Bahnhofsmission Dessau

Bahnhofsmission Dessau: Seit 25 Jahren wird keiner weggeschickt

Dessau - Am Montag werden in der Bahnhofsmission Geburtstagskerzen angezündet. 25 an der Zahl. Und dieses Jubiläum werden die Mitarbeiter um Brigitte Magaschütz mit ihren Schützlingen gebührend feiern.

Von Sylke Kaufhold

Am Montag werden in der Bahnhofsmission Geburtstagskerzen angezündet. 25 an der Zahl. Und dieses Jubiläum werden die Mitarbeiter um Brigitte Magaschütz mit ihren Schützlingen gebührend feiern.

„Das wird voll werden hier“, weiß die Leiterin der Einrichtung. Denn die Zahl der Gäste, die sie in der Bahnhofsmission betreuen, ist in den Jahren stetig gestiegen.

Waren es anfangs 10 bis 20 in der Woche, liegt die Zahl heute zwischen 40 und 50. Evelin Heinrich, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Dessau, dem Trägerverein der Bahnhofsmission, verdeutlicht diese Entwicklung mit einer noch eindrucksvolleren Zahl. Seien es anfangs 10.000 Gästekontakte im Jahr gewesen, so stünden jetzt in zwölf Monaten etwa 30.000 Kontakte zu Buche.

Wer die Dienste der Bahnhofsmission in Anspruch nimmt, hat große Probleme im Leben

Die Aufgaben indes haben sich in den 25 Jahren nicht verändert. Die Begleitung und Unterstützung von Reisenden sowie die Hilfe für Bedürftige sind von dem kleinen Team zu bewältigen.

Drei festangestellte Mitarbeiterinnen sind dies sowie zwei Kollegen, die vom Jobcenter im Programm 58+ beschäftigt werden. Außerdem verstärken seit Sommer bis zum Jahresende zwei syrische Kollegen das Team. „Wenn wir sie behalten könnten, wäre das schön“, sagt Brigitte Magaschütz, „sie sind uns eine echte Hilfe geworden und werden auch von unseren Gästen akzeptiert.“

Wer die Dienste der Bahnhofsmission in Anspruch nimmt, hat große Probleme im Leben. „Es sind Bedürftige im wahrsten Sinne des Wortes, Alleinstehende, Einsame, Kranke“, fasst Beate Wolf zusammen.

Oftmals seien es Menschen, die sonst nicht wissen, wohin sie gehen sollen, um Kontakt zu anderen zu haben. Vom Alter her streifen sie alle Generationen - „14 bis 96“ nennt Magaschütz die Spanne. „Es haben sich hier auch schon Freundschaften entwickelt und Paare gefunden“, berichtet sie stolz.

Die Dankbarkeit der Schützlinge ist groß

Für viele ihrer Schützlinge seien sie der Familienersatz, erzählen die beiden Frauen, die schon seit 15 bzw. 17 Jahren in der Bahnhofsmission arbeiten. „Viele brauchen Führung im Leben, wir hören zu, geben Tipps, wie eine Familie eben“, beschreibt Beate Wolf ihr Tun. Viele ihrer Schützlinge kommen wohl auch deshalb über viele Jahre und halten den Kontakt, auch wenn sie nicht mehr regelmäßig die Dienste der Bahnhofsmission in Anspruch nehmen (müssen). „Ihre Dankbarkeit ist groß“.

Versorgt werden die Bedürftigen in der Bahnhofsmission mit einem kostenlosen Frühstück sowie einem Abendbrot, wofür ein symbolischer Preis von 25 Cent berechnet wird. Mittagessen werde nicht mehr angeboten, „da verweisen wir an die Suppenküche“, so Magaschütz.

Es gebe in der Stadt etliche Menschen, die richtig Hunger leiden, macht Wolf deutlich. Von vielen Firmen, Einrichtungen und Dessauer Bürgern bekommt die Bahnhofsmission Unterstützung. So die Bäckereien Franke und Le Cro Back, die Brot, Brötchen und Kuchen zur Verfügung stellen.

Oder der Johanniterorden und die Soroptimistinnen, die finanziell und ideell helfen. „Es kommen auch viele Bürger, die uns Kleider spenden, Geld oder Süßigkeiten.“ So habe eine Dessauerin zum Nikolaus 30 Säckchen gehäkelt und mit Süßem gefüllt. Andere backen Kuchen. „Die Hilfsbereitschaft der Dessau-Roßlauer ist groß“, freuen sich die beiden Frauen.

Festliche Weihnachtsfeier am 22. Dezember

Die Arbeit in der Bahnhofsmission ist mehr als ein Job. „Die Schicksale gehen einem auch nach so vielen Jahren noch an die Nieren“, erzählt Beate Wolf. „Für mich ist das hier längst eine Berufung geworden.“ Auch Brigitte Magaschütz ist überzeugt, „wenn man es nicht mit Liebe macht, kann man es nicht machen.“ Auch Berührungsängste dürfe man nicht haben. „Wir nehmen jeden so an, wie er ist. Das ist unser Credo.“

Vor fünf Jahren hat die Bahnhofsmission im Bahnhofsgebäude neue größere Räumlichkeiten bezogen. „Jetzt haben wir genügend Platz für alle und unsere Veranstaltungen“. So auch für die große Weihnachtsfeier am 22. Dezember mit einer festlichen Kaffeetafel, Musik von Theatermusikern, einer Andacht, Bescherung und einem Abendessen zum Abschluss. (mz)