Die Freude überwiegt

Dessauer Adventsmarkt: Wie sieht ein Marktbummel unter 3G-Regeln aus?

Der Adventsmarkt öffnete seine Tore. Der Marktbummel unter 3G-Regeln findet bei den meisten Besuchern Verständnis. Das Testmobil ändert nochmal den Standort.

Von Sylke Kaufhold 23.11.2021, 10:22
Gedränge war am ersten Tag des Dessauer Weihnachtsmarktes kein Problem. Trotzdem zeigte die Polizei Präsenz.
Gedränge war am ersten Tag des Dessauer Weihnachtsmarktes kein Problem. Trotzdem zeigte die Polizei Präsenz. (Foto: Lutz Sebastian)

Dessau/MZ - Stolz hält Heli ihren Luftballon in die Höhe. Jetzt will sie schnell zum Karussell und dort eine Runde drehen. Vielleicht erlaubt die Oma ja auch zwei oder drei? Die Dreijährige blickt staunend in die vielen Lichter, die immer mehr werden, je dunkler es wird.

Der Dessauer Weihnachtsmarkt öffnete am Montag seine Tore. Im wahrsten Wortsinn, denn aufgrund der Coronalage findet der Markt unter der 3G-Regelung statt. Kontrolliert werden die entsprechenden Nachweise an drei Eingängen, die sich am Rathauscenter, am Ratskeller sowie nördlich in Nähe des Kartoffelhauses befinden. Heli war mit ihrer Oma Ute Heidenreich gekommen.

„Wer weiß, wie lang er auf sein darf“

„Wir haben gleich den ersten Tag ausgenutzt, denn wer weiß, wie lang er auf sein darf“, sagt diese. Dass Dessau als eine von wenigen Städten einen Adventsmarkt hat, freut sie sehr. „Das bringt wenigstens ein bisschen Abwechslung.“ Ganz glücklich ist Ute Heidenreich mit den Beschränkungen für Ungeimpfte allerdings nicht. Sie findet es zu hart, denn „die Geimpften sind doch auch ansteckend.“

Am Nachmittag füllt sich der Markt. Doch Gedränge gibt es nicht. Und dürfte es auch kaum geben, wenn die Besucherzahl steigt. Denn die Buden sind so weit auseinandergezogen, dass viel Platz da ist, Abstand zu halten. Die ersten Glühweintrinker müssen sich darüber keine Gedanken machen. Sie finden auch in der Hütte bequem Plätze. Wenn sie denn auch hier noch einmal ihren Impf- oder Genesenenstatus vorgezeigt haben. „Bisher gab es kein Problem damit“, versichern die Mitarbeiterinnen am Tresen.

Auch Schausteller sind Glücklich überhaupt auf einem Markt präsent sein zu dürfen

Die Zerbster Familie Sandner ist mit ihrer fünfjährigen Tochter in Dessau zu Besuch. Sie seien sehr froh, dass überhaupt etwas stattfindet, das die Vorweihnachtszeit ein bisschen schöner macht. „Und wenn man das Leuchten der Kinderaugen sehe, muss man nicht fragen, ob es richtig ist“, findet der Papa.

Auch Schausteller Falko Schönemann strahlt und freut sich über jeden, der bei ihm Bälle auf Blechdosen wirft, um etwas zu gewinnen. „Wenn der Markt weggebrochen wäre, das wäre sehr sehr schlecht gewesen für uns“, sagt er. „Ich muss ja meine Familie ernähren und Hilfe vom Staat habe ich nicht bekommen, weil ich die Firma erst seit 2018 habe. Das ist zu kurz, da falle ich aus allem raus.“ Verstehen kann der junge Vater diese Logik nicht. Auch seine Frau Angelika, die mit dem zweijährigen Söhnchen vorbeischaut, ist froh, dass der Markt öffnen konnte. „Lieber 3G als gar kein Markt, so können ja alle kommen.“

Geplant ist der Budenzauber bis zum 23. Dezember - ob das klappt?

Die Stimmung vor und in den Buden ist an diesem ersten Weihnachtsmarkt-Tag gut. „Wir sind am ersten Tag gut gestartet“, findet Astrid Lier, die Schwibbögen und Räuchermännchen verkauft. „Wir Händler sind alle sehr erleichtert, dass der Markt stattfindet“, sagt sie. Und die Besucher freuen sich über eine schöne Abwechslung. „Sie drücken nun alle die Daumen, dass der Markt eine Weile offen bleiben kann.“ Dass es wie geplant bis zum 23. Dezember Budenzauber geben wird, daran hat auch Astrid Lier Zweifel. „Deshalb machen wir das Beste draus, solange es noch geht.“

Den schwierigsten Job haben wohl die Mitarbeiter der Securityfirma Rolin an den drei Eingängen zu meistern. Im Großen und Ganzen sei die Einsicht da und zeigten die Leute unaufgefordert ihre Dokumente, berichtet ein Mitarbeiter, der seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen will. Aber es gibt auch einige, da läuft es nicht, „die beschimpfen uns und werden laut.“ Natürlich tue es ihm auch leid, wenn eine Familie mit kleinem Kind nicht reingelassen werden kann, weil die Eltern weder geimpft noch getestet sind oder einen Selbsttest vorlegen. „Die dürfen wir nicht akzeptieren.“ Für Mehrfachbesuche an einem Tag soll es künftig Stempel auf die Hand geben, kündigt Marktchef Dirk Merkel an.

Geholpert hat der Start des Testmobils ein wenig. Apotheker Martin Grünthal hatte es 16 Uhr an der Marienkirche positioniert. Dort gab es aber, entgegen der Absprache, keinen Eingang, so dass es dort im Abseits stand. „Das werden wir ab morgen ändern und auf die andere Seite ziehen“, reagierte er schnell. Das Testmobil steht täglich von 16 bis 19 Uhr am Weihnachtsmarkt, freitags und samstags bis 20 Uhr.