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Aufruf im Internet

Aufruf im Internet: Rechte und Neonazis planen Kundgebung in Dessau-Nord

Dessau - Rechte und Neonazis aus Anhalt mobilisieren für Dienstag, 10. April, unter dem Motto „Kandel ist überall“ zu einer Kundgebung auf dem Lidiceplatz in Dessau-Nord. Darauf hat das Netzwerk „Gelebte Demokratie“ aufmerksam ...

10.04.2018, 07:46

Rechte und Neonazis aus Anhalt mobilisieren für Dienstag, 10. April, unter dem Motto „Kandel ist überall“ zu einer Kundgebung auf dem Lidiceplatz in Dessau-Nord. Darauf hat das Netzwerk „Gelebte Demokratie“ aufmerksam gemacht.

Den Aufruf hat eine „Bürgerbewegung in und um Dessau-Roßlau“ im Internet veröffentlicht. „Dahinter stehen neonazistische Akteure aus dem NPD-Umfeld und dem militanten Kameradschaftsspektrum“, sagt Steffen Andersch vom Netzwerk.

Hetze in sozialen Netzwerken: Geflüchtete Menschen ohne Differenzierung als Kriminelle abgestempelt

Auf einschlägigen Profilen in den sozialen Netzwerken werde die rassistische und fremdenfeindliche Hetze offensichtlich. „So werden Sexualverbrechen und Messerattacken von nichtdeutschen Tatverdächtigen, die durch nichts zu rechtfertigen sind, dafür genutzt, geflüchtete Menschen per se und ohne Differenzierung zu Kriminellen abzustempeln“, sagt Andersch.

In Kandel war im Dezember 2017 ein 15-jähriges Mädchen von ihrem Ex-Freund, einem Flüchtling aus Afghanistan, erstochen worden.

Lidiceplatz steht wie kaum ein anderer Ort in Dessau für den Terror der Nationalsozialisten

Das Demokratie-Netzwerk verurteilt „diesen Versuch der rassistischen Hetze und Geschichtsklitterung“. Es kritisiert auch, dass sich die Rechtsextremisten mit dem Lidiceplatz einen Ort ausgesucht haben, „der wie kaum ein anderer in der Stadt symbolisch für den Terror der Nationalsozialisten steht“.

Die Skulpturen dort von Bertolt Brecht und Kurt Weill erinnern daran, dass in Nazideutschland Bücher brannten, Tausende ins Exil getrieben wurden und schließlich alles im Holocaust endete.

Der Platz, der den Namen des Dorfes Lidice trägt, erinnert zudem an die Gräueltaten der deutschen Besatzer in Tschechien. 1942 war Lidice ausgelöscht worden. Hier wurden während des Zweiten Weltkrieges nahezu alle Männer ermordet, die Frauen, Kinder und alte Menschen in Konzentrationslager deportiert und das Dorf zerstört.

Zum Jahrestag des Massakers von Lidice: Erinnerungsprojekt in Nord geplant

Das Verbrechen fand 1942 als Teil der Racheaktionen nach dem Prager Attentat auf den Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, Reinhard Heydrich, statt. Die Behauptung, die Dorfbewohner hätten die Attentäter beherbergt, stellte sich später als falsch heraus.

Bereits jetzt laufen laut Demokratie-Netzwerk Planungen, am 9. Juni, an dem sich das Massaker von Lidice zum 76. Mal jährt, ein Erinnerungsprojekt in Nord umzusetzen. (mz)