögen unter anderem der markante Rundtempel.

„Der Dessauer Tempel wurde von vielen Gartenarchitekten zum Vorbild genommen“

Das Bauwerk ist laut Seeber älter als der berühmte Flora-Tempel im Wörlitzer Park. Und auch viel älter als der Tempel im englischen Garten von München, der 1837 eingeweiht wurde. „Der Dessauer Tempel wurde von vielen Gartenarchitekten zum Vorbild zur Parkgestaltung genommen. Soweit überliefert, ist er der erste nach antikem Vorbild geschaffene Monopteros.“

Zweimal - 1950 und 1982 - wurde der Tempel saniert. Dabei wurde die Dachform verändert. Die Kuppel war ursprünglich abgeflacht. Diesen originalen Zustand wieder herzustellen, scheitert nicht nur am Geld. Die alten Garten- und Baupläne sind nicht mehr vorhanden. Trotzdem gibt es Hoffnung: In der grafischen Sammlung der Anhaltischen Gemäldegalerie befindet sich eine Entwurfszeichnung des Tempels, die von Baumeister Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff stammt. Von deren Existenz weiß das Baudezernat seit Mittwoch. (mz)