Baldige Fortsetzung?

Baldige Fortsetzung? Strafgefangene machen den Friedhof III in Dessau schön

Dessau - Strafgefangene sorgen für neuen Zaun, sanierte Bänke und Tore. Das Projekt lief drei Jahre. Wie sich der Stadtpflegebetrieb die Zusammenarbeit vorstellt.

Von Annette Gens

Der 25. Januar 1922 war für Dessau ein rabenschwarzer Tag. Es war der letzte Tag des Friedrichtheaters. Als das große, stattliche Haus brannte, wurde eine Person vermisst. Die Kammersängerin Lily Herking, die auf ihrer Arbeitsstelle ums Leben kam, wurde auf dem Dessauer Friedhof III beerdigt.

Wer die Gedenksteine auf dem Friedhof in der Heidestraße liest, erkennt bald, wie viele bekannte Dessauer Persönlichkeiten dort ihre letzte Ruhe gefunden haben: hohe Militärs, Minister, Wirtschaftskapitäne, Industriepioniere, Komponisten, Ärzte, Kaufleute, Hofhandwerker - ganze Familien, die Dessau geprägt haben.

Zusammenarbeit mit dem offenen Vollzug

Sabine Moritz, Geschäftsführerin des Stadtpflegebetriebes, bedauerte in der Vergangenheit nur, dass Kapazitäten fehlten, ein Stück Stadtgeschichte auf dem Friedhof aufzuarbeiten.

Doch es besteht Hoffnung, sagt Moritz. Hoffnung, dass die Zusammenarbeit zwischen Stadtpflegebetrieb, dem das Friedhofswesen untersteht, und dem offenen Vollzug Dessau weitergehen kann. Am Donnerstag aber wurde zunächst einmal ein gutes Kapitel der Zusammenarbeit geschlossen.

16.750 Zaunlatten in drei Jahren

Drei Jahre lang haben insgesamt 75 Freigänger der ehemaligen Dessauer Justizvollzugsanstalt dafür gesorgt, dass auf dem Friedhof III eine ordentliche Zaunanlage entstanden ist. Zwischen fünf und sieben Freigänger waren immer auf dem Friedhof tätig. Unter Regie des Europäischen Bildungswerks und in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb für Beschäftigung und Bildung der Gefangenen wurde durch die Gefangenen 1,6 Kilometer marode Zaunanlage erneuert.

Die Helfer brachten in den drei Jahren 16.750 Zaunlatten an den selbst errichteten Gerüsten an. Auch die denkmalgeschützte Zaunanlage an der Vorderfront des Friedhofs ist nun wieder ansehnlich. Die Freigänger reparierten 70 Bänke für städtische Friedhöfe und den Stadtpark sowie mehrere Tore. Sie setzten 100 Meter Sandsteinborde.

Strafgefangene sollen Schritt für Schritt resozialisiert werden

Der Nutzten ist nicht nur für Dessau enorm. „Wir“, so versichert Geschäftsführerin Moritz, „sind nur für die Materialkosten aufgekommen. Und wir hätten diese Arbeiten nicht aus eigener Kraft erledigen können.“

Aber auch die Freigänger haben profitiert, erinnert Volker Prietz vom Europäischen Bildungswerk an das Anliegen solcher Maßnahmen: Strafgefangene sollen Schritt für Schritt resozialisiert werden. Sie lernten den Arbeitsalltag kennen, der nach der Entlassung aus dem Strafvollzug wartet, und sie bekamen auch manchmal zu spüren wie das ist, wenn die Arbeit vom Vortrag von Vandalen zerstört wird. Wie man sich fühlt, wenn Arbeit nicht geachtet wird, erzählt Prietz.

„Da benötigen wir viele Helfer.“

Insgesamt 14 Freigänger leben in einem Teil der ehemaligen Dessauer Justizvollzugsanstalt. Sie sollen nach Möglichkeit in der Stadt arbeiten, sagte Marko Geitz und nennt ein Beispiel: Zwei von ihnen sind ab 1. Juli für die Grundanlagen von Amts- und Landgericht zuständig.

Nach Möglichkeit soll aber auch der Stadtpflegebetrieb Partner für das nächste größere Projekt sein. An den Konzepten wird geschrieben, sagt Moritz und weiß: Nicht nur auf Friedhof III und in punkto Bewahrung von Stadtgeschichte gibt es einiges zu tun.

Mit Blick auf die Dessauer Bewerbung zur Landesgartenschau stehen für Moritz viele kleine Arbeiten in Dessau an. Papierkörbe müssen von Graffiti befreit und gestrichen werden. „Da benötigen wir viele Helfer.“ Bis etwas entschieden ist, bleiben die Freigänger Helfer des städtischen Unternehmens und werden dort angeleitet. Bis ein neues Projekt startet. (mz)