Cranach-Tafeln in St. Johannis

Dessau/MZ. - Am 8. November vor 20 Jahren wurde in der Johanniskirche zu Dessau mit einem Festakt die Fertigstellung der Restaurierung und die Hängung der drei Cranachtafeln gewürdigt. Jetzt, im Jubiläumsjahr von Anhalt 800 ist es ein besonders glücklicher Umstand, auf dieses Ereignis zurückzuschauen. Die Gemälde erzählen ein Stück Geschichte und spannen einen Bogen von der Vergangenheit in die ...

14.11.2012, 18:37

Am 8. November vor 20 Jahren wurde in der Johanniskirche zu Dessau mit einem Festakt die Fertigstellung der Restaurierung und die Hängung der drei Cranachtafeln gewürdigt. Jetzt, im Jubiläumsjahr von Anhalt 800 ist es ein besonders glücklicher Umstand, auf dieses Ereignis zurückzuschauen. Die Gemälde erzählen ein Stück Geschichte und spannen einen Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart.

Die Bilder lassen auch einen Blick in die Zukunft zu. In der Reformationsdekade wird 2015 das Jahr sein, wo man den 500. Geburtstag von Lucas Cranach dem Jüngeren mit besonderen Ehren bedenken wird. In diesem Jahr wird es deutschlandweit zu themenbezogenen Ausstellungen kommen. Sachsen-Anhalt wird dann eine Landesausstellung zeigen. Und die Johanniskirche in Dessau dabei ein wichtiger Anlaufpunkt sein.

Die drei Cranachtafeln hingen ehemals in der St. Marienkirche Dessau. Während des Zweiten Weltkrieges wurden sie gemeinsam mit anderen Kunstschätzen in den Harz ausgelagert. Am 1. Mai 1946 begannen die Rückholaktionen. Da die Kirchen in Dessau zerstört waren, wurden die Holztafelbilder zuerst nach Wörlitz gebracht.

Das Bildnis "Christus am Ölberg" wurde im Gotischem Haus, "Die Kreuzigung" und "Das Abendmahl" wurden in der Wörlitzer Kirche aufbewahrt. Ein viertes Tafelbild ist bis heute verschollen geblieben.

Später wurden die Gemälde in die Pötnitzer Kirche in Mildensee gebracht und sollten dort nur vorübergehend hängen. Diese Kirche war im Krieg unbeschädigt geblieben und war zudem beheizbar. Aus der nur befristeten Hängung wurden Jahre, die Marienkirche zu Dessau in der DDR nicht wieder aufgebaut.

Die ehemalige Kirchengemeinde St. Marien blieb ohne eigene Kirche. Die Johanniskirche wurde wieder aufgebaut und 1955 geweiht. 1967 wurden die beiden Innenstadtgemeinden zusammengelegt und führen seit dem den Namen "Evangelische Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien".

Die neue Gemeinde trat das Erbe der Mariengemeinde an und damit auch die Verantwortung über die Cranachtafeln. 1975 wurden die Gemälde in die zentrale Denkmalliste der DDR aufgenommen.

Die Gemälde waren aber geschädigt. Seit 1938 ist bekannt, dass die Holztafeln vom Gemeinen Nagekäfer, Anobium punctatum (im Volksmund Holzwurm), befallen sind. Weiterhin gab es Schäden an der Malschicht und an den Rahmen. Eine Restaurierung und vor allem die Bekämpfung der Schadinsekten waren dringend geboten. Seit 1982 gab es Bemühungen, die erforderlichen Arbeiten anzugehen.

Im April 1988 wurden die Gemälde in die Johanniskirche transportiert. Auf der Südempore gelagert, sollte über die weiteren Schritte befunden werden. Am 4. September 1989 beschloss der Gemeindekirchenrat die Konservierung und Restaurierung baldmöglichst anzugehen.

Eine große Gefahr für die Gemälde entstand, als die Gebete für Erneuerung im Herbst 1989 die Kirche füllten. Die Emporen wurden mit einbezogen und die bisher dort liegenden Bilder mussten hochkant gestellt werden.

Im April 1990 wurden die drei Holztafeln in das Leopold-Dank-Stift überführt. Dort konnten die Objekte in einem verschließbaren Arbeitsraum zielgerichtet untersucht werden.

Im Oktober 1990 beschlossen Mitglieder des Landeskirchenrates und des Gemeindekirchenrates in einer gemeinsamen Beratung die "Aktion zur Rettung der Gemälde". Im Dezember leitete der Gemeindekirchenrat die Aktion "Cranach-Projekt" ein. Im Januar 1991 wurde das "Cranachkuratorium" gebildet. In Folge begann ein groß angelegter Spendenaufruf.

Im April 1991 beschloss der Stadtrat, dass sich die Stadt Dessau mit einer Förderung von 65 000 DM an dem Projekt beteiligt. Die Musikschule startete im Mai ein Benefizkonzert. Viele kleine und große Sponsoren trugen zum Gelingen bei.

Insgesamt kostete das Projekt rund 270 000 DM. Eine nachhaltig wissenschaftliche Erkenntnis ist mit dem Projekt verbunden geblieben. Erstmalig wurde ein Kunstwerk praxisnah mit Stickstoff begast und dieser Prozess ist wissenschaftlich begleitet worden.

Seither ist es in der Praxis der Holzschutzbehandlung an Kunstwerken selbstverständlich, dass Stickstoffbegasungen eingesetzt werden. Im Mai 1992 wurde es möglich, dass die beiden Gemälde "Christus am Ölberg" und "Kreuzigung" im Altarraum der Johanniskirche montiert werden konnten. Im November folgte dann die Holztafel "Das Abendmahl".

Somit konnte am 8. November 1992 mit einem "Cranach-Bilderfest" das Projekt "Rettung der Cranachgemälde", für das sich federführend Pastor Peter Rauch eingesetzt es maßgeblich voran gebracht hatte, abgeschlossen werden.