Debatte um Schloßplatzgestaltung

Debatte um Schloßplatzgestaltung in Dessau: DWG und Bauunternehmer lehnen Rückbau ab

Dessau - Weder die DWG noch der Roßlauer Bauunternehmer Mario Eilfeld sehen jetzt eine Veranlassung, ihre Schloßplatz-Immobilien neu zu gestalten.

Von Heidi Thiemann

Am Schloßplatz scheiden sich die Geister. Erst haben zwei Investoren ihre Entwürfe für einen modernen Hotelneubau vorgestellt. Nun macht die Bürgerinitiative Schloßplatz mit einem Bürgerbegehren für eine historische Gestaltung des Hotels und des gesamten Schlossplatzareals mobil. Was sagen eigentlich die anliegenden Eigentümer dazu?

„Wir verfolgen die Diskussionen aufmerksam“, sagt Anja Passlack, Chefin der Dessauer Wohnungsbaugesellschaft (DWG). Sie sagt aber auch klar, nachdem Bilder im Internet kursieren, auf dem der Mehrgeschosser verschwunden oder rückgebaut ist, weil er nicht zum historischen Ambiente passt: „Einen Rückbau des Gebäudes halten wir in den nächsten Jahren für nicht realisierbar.“

Dafür führt sie mehrere Gründe an: Zum einen sind in das Gebäude 2,4 Millionen Euro Investitionen geflossen. Gegen den Rückbau sprechen aber auch die aktuelle Vermietungssituation und „die Tatsache, dass dieses Objekt auch zum Sicherheitenpool einer Bank gehört“.

Möglich wäre, die vordere Fassade des Mehrgeschossers neu zu gestalten, wenn „sich Förder- oder Finanzierungsmöglichkeiten ergeben“, schränkt die DWG-Chefin ein.

Bauunternehmer Eilfeld befürchtet, dass die Hotel-Investoren abspringen und alles bleibt, wie es ist

Auch in der Markt- und Steinstraße hat die DWG Gebäude, die unmittelbar an das Schloßplatzareal angrenzen. Die sollen ab 2020 abschnittsweise saniert werden. Hier werde Dessau-Roßlaus größter Vermieter „mögliche Gestaltungsvarianten in Abhängigkeit zukünftiger Entwicklungsrichtungen prüfen“, sagt sie. Abgeschlossen aber sei die Diskussion insgesamt noch nicht. Und auch im Aufsichtsgremium der DWG gab es dazu noch keine Abstimmung.

Grundsätzlich begrüße er jede Initiative am Schloßplatz, sagt der Roßlauer Bauunternehmer Mario Eilfeld, „aber nur bis zu einem bestimmten Punkt“. Aufgrund subjektiver Meinungen, erklärt der Besitzer des Bürogebäudes Schlossplatz 3, sollten keine Investoren vergrault werden. Die jetzigen Diskussionen würden aber genau dieses Risiko bergen: Dass die Investoren für ein Hotel abspringen und alles bleibt, wie es ist. „Das wäre die schlechteste Variante.“

Vor vier Jahren hat Eilfeld das zu DDR-Zeiten errichtete Bürogebäude erworben - in der vierten Runde einer Zwangsversteigerung. „Die Stadt hatte Vorkaufsrecht, es aber nicht genutzt“, sagt er, dass damit die Optionen für die Gestaltung am Schloßplatz offen gestanden hätte. Als er es erwarb, war das Gebäude zu 40 Prozent vermietet, heute seien es 95 Prozent. Firmen, aber auch gemeinnützige Vereine sind hier zu finden. Dem Weißen Ring etwa hat er die Räumlichkeiten kostenfrei zur Verfügung gestellt. Investiert hat Eilfeld in Erwerb und Sanierung des Hauses eine hohe sechsstellige Summe.

„Die Stadt hat die Entwicklung an dieser Stelle verschlafen“

„Die Stadt“, kritisiert er, „hat die Entwicklung an dieser Stelle verschlafen.“ Und die Initiative Schloßplatz hätte sich seiner Meinung nach schon vor Jahren gründen müssen. Fakt ist: das Areal sei weder als Sanierungsgebiet ausgewiesen, noch handele es sich bei der Berufsschule um ein Denkmalobjekt, „wo man Auflagen erfüllen müsste“.

Dass die Initiative Schloßplatz sein Bürogebäude in die Planungen mit einbezogen hat, verwundert den Unternehmer. „Gesprochen hat mit mir niemand.“ Veränderungen am Gebäude selbst plant er nicht. „Ich sehe keine Veranlassung.“ Falls aber ein Konzept zum Schloßplatz gefunden werde, könne er sich vorstellen, den Giebel des Hauses, der Richtung Stadteinfahrt Ost und Schloss zeigt, mit Putz zu glätten und farblich dem Johannbau anzupassen. (mz)