Tagessatz von 1.428 Euro

Dessau: Krisenberater soll überforderter Bauhaus-Führung beistehen

Magdeburg - Dirk Popp hält sich zugute, schon manches PR-Desaster ausgebügelt zu haben. Etwa, als ein Fernsehsender vor vier Jahren über ekelerregende Zustände bei Burger King berichtete. Popp kann solche Berichte nicht abstellen - sein Job ist es, Konzerne über die richtige Reaktion zu beraten. Einen echten Krisen-Klienten hat Popp jetzt wieder: das Bauhaus in Dessau. Dessen Direktorin Claudia Perren hatte vor drei Wochen der Punkband Feine Sahne Fischfilet den Stuhl vor die Tür gesetzt, unter anderem mit der Begründung, das Bauhaus sei eine unpolitische Einrichtung. Bundesweit hagelte es Protest. Dieser Situation fühlte sich Perren offenkundig nicht ...

Von Hagen Eichler
Claudia Perren
Claudia Perren dpa-Zentralbild

Dirk Popp hält sich zugute, schon manches PR-Desaster ausgebügelt zu haben. Etwa, als ein Fernsehsender vor vier Jahren über ekelerregende Zustände bei Burger King berichtete. Popp kann solche Berichte nicht abstellen - sein Job ist es, Konzerne über die richtige Reaktion zu beraten. Einen echten Krisen-Klienten hat Popp jetzt wieder: das Bauhaus in Dessau. Dessen Direktorin Claudia Perren hatte vor drei Wochen der Punkband Feine Sahne Fischfilet den Stuhl vor die Tür gesetzt, unter anderem mit der Begründung, das Bauhaus sei eine unpolitische Einrichtung. Bundesweit hagelte es Protest. Dieser Situation fühlte sich Perren offenkundig nicht gewachsen.

Bauhaus in Dessau: Bund der Steuerzahler reagiert erstaunt

Für einen Tagessatz von 1.428 Euro soll Popp nun das Bauhaus in günstigerem Licht erscheinen lassen. Mit zehn bis 15 Tagen Einsatz kalkuliert Perren, das macht ein Honorar von bis zu 21.400 Euro brutto, zuzüglich 500 Euro Reisekosten und Spesen. Diese Summen zeigt eine Aufstellung, die Perren am Mittwoch dem Stiftungsrat vorgelegt hat. Zusätzlich schlägt der Einsatz eines zeitweise einspringenden Pressesprechers zu Buche, für ihn ist ein Tageshonorar von 714 Euro vorgesehen, Maximalsumme: 4.284 Euro.

Der Bund der Steuerzahler reagiert erstaunt auf das Anheuern des PR-Experten. Dessen Tagessätze seien grundsätzlich nicht unüblich, sagte Vorstandsmitglied Ralf Seibicke. „Aber eigentlich müsste man davon ausgehen, dass die Verantwortlichen im Bauhaus in der Lage sind, auch eine schwierige Situation ohne externe Hilfe zu bestehen.“

Bauhaus in Dessau geht auf MZ-Nachfrage auf Tauchstation

Das Bauhaus tut auf MZ-Nachfrage das, wovon PR-Profis wie Popp grundsätzlich abraten: Es geht auf Tauchstation. Weder am Mittwoch noch am Donnerstag wollte Direktorin Perren Fragen zum Einsatz des Krisenmanagers beantworten - weder dazu, was dieser bereits erreicht hat, noch wie das Honorar finanziert wird.

Der Stiftungsratsvorsitzende, Kulturminister Rainer Robra (CDU), verteidigt das Einschalten eines PR-Profis. „In so einer Lage ist Krisenkommunikation notwendig, auch als Hilfe von außen“, sagte er der MZ. Der Stiftungsrat sei per Tischvorlage informiert werden. „Wir konnten uns dazu aber noch keine abschließende Meinung bilden. Das Thema wird bei der nächsten Sitzung erneut beraten.“

Der Tischvorlage lässt sich auch entnehmen, dass die derzeit beurlaubte Bauhaus-Sprecherin gegen eine Abfindung von 54.000 Euro endgültig gehen soll. Insgesamt summieren sich die Kosten der Kommunikationskrise damit auf bis zu 82.000 Euro. (mz)