Drei Wochen Bauzeit

Bauhauslehrers Ludwig Hilberseimer: Studenten verwirklichen in Dessau Bau nach altem Bauhäusler-Entwurf

Dessau - In Törten verwirklichen Architekturstudenten ab Ende Juli einen Entwurf des Bauhäuslers Ludwig Hilberseimer. Die Nachbarschaft ist skeptisch.

Von Daniel Salpius

Anwohner mitreißen, in Kontakt treten, nicht wie Außerirdische landen: Das ist den Architekturstudenten aus Kassel wichtig, die zwischen Ende Juli und Anfang August in der Törtener Mittelbreite 12 einen Flachbau nach einem nicht realisierten Entwurf des Bauhauslehrers Ludwig Hilberseimer errichten wollen.

Dass es nicht einfach wird, die Dessauer für dieses Architektur-Experiment unter der Leitung des ehemaligen Bauhausdirektors Philipp Oswalt zu begeistern, bekamen die Studenten am Dienstag bei ihrer Infoveranstaltung im Gropius-Gymnasium zu spüren. Bei den etwa 20 Anwohnern, die gekommen waren, überwog spürbar die Skepsis - vor allem in Bezug auf den vorgestellten Projekt-Zeitrahmen.

Denn auf dem für den Bau vorgesehenen städtischen Grundstück in der Mittelbreite 12 steht bislang noch das Gebäude der ehemaligen Stadtteilbibliothek. Schon bis 22. Juli, dem geplanten Baubeginn, müsste der Abriss erfolgt, das Grundstück beräumt sein.

„Die Bibliothek sollte dann weg sein, die Stadt hat uns Baufreiheit bis dahin zugesagt“

Die beiden Architekturstudentinnen Kim Marie Müller und Jana Hofmann, die den Anwohnern Rede und Antwort standen, zeigten sich da optimistisch: „Die Bibliothek sollte dann weg sein, die Stadt hat uns Baufreiheit bis dahin zugesagt.“ Die Runde überzeugte das nicht. „Ich würde mich wundern, wenn die Stadt diesen Terminplan einhält“, sagte ein älterer Herr. Andere äußerten sich ähnlich.

Tatsächlich gibt es laut Stadt noch keinen Termin für den Abrissbeginn. „Der konkrete Ausführungszeitraum wird mit dem ausführenden Abbruchunternehmen in der nächsten Woche vereinbart“, erklärte Stadtsprecherin Cornelia Maciejewski auf MZ-Nachfrage am Donnerstag. Ob der Abriss bis 22. Juli zu schaffen ist, ließ die Stadt unbeantwortet.

Der geplante Flachbau in Holzbauweise soll ebenfalls binnen kürzester Zeit, in nur drei Wochen, errichtet werden. Am 11. August soll das neueste Törtener „Bauhaus“ stehen und Dessau im Bauhausjubiläum einen weiteren Anziehungspunkt bescheren. Alle Arbeiten würden dabei von den Studenten selbst ausgeführt, so Kim Marie Müller. Finanziert werde das Projekt über Spenden- und Fördergelder.

Nur gut ein Jahr wird das Gebäude in der Mittelbreite stehen

Nur gut ein Jahr wird das Gebäude in der Mittelbreite stehen. „Danach wird es zurück gebaut und soll dann nach Berlin ans Mies van der Rohe Haus gehen“, so Müller. Man wolle eine grüne Wiese hinterlassen.

Wichtig ist den Studentinnen der soziale Aspekt des Experiments. Sie wollen für die Zeit des Baus am liebsten direkt bei Dessauern unterkommen. Offene Abende sollen veranstaltet werden, jeder, der Interesse hat, soll jederzeit vorbei kommen, mit Hand anlegen können. „Wir planen, selbst vor Ort zu kochen, und uns um Essensspenden zum Beispiel von Bäckern zu bemühen“, erklärte Jana Hofmann.

Unklar ist noch immer die Frage, wie der Pavillon am Ende genutzt wird. „Warum bauen wir hier so ein Ding und keiner weiß, was damit gemacht werden soll?“, fragte ein Anwohner in die Runde. „Es ist ein Experiment. Die Studenten wagen hier etwas, das uns bereichert“, verteidigte ein Vertreter der Dessauer Wohnungsgenossenschaft, die das Projekt unterstützen will, das Vorhaben. Ursprünglich war geplant, dass Schüler des Gropiusgymnasiums den Bau mit errichten und später nutzen.

Bauzeit fällt in die großen Ferien - Lehrer und Schüler könnten daher gar nicht mitwirken

„Die Jugendlichen haben sich ein Schülercafé gewünscht. Das geht aber rechtlich leider nicht“, so Müller. Durch einen neuen Anbau am Gropius kämen die Schüler auch gar nicht mehr am Grundstück vorbei, warf Lehrer Frank Dietrich ein. Er kritisierte zudem, dass die Bauzeit in die großen Ferien falle, Lehrer und Schüler könnten daher gar nicht mitwirken.

Weil das Gebäude nicht gedämmt wird, ist eine Nutzung noch dazu nur in den Sommermonaten möglich. Aktuell werde geplant, so Kim Marie Müller, die Schlüssel einer Trägerschaft zu übergeben, damit sich Privatleute oder Organisationen dort einmieten können. (mz)

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